Ist der Tod eine Existenzform?

Diese Frage stellte ich in einem philosophischen Forum und es kamen und kommen einige interessante Antworten. Eine davon ging in etwa so: das Leben ist ein kurzes Aufwachen bzw die Erlösung aus der Nichtexistenz.

Interessant, weil man es im Christentum eigentlich eher umgekehrt sieht: eine ganz wesentliche Form des Lebens beginnt erst nach dem irdischen Tod.

Manche glauben, dass mit dem Tod dann vielleicht alles aus sei, zumal der Körper ja biologisch zersetzt wird.

Interessant finde ich, was sich ergibt, wenn man diesen Gedanken einmal umdreht:

Alle Atome, aus denen wir Menschen bestehen, gibt es ja schon seit Jahrmilliarden, bevor wir überhaupt geboren werden. Existieren wir demnach schon vor unserer Geburt?

Denn wenn man den Menschen auf seine biologischen Bestandteile, letztendlich dann auf die Bausteine der Moleküle, also auf die Atome, reduziert, müsste man sich eigentlich diese Frage stellen.

Weil diese Frage aber deutlich macht, dass der Mensch doch eigentlich nicht nur die Einzelteile sein kann, aus denen er besteht, denn die gibt es ja schon Jahrmilliarden vorher, ist die Frage wieder eröffnet, was der Mensch denn sei. Und hier kann man auch schnell wieder auf den Gedanken kommen, daß der Mensch mehr als die Summe seiner Teile ist und dass er tatsächlich auch eine geistige Dimension hat, eine Seele.

Die platonische Vorstellung war und ist, dass die Seele aus einem göttlichen Urgrund heraus in den menschlichen Körper wie in ein Gefäß kommt. Stirbt der Körper, geht die Seele wieder zurück in den göttlichen Urgrund. Dieser Gedanke gefällt mir recht gut. Und er hat auch christliche Parallelen.

Das Titelbild, ein oranges Fahrrad, hat zwar nichts mit dem Tod zu tun, aber es existiert ja auch. Oder es ist einfach nur. Vielleicht ist Existenz nur dann, wenn Gedanken hinzu kommen. Gedanken kann es aber nur geben, wenn es eine geistige Dimension der Wirklichkeit gibt. Denn sonst wären es nicht Gedanken, sondern nur Reiz-Reaktions-Schemata. Wer glaubt, die eigenen Gedanken seien real, der glaubt auch, dass es eine geistige Dimension der Wirklichkeit gibt, also mehr als das, was nur Materie im klassisch verstandenen Sinne ist. Vielleicht gibt es einen Dualismus zwischen Materie und Geist? Aber wo wäre der Übergang, man hat ja keinen gefunden. Oder, spektakulärer, aber nicht abwegig: das Ganze, in dem wir leben, ist ein Monismus: alles ist Geist.

Sehr interessant zu den oben genannten Problemen ist der folgende Artikel, auf den ich (vielen Dank!) in den Kommentaren hingewiesen wurde: Jean Emile Charon – Der Geist der Materie