Wenn jemand Kinder schlägt

Glücklicherweise ist es in Deutschland schon seit mehreren Jahrzehnten auch gesetzlich verboten, Kinder zu schlagen.

Glücklicherweise kenne ich auch niemanden, der dies tun würde.

Kürzlich jedoch hörte ich etwas sehr Schlimmes, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Jemand, der jetzt so um die 80 Jahre alt ist, erzählte mir, wie er und seine Brüder von dessen Vater früher geschlagen wurden. Und zwar aus den nichtigsten Gründen.

Der Vater holte seinen Gürtel heraus und schlug die Söhne. Oder er nahm einen Stab. Besonders übel war auch noch, mit einem Löffel auf die Oberseite der Hände zu hauen. Die Söhne hatten meistens oder vielleicht sogar immer überhaupt nichts gemacht, erfanden dann aber irgendetwas, was sie gemacht haben könnten, nur mit damit das Schlagen aufhörte.

Wenn man das hört, krampft sich einem alles zusammen.

Einer der Söhne ist schon seit vielen Jahrzehnten tot. Die beiden anderen leben noch. Und ich denke, sie leiden noch unter dem, was sie erlebt haben. Einerseits sagte der eine, man müsse das irgendwie verstehen, der Vater habe im Krieg doch schlimme Dinge mitgemacht.

Aber wenn ich das höre, erscheint mir das nach einer Art Stockholm-Syndrom. Dieses besagt, dass beispielsweise Entführungsopfer sich mit ihrem Entführer oft emotional so solidarisieren, dass sie selber gar nicht mehr merken, dass sie ja eigentlich die Leidtragenden sind. Sie glauben fast, sie hätten Schuld an der ganzen Sache.

Die beiden Brüder, die noch leben, hatten es ihr Leben lang sehr schwer mit Beziehungen. Bei dem einen klappte es so lala, ein bisschen. Der andere ist gar nicht dazu in der Lage, enge emotionale Beziehungen mit einem Partner oder einer Partnerin aufzunehmen, so wie es mir scheint.

Gewalt und Vernachlässigung in der Kindheit haben die schlimmsten Folgen für das ganze Leben.

Sollten Sie etwas derartiges mitbekommen, wenden Sie sich bitte ans Jugendamt und die Polizei. Denn spätestens heute, im 21. Jahrhundert, darf man so etwas unter keinen Umständen mehr tolerieren.

Und nein, egal, was irgendjemand irgendwo erlebt hat, es ist niemals eine Rechtfertigung dafür, unschuldige und wehrlose Menschen zu schlagen, Kinder schon gleich gar nicht. Gewalt ist und bleibt keine Lösung. Wer Kinder schlägt, zeigt psychisch auffälliges Verhalten. Er oder sie gehört in psychologische oder vielleicht sogar psychiatrische Behandlung.

6 Comments

  1. Als ich zur Schule kam, war es damals in Niedersachsen noch üblich, dass die Lehrer uns Kindern mit dem Rohrstock auf die Finger gehauen haben, oder mit dem Lineal. Das war eine ganz normale Erziehungsmethode, damals. Verboten worden ist das erst Mitte/Ende der Fünfziger Jahre.

  2. Ich bin Mitte der 80er Jahre in die Schule gekommen und auch da wurde noch von manchen Lehrern Gewalt angewendet, z. B. Schlag auf den Hinterkopf, Ziehen an den Ohren und auch mal eine Ohrfeige.

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