Gebete und Therapien gegen Homosexualität?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, selber homosexuell, möchte eine Praxis gesetzlich verbieten lassen, die oft im evangelikalen Umfeld Anwendung findet, nämlich sogenannte Konversionstherapien.

Damit ist gemeint, dass oftmals sogenannte bibeltreue Christen, die zu wissen glauben, was die Bibel auf das Hier und Heute übertragen so meine, Menschen, die homosexuell sind, in einer vermeintlichen Therapie, bestehend aus Gebet und Überredungskunst, dazu bringen wollen, künftig nicht mehr homosexuell zu sein.

Jens Spahn machte deutlich, dass Homosexualität keine Krankheit ist und demnach auch nicht therapiert werden muss.

Der evangelikale Bibelbund dagegen fühlt sich auf die Füße getreten und befürchtet, dass es ja bald strafbar werden könne, wenn man allein dafür bete, dass jemand nicht mehr so schwul sei.

Entschuldigen Sie, ich musste mir jetzt wirklich ein Lachen verkneifen.

Das kommt mir echt zu absurd vor, zu beten, dass jemand nicht mehr so schwul sein soll. Denn Homosexualität wählt man sich ja eigentlich nicht freiwillig aus. Oder wann haben Sie entschieden, dass Sie heterosexuell sind? Oder transsexuell? Oder bisexuell? Oder homosexuell? Oder whatever?

Was wohl bedenklich ist an solchen Konversionstherapien, ist, dass Menschen, die eben homosexuell veranlagt sind, durch ein solches Vorgehen stigmatisiert werden. Es wählt sich doch niemand den bewusst schweren Weg der Homosexualität, die es selbst in liberalen Demokratien immer noch nicht ganz leicht in Bezug auf die Anerkennung bei allen Menschen hat.

Andererseits muss man sagen, dass ein gesetzliches Verbot wohl auch ein bisschen mit Spatzen auf Kanonen geschossen ist oder umgekehrt, Sie wissen schon. Wer will, möge doch beten können, dass beispielsweise Jens Spahn nicht so schwul sei, aber deswegen braucht er ja nicht gleich strafrechtlich belangt zu werden.

Allerdings kenne ich mich in evangelikalen Kreisen dann nicht so sehr aus, als dass ich von einer Unbedenklichkeit derartiger sogenannter Therapien ausgehen könnte. Es mag sein, dass damit Menschen tatsächlich massiv unter Druck gesetzt werden. Insofern ist eine gesetzliche Strafbarkeit vielleicht auch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Aber andererseits ist sie wohl auch nicht der richtige Weg.

Vor allem ist es aber so, dass man in eigener Sache und als Betroffener nie ein guter Anwalt ist. Wenn also der homosexuelle Gesundheitsminister Konversionstherapien verbieten will, wirkt das nicht gerade nach überwältigender Objektivität.

7 Comments

  1. Gebete und Therapien gegen Homosexualität – es gibt keinen größeren Quatsch, ehrlich mal!
    Du hast schon geschrieben, dass sich kein Mensch das ausgesucht hat, so zu sein.
    Zu meinem Freundeskreis gehört ein schwuler evangelischer Pfarrer. Ich weiß nicht, gegen wie viele Vorurteile er schon ankämpfen musste.
    Er ist wie er ist, ein total liebenswerter, kluger Mensch, ein toller Freund!
    Und ich frage mich, nach solchem Quatsch: Was macht heute eigentlich noch einen Christen aus?
    Und, haben wir keine anderen Sorgen?
    Gene mit einem Gebet bezwingen zu wollen – welch eine Eulenspiegelei…..

  2. ja, diejenigen Männer und Frauen, die homosexuell sind und die ich kenne, sind das auch: homosexuell. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass sie ihre sexuelle Prägung in irgendeiner Weise ändern könnten. Und man braucht ja nur bei sich selbst einmal zu fragen, ob man das könnte. Könnte man sich als heterosexueller Mann vorstellen, durch eine entsprechende Therapie plötzlich auf andere Männer abzufahren anstatt auf Frauen? Wahrscheinlich nicht.
    Solche Pseudotherapien sind wahrscheinlich ein ziemlicher Quatsch, bestenfalls; und wenn es schlecht läuft können sie betroffene Menschen aber sicherlich extrem unter Druck setzen und stigmatisieren.
    Also insofern kann ich nachvollziehen, dass jemand sich massiv gegen derartige Therapieansätze ausspricht. Funktioniert einfach nicht. Und ich würde auch einmal zur Diskussion stellen, ob Bibelstellen, die das Thema Homosexualität betonen, nicht irgendwie zeitbedingt interpretiert werden müssten.
    Und es wäre in dieser Hinsicht, ohne da etwas unterstellen zu wollen, sicher auch mal aufschlussreich, zu untersuchen, wie viele der katholischen Priester möglicherweise homosexuelle Tendenzen aufweisen könnten, Priester, die ja im Zölibat leben sollen, was viele Menschen rein biologisch betrachtet als ziemlich große Bürde sehen. Ich könnte mir vorstellen, dass die rein männliche Ausrichtung der katholischen Kirche in bezug auf Priester sicherlich eine gewisse Anziehungskraft für Menschen mit homosexueller Prägung haben könnten. Aber gut, jetzt habe ich ein weiteres Thema aufgemacht, ich schließe es gleich wieder. Und es wäre sicherlich ebenfalls falsch, nun jedem katholischen Priester eine derartige Ausrichtung anhängen zu wollen, das ist sicher ebenfalls nicht der Fall.

  3. Ich stimme dem Text weitgehend zu.
    Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es manchmal eben einen Betroffenen braucht, um überhaupt das Bewusstsein für die Probkematik ins Amt mitzubringen und auch den Mut.
    Das mag nicht immer so sein, aber es scheint mir doch nicht ohne Belang.

  4. Oh ja, dieses Thema, welches du hier einbringst, ist hoch brisant. Einen Klick ins Denken des Papstes! Vielleicht ists im Vadikan noch nicht angekommen, dass wir im 21. Jahrhundert leben und demnach vieles schon enorm überholt ist, woran dort noch festgehalten wird.
    Aber gut, auch ich schließe diese Thementür, sicher nicht für immer, aber hier.

  5. Es schon unglaublich, wieviel Zuspruch das Diktat von perversen widernatürlichen Unzüchtigen hat. Natürlich kann die Homosexualität schon allein deshalb nur eine psychische Krankheit sein, weil sich ein solcher Sexsüchtiger zwanghaft ständig in Lebensgefahr (Aids) bringt.

    Nicht einmal denjenigen, die von diesem Zwang freikommen wollen, lassen Sie ihren Willen. Wie weit sind wir eigentlich schon? War alles schon einmal da in Sodom und in Gomorrha.

  6. Naja, Ihre Argumentation wirkt auf mich jetzt nicht ganz schlüssig in sich selbst. Zum einen sucht sich niemand seine sexuelle Ausrichtung bewusst aus. Zum anderen gibt es Sexsucht sowohl bei heterosexuellen als auch bei homosexuellen Menschen. Des Weiteren ist es so, dass Menschen jeglicher sexueller Ausrichtung beispielsweise auf dem Weg des Geschlechtsverkehrs Krankheiten bekommen können, wenn sie sich nicht schützen.

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