Brexit: danke auch, David Cameron

Als David Cameron noch Premierminister von Großbritannien war, war er doch etwas genervt von all den Unkenrufen, dass die EU ja so schlimm sei.

Dann zählte er zwei und zwei zusammen und schaute auch noch auf die Prognosen und fasste sich ein Herz. Ein Referendum sollte her, welches er ziemlich sicher zu gewinnen glaubte. Es sollte nichts weniger entschieden werden, als ob Großbritannien in der EU verbleiben oder austreten wolle.

Kaum stand das Referendum und der Termin, schlug die Stunde der Populisten. Auch die britische Presse tat das ihrige, um mit populistischen Versprechen und Halbwahrheiten die Leute anzustacheln.

Die Populisten kamen sogar mit Unwahrheiten daher, aber diejenigen, die für Aufklärung sorgen wollten, wurden kaum mehr gehört.

Und dann gab es noch diejenigen, vor allem offenbar die Jüngeren in der Gesellschaft, die dachten, das Ganze läuft schon von selbst, sie gehen mal lieber am Wahlabend gemütlich ein Pint oder auch gleich mehrere in irgend einem gemütlichen Pub trinken. Und dann wachten sie am nächsten Morgen auf und merkten, dass nichts mehr war, wie zuvor. Dass Großbritannien aus der EU raus sollte. Das war ein teures Pint oder zwei oder drei.

Und seitdem versucht Theresa May den Spagat zwischen zwei Unmöglichkeiten. Großbritannien soll in der EU drin bleiben und gleichzeitig draußen sein. Die Grenze zwischen Nordirland und Irland soll einerseits kontrolliert werden dürfen, andererseits soll sie offen sein, weil sonst wieder ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte.

Und nun geht die Zeit aus, bis Ende März tickt die Uhr.

Bei der ganzen Sache kann man aus deutscher Sicht viel Verständnis dafür haben, dass ein halbes oder, wie im deutschen Fall, auch ein ganzes Volk einem oder mehreren Populisten hinterherläuft. Aber aus deutscher Sicht muss man auch sagen, dass man damit allzu schlechte Erfahrungen gemacht hat. Und nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt übrigens auch, als ganz Deutschland im letzten Jahrhundert dem größten Unglück aller Zeiten hinterher lief und so auch den Rest der Welt ins Unglück stürzte.

Da würde man sich doch wünschen, dass die Briten es dieses Jahr besser hinbekommen. Vielleicht kann ja irgendeiner noch ein bisschen Vernunft aus der Tasche zaubern und vielleicht wird diese Vernunft gehört, so dass der Brexit nicht mit einer Lose-Lose-Situation für Großbritannien und Europa endet.

Die EU dürfte etwas leiden darunter, in Deutschland könnten bis zu 100.000 Arbeitsplätze betroffen sein, wie ich vorhin hörte, aber ganz besonders wird Großbritannien leiden, weil die Wirtschaft schrumpfen dürfte und viele Wirtschaftszweige einbrechen dürften. In der Folge dürfte die Arbeitslosigkeit in Großbritannien steigen und es könnten soziale und politische Unruhen entstehen, was dann erneut die Stunde der Populisten wäre.

Blöd. Und alles nur, weil David Cameron sich verkalkuliert hatte. Wenn ein Berufspolitiker einem populistisch infiltrierten Volk, das noch zudem nicht sonderlich gut informiert ist, die Wahl über Leben und Tod in die Hände gibt, ist das nicht die beste aller Ideen.

Und die EU? Warum gibt die EU nicht nach? Weil sie nicht weiter nachgeben kann. Sie muss 27 Länder zu einem Konsens bewegen. Sie kann nicht eine Extrawurst für Großbritannien machen, die so groß ist, dass dieses Land nach dem Brexit besser dasteht als zuvor.

Denn sonst würden sofort alle 27 anderen Länder ebenfalls aussteigen. Alle würden dann in der EU und gleichzeitig aus der EU draußen sein wollen. Das wäre faktisch das Ende der EU.

Die Folge wäre, dass man wieder lauter Nationalstaaten hätte, die zunächst wirtschaftlich, irgendwann dann vielleicht aber auch militärisch gegeneinander vorgehen würden.

Die EU ist zwar eigentlich eine Wirtschaftsgemeinschaft, fühlt sich aber auch einem gemeinsamen Recht und gemeinsamen Werten verpflichtet.

Sie ist somit auch eine Gemeinschaft, die für Frieden steht und innerhalb dieser statt Waffen und Kriegen Finanzströme fließen. Damit es niemandem zu schlecht geht, sondern alle einigermaßen gut leben können. Das ist der Gedanke der EU. Schade, dass Großbritannien diesen Gedanken zum Teil irgendwie nicht versteht oder vergessen hat.

5 Comments

  1. Ja, eigentlich immer dann, wenn beispielsweise Weihnachten und Ostern auf einen Termin zusammenfallen. Manchmal auch am St. Nimmerleinstag. 😉

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