Gibt es denn heute noch anständige Leute?

Ich greife hier nicht auf repräsentative Studien zurück, sondern auf Erfahrungswerte und würde demnach sagen, ja, es gibt sie.

Die meisten Menschen, so würde ich denken, sind im Grunde anständig, zumindest in Deutschland.

Und zwar sind sie anständig aus verschiedenen Motiven heraus.

Die einen vielleicht aus Furcht vor dem Gesetz und Konsequenzen bei Gesetzesübertretungen, die anderen aus Sorge davor, was die anderen Leute über sie denken könnten und wieder andere sind es aufgrund eigener ethischer oder moralischer Überzeugungen.

Und viele Menschen haben wohl eine Mischform aus diesen Motiven.

Der Anstand ist dann besonders groß, wenn es den Menschen selbst gut geht und es ihnen an nichts mangelt, so nehme ich einmal an.

Kommt jedoch der eigene Vorteile ins Spiel, beginnen manche Menschen, sich für den Sonderfall zu rechtfertigen. Zwar sei man ja normalerweise ja ganz anders, aber in diesem speziellen Fall sei das eben eine Ausnahme. Da müsse man mal Fünfe gerade sein lassen.

Sören Kirkegaard hat in dieser Hinsicht einen interessanten Ansatz zum Begriff Sünde. Sünde ist ja eigentlich ein theologischer Begriff und meint etwas, das man entweder gegen Gott oder gegen Menschen unternimmt und das nicht in Ordnung ist.

Die meisten Menschen, so der Tenor bei Kirkegaard, erkennen zwar, dass eine Sache falsch ist, dass sie also theologisch gesehen eine Sünde wäre.

Sie wollen es aber nicht erkennen. Sie machen sich selber etwas vor.

Die Sünde liegt also nicht im „Erkennenkönnen„, sondern einen Schritt davor, im „Erkennenwollen„.

Denken wir uns gerade mal eine Alltagssituation zu diesem Thema aus. Sie haben vielleicht Streit mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner und diese fragt sie, kannst du mich denn überhaupt nicht verstehen? Sie antworten, nein, kann ich nicht.

Doch, seien Sie mal ehrlich zu sich selbst. Sie können verstehen. Sie wollen aber nicht. Das ist ein Unterschied. Sie verschließen sich selber vor der Wahrheit, die Sie eigentlich kennen. Und das ist nicht gerade förderlich für Beziehungen oder Gesellschaften.

Machen Sie es das nächste Mal besser.

2 Comments

  1. Es ist vor allem wenig förderlich für einen selbst, denn der Körper versteht die Lüge und die Inkongruenz, wenn sie häufig vorkommt, macht die Seele krank

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