Gendergerechte Sprache in Hannover und Schildbürgen

Die Stadt Hannover will das voll durchziehen mit der gendergerechten Sprache. Bei allem, was von der Stadt offiziell ausgegeben wird, soll künftig neutral formuliert werden. Herr und Frau gibt es dann nicht mehr.

Und Lehrer bzw Lehrerinnen auch nicht mehr, es sind dann Lehrende. Ebenso verschwinden die Wähler und Wählerinnen, sie werden zu Wählenden.

Die 11.000 Mitarbeiter der Stadt sollen sich in allen möglichen Texten, die sie produzieren und herausgeben, an diese Richtlinie halten.

Nun ist es so, dass Sprache auch Wirklichkeit konstruiert. Insofern ist das Ganze sicher gut gemeint, und warum nicht. Kann man machen, muss man nicht machen. Aber gut. Wenn sie wollen. Geschlechtsneutrale Formulierungen sind ja für manche Leute offenbar wichtig, nämlich speziell für solche, die sich weder als Mann noch als Frau sehen oder fühlen oder beides.

Der Schildbürgerstreich bei der ganzen Sache beginnt allerdings im Singular. Denn da ist es plötzlich ein Lehrender oder eine Lehrende. Oder ein Wählender bzw eine Wählende.

Hier sind beide Geschlechter auf einmal wieder vorhanden. Maskulinum und Femininum lassen sich nämlich nur im Plural austricksen.

Ob da schon einmal jemand drüber nachgedacht hat in Schildbürgen? Und in Hannover?

Kleine Beobachtung am Rande noch. „Maskulinum“ und „Femininum„, beides Bezeichnungen für das grammatische Geschlecht („Genus“) im Lateinischen, sind beide vom Genus her Neutrum, weil sie auf –um enden. Originell, oder. Und ja, selbst Neutrum ist mit seiner Endung, wie schon erwartet, Neutrum. Die Neutra dominieren also latent die Genera, also die Geschlechter der Bezeichnungen.

Nun gut, werden Sie zurecht sagen, was soll das mit dem Latein. Im Deutschen ist es doch ganz anders. Da ist es das Maskulinum, das Femininum und das Neutrum. Hoppla. Jedesmal „das„, alles Neutra.

So ist in den scheinbar feminin oder maskulin wirkenden Bezeichnungen das dritte Geschlecht schon implementiert, es dominiert sie mit seiner Endung –um sogar, oder im Deutschen durch sein „das„. Und keiner hat es gemerkt. Außer mir vielleicht. Und jetzt Ihnen.

Ach ja, das könnte man den Hannoveranern vielleicht auch mal mitteilen.

Egal. Das schießt jetzt etwas über das Ziel hinaus. Aber die Sache mit Singular und Plural ist nach wie vor bedenkenswert. Lehrende und Wählende im Singular sind dann nämlich leider keine Neutra mehr. Trotz all dem Bemühen, alles allen recht zu machen.

Abschließend, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe im Grunde nichts gegen gendergerechte Sprache. Kann man von mir aus machen. Andererseits schätze ich, dass sie kaum über die Schriftsprache hinaus Einfluss haben dürfte. Warum nicht? Weil derartige Bezeichnungen und Wortschöpfungen einfach zu angestrengt der Schriftsprache entlehnt sind und sich in der Alltagssprache nicht allzu wohlfühlen dürften. Und was man nicht gern in den Mund nimmt, spricht man auch nicht.

Aber warten wir mal ab. Es bleibt spannend.

1 Comment

  1. Dieses Problem nimmt nicht nur in Hannover absurde Züge an. Auch die Gleichstellung in unserer Firma kämpft da ihren ganz eigenen Krieg. Protokolle müssen geändert werden, originelle Wortneuschöpfungen, die jeden Linguisten erbrechen lassen würden, werden in Rundschreiben eingefügt. Ich fühle mich auch als Kollege angesprochen und definiere mein Frau sein sicherlich nicht durch irgendeine Wortendung, die aus mir ein Neutrum macht. Diese Gleichmacherei soll die beruflichen Chancen der Frauen erhöhen? Den Graben zwischen den Geschlechtern aufheben? Diskriminierung vorbeugen? Keine Ahnung. Aber wenn ich gleich an dem Kopierenden stehe und mich auf das zu Arbeitende vorbereite, werde ich mich in meiner Rolle als Frauende sicherlich wesentlich besser fühlen….

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