Wenn man eine Predigt vorbereitet

Wenn man eine Predigt vorbereitet und dazu eine Vorlage hat, die aber in einer Art geschrieben ist, die man nie und nimmer selbst so formulieren würde, tut man gut daran, die Gedanken daraus zu erfassen, zu verarbeiten und sich dann einmal hinzusetzen und ganz von vorne zu beginnen.

In den eigenen Gedanken und den eigenen Worten. Denn nur die kann man glaubhaft vermitteln. Denn predigen sollte man nur, wenn man hinter dem, was man erzählt, auch steht.

Ansonsten könnte man auch einen Kassettenrekorder vorne aufstellen. Für diejenigen, die nicht mehr wissen, was das ist: eine Art mp3-Gerät, bei dem es immer mal wieder Bandsalat gibt.

Ach so, das kam dabei heraus:

Predigt Weihnachtsgottesdienst 2018/19

Weihnachten ist das Fest der Liebe – und soll das Fest der Liebe sein. Das kann ganz schön anstrengend werden. Denn wo wir uns alle so lieb haben sollen, merken wir manchmal, dass das gar nicht so einfach ist.

Vor und zu Weihnachten, wenn gerade die Hektik vorbei ist und alles friedlich sein soll und alle sich bestens verstehen sollten, spüren wir manchmal so eine seltsame Sehnsucht in uns. Wir merken, eigentlich sollte die Welt anders sein. Gott hat sie bestimmt anders gemeint, als sie oft ist, nämlich friedlicher und freundlicher. Nicht nur an Weihnachten.

Wenn wir in die Bibel schauen, finden wir dort Berichte von Menschen aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Jahrtausenden.

Und in vielen Texten spürt man eine Sehnsucht danach, wie die Welt doch eigentlich sein sollte.

Einer von diesen Menschen ist der Prophet Jesaja. Wir haben vorhin in der Lesung von ihm gehört, von seiner Sehnsucht. Er sehnt sich nach einem Licht, das ins Dunkel des Lebens kommt.

Hier noch einmal seine Gedanken, ein wenig interpretiert:

Schau hin und her, und schau dich um, und schau in dich hinein,

Ob du da ein Licht siehst, und ob du dieses Licht nicht selber verdunkelst, das Licht, das dich eigentlich erleuchten sollte und alles das erhellen sollte, was Hoffnung gibt.

Schau hin, die Menschen sind in finsteren Zeiten unterwegs, aber sie sehen auf einmal ein großes Licht,
und obwohl sie mitten in dieser Finsternis wohnen, leuchtet es über ihnen hell.

Gerade in dieser dunklen Jahreszeit sehnen wir uns nach Licht. Nach einem Licht das wärmt und das auch innerlich wärmt.

Wir sehnen uns nach einem Licht, das am besten nur unsere guten Seiten beleuchtet.

Aber eigentlich und wenn wir ehrlich sind, sehnen wir uns noch viel mehr nach einem Licht, das warm und angenehm und gnädig auf uns leuchtet und in dem wir sitzen können und so sein können, wie wir wirklich sind. Egal, welche Seiten von uns beleuchtet werden.

Ein Licht, dass uns angenehm beleuchtet und in dem wir angenommen sind. Mit unseren Stärken und Schwächen.

Das wäre schön. Aber dann schauen wir wieder auf die Welt um uns und da kann es passieren, dass so eine seltsame Angst in uns hochkriecht.

Diese Angst flüstert uns ein, was wir eigentlich gar nicht hören wollen.

Sie flüstert, was wird aus uns? Wie geht es weiter? Wie geht das mit der Schule ? Schaff ich das alles ? Wird mir das nicht zu viel ? Was wird aus meinem Leben, aus meiner Familie, meinen Freunden?

Gerade in dieser besinnlichen Weihnachtszeit, wird die Sehnsucht dann manchmal groß, dass doch bitte alles gut wird.

Dass die Sorgen und die Ängste die man hat, endlich mal ruhig sind. Und dass man einfach mal nur zufrieden sein kann. Vielleicht nur diese eine Nacht, diese eine heilige Nacht.

Und eine innere Stimme flüstert uns zu:

Sieh umher, sieh dich um,

Ob du die kleine Hoffnung entdeckst, die da in einer Krippe liegt. Gewickelt, aber nicht eingewickelt, sondern lebendig und nicht tot zu kriegen.

Ein kleines Kind in einer Krippe, so klein wie ein Keim der Hoffnung. Ein Keim, der wächst und schließlich ein Baum wird und Früchte trägt, die Früchte mit dem Namen Frieden und Gerechtigkeit.

Jesaja: Und siehe, das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.

Und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

Das, was in dieser Weihnachtsnacht geschah, ist schon bemerkenswert.

Dass nämlich Gott, also derjenige, der das ganze Universum gemacht hat, höchstpersönlich als Mensch geboren wurde in der Krippe zu Bethlehem.

Gott, der sich uns in ganz menschlich zeigt und vorstellt, ein wahrer Mensch und zugleich der wahre Gott, das ist das ganz Besondere der Weihnachtsnacht.

Und das gibt Hoffnung.

Das ist nämlich eine gute Antwort auf all unsere Sorgen und Sehnsüchte.

Wenn Gott sich uns Menschen zeigt, und zwar so, dass wir ein wenig verstehen können, wer er ist, dann können wir etwas entspannen und die Sorgen mal Sorgen sein lassen. Denn dann wissen wir, die Hoffnung, dass letztlich alles gut wird, ist keine eine Einbildung.

Zu Weihnachten feiern wir, dass Gott da ist und uns Menschen ganz nahe kommt, dass er sich uns in Jesus zeigt. Das bedeutet, dass wir Menschen ihm nicht egal sind, nicht einer von uns. Jeder einzelne ist ihm sehr, sehr wichtig. So wichtig, dass er sich höchstpersönlich unter uns Menschen begibt.

Jesaja weist Jahrhunderte vorher darauf hin.

Denn siehe, das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.

Und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

Zu Weihnachten wird Gott Mensch. Wenn wir das einigermaßen verstehen und annehmen können und glauben können und darauf vertrauen können, dann kann aus unserer Sehnsucht eine große Kraft werden, die uns hilft, den Ängsten und Sorgen und Enttäuschungen die Stirn zu bieten.

Denn dann wissen wir, wir können niemals tiefer fallen als in die Hände Gottes.

In die Hände des Gottes, der für alle Menschen da ist, der Hoffnung und Liebe in die Welt hinein trägt, die uns und allen Menschen gilt.

Hoffnung und Liebe. Das ist das größte Weihnachtsgeschenk. Amen.

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