Die geheimen Helden des Alltags

Ja, auch Sie können ein Held sein. Und ich bin es auch. Es geht ganz einfach.

Gefühlt jahrzehntelang hörte ich zu Hause, dass irgendwas mit der Dusche nicht in Ordnung sei. Der Abfluss funktioniere nicht. Das müsse mal jemand reparieren. Und da hatten die anderen Recht, auch ich hatte diesen Missstand erkannt und war der Meinung, dass müsse jemand unbedingt mal reparieren.

Lange Zeit nahm ich wohlwollend diese Information wahr, stimmt ihr zu ging davon aus, dass es einfach um die Kommunikation dieser Informationen ging.

Irgendwann überkam mich jedoch das schleichende Gefühl, dass das Ganze auch als Aufforderung gemeint sein könnte, dass vielleicht ich, ja ich, da Abhilfe schaffen sollte, dass ich vielleicht diesen Abfluss der Dusche reparieren sollte. Könnte ich dieser ominöse Jemand sein, von dem da immer gesprochen wurde?

Egal, auch wenn die Sachlage unklar war und die Formulierung nicht eindeutig, ging ich die Sache an und befreite den Abfluss von eklig stinkendem Morast, der sich darin angesammelt hatte. Ich mache kein großes Aufheben wegen der langen Zeit, die ich mit den Reparaturarbeiten verbrachte, es dürften mindestens fünf Minuten gewesen sein.

Mit innerer Vorfreude wartete ich schon auf die große Dankbarkeit und tiefe, fortwährende Verbundenheit, die mir nun tagtäglich entgegenströmen würde, so wie mir bislang tagtäglich die Information bezüglich der Reparatur vermittelt wurde. Jeden Morgen würde es fortan heißen, oh, wir sind so froh, dass die Dusche wieder abfließt. Möglicherweise würde man sogar einen alljährlichen Gedenktag zur Reparatur des Duschabflusses einrichten. Doch dies würde ich natürlich nicht erwarten und sogleich vehement von mir weisen, wenngleich es der gewaltigen Sache den würdigen Ernst verleihen würde.

Freudig freute ich mich also auf die Zeit nach der Reparatur. Und tatsächlich, dann passierte auch etwas: Nämlich nichts.

So sind wir, die Helden des Alltags. Uneigennützig, still und leise ziehen wir unsere Bahnen und helfen dort, wo Hilfe angebracht ist. Wir sehen, was andere nicht sehen, wie helfen, noch bevor die Hilfe überhaupt benötigt wird. Und Dank und Anerkennung dafür möchten wir nicht. Genug Anerkennung ist es uns, wenn die anderen in Frieden und Freiheit und Glück fortan duschen können. Freiheit, Gleichheit und Duschbarkeit, das sind unsere hohen Ideale, für die unermüdlich einzutreten wir nicht müde werden.

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