Fährt eine Frau auf der Rolltreppe

Sie fährt die Rolltreppe nach unten, vor sich einen Kinderwagen, in dem ein kleiner Junge sitzt, mit großen Knopfaugen in die Welt hinausschauend.

Sie sagt: schau… Was sie genau sagt, höre ich nicht, aber ich stelle mir vor, was es sein könnte.

Schau, das ist unsere Welt, in die du jetzt hineingeboren worden bist. Schau, das sind große Menschen hier, sie waren auch einmal so klein wie du. Es sind nette Menschen, die gut miteinander umgehen und friedlich leben. Und schau, das ist unsere Natur, wir schützen sie, damit auch Du später hier gut wirst leben können.

Und schau, das ist ein Bettler, es ist eigentlich gar nicht klar, warum er betteln muss, wo doch alle hier so reich sind. Schau, wir geben ihm ein wenig Geld.

Und schau, hier am Hauptbahnhof, das sind Drogenabhängige. Drogenabhängig ist man dann, wenn man vielleicht keinen Sinn im Leben sieht, und wenn dann vielleicht ein Dealer vorbeikommt und einem den Sinn verspricht, wenn man ihm etwas abkauft und es raucht oder sich spritzt.

Und schau, das ist die Polizei, die gerade eine Razzia macht, gegen Leute, die Geld waschen. Das Geld an sich ist nicht schmutzig, es wurde aber schmutzige Weise verdient. Von einem Zuhälter vielleicht, der wehrlose und naive Frauen ins Land gelockt hat und dann für sich arbeiten lässt und ihnen alles mögliche androht, wenn sie nicht das tun, was er möchte. Und die dann Drogen nehmen, um einen Sinn zu sehen im Leben oder um sich irgendwie zu betäuben in ihrem Leid.

Und schau, das ist Deutschland, in dem wir leben. Einer von diesen Leuten, die hier einmal lebten, hatte einen großen Krieg begonnen, am Schluss waren etwa 70 Millionen Menschen tot. Er war auch einmal als kleines Kind geboren worden. Aber er mochte andere Menschen nicht und glaubte, nur er habe das Recht, sich zu nehmen, was er gerne wollten. Und viele andere Menschen glaubten ihm und machten mit.

Und schau, dieses Land, in dem wir gerade mit der Rolltreppe fahren, liegt innerhalb von vielen anderen Ländern, die sich alle zusammengeschlossen haben, damit es allen wirtschaftlich gut gehen möge. Und damit so ein Krieg nie wieder vorkommen möge.

Und schau, das ist ein anderes Land, das möchte gerade aus dieser Gruppe wieder austreten. Viele Menschen dort haben schon vergessen, weshalb sie sich eigentlich zusammengetan hatten.

Und schau, das hier sind Leute aus einer Partei. Einige von ihnen mögen diesen Mann, der den großen Krieg ins Leben gerufen hatte, in dem am Ende so viele tot waren. Und einige aus dieser Partei haben Angst vor allem, was anders ist als sie und würden es am liebsten einsperren und am besten so machen, dass es gar nicht da wäre. Das ist das Gegenteil von Geburt, was sie gerne machen wollten.

Und schau, vor etwa zwei Jahrtausenden wurde auch ein Kind geboren, so wie du. Und als dieses Kind groß war und alle Macht der Welt und des Universums hatte, erkannte es, dass man Gewalt nur mit Frieden und Liebe aus der Welt bekommen kann. Und weil viele Menschen das nicht wollten, töteten sie diesen Menschen und nagelten ihn an ein Kreuz. Aber die Menschen, die seine Idee gut fanden, leben heute noch und versuchen dasselbe in der Welt zu tun: Frieden zu bringen und Liebe zu leben. Und dieser Mensch, den sie gekreuzigt hatten, meinte auch, dass man gut umgehen müsse mit allen Menschen. Mit wirklich jedem. Und zwar deswegen, weil er der Meinung war, dass jeder Mensch, der geboren wird, aus derselben Quelle stammt wie alle anderen Menschen und zu derselben Quelle auch wieder zurückkehrt.

Und deswegen ist es doch gut, dass du geboren bist. Denn du kannst dich entscheiden, welchen Weg du gehen willst. Schau, das ist unsere Welt. Und schau nach vorne, das ist unsere Welt, wie sie sein und werden kann. Mit dir. Noch bist du klein. Bald aber wirst du groß sein und du kannst sie mitgestalten, diese Welt. Und wenn die Menschen in vielen Jahren oder Jahrhunderten oder Jahrtausenden zurückschauen, wird es vielleicht einen Unterschied machen, ob du gelebt hast. Es wird ganz sicher einen Unterschied machen. Denn jeder einzelne Mensch ist wichtig. Und jeder einzelne Mensch trägt Verantwortung dafür, wie unsere Welt ist und wie sie sein kann und wie sie werden wird.

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