Vermutlich sind Sie Gott heute schon begegnet. Auf der Straße zum Beispiel.

Das Leben wäre ja so einfach, wenn man sich keine Gedanken machte. Wenn man einfach so vor sich hin leben würde und alles wäre gut.

Dummerweise sagte Jesus so unbequeme Dinge wie die folgenden. Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben. Oder ihr habt mir nicht zu essen gegeben.

Im anderen Menschen begegnen wir immer einem Stück des göttlichen Gedankens, der die Menschen zu seinem Ebenbild erschaffen hat, so die alttestamentliche, jüdische und auch christliche Vorstellung.

Als ich also heute bei diesem kleinen Supermarkt war, es war nicht allzu kalt draußen, aber auch nicht richtig warm, ich selber hatte nur einen Pullover an, hätte mit ihm aber nicht unbegrenzt lange draußen bleiben wollen, lag dort in der Nähe des kleinen Supermarkts angelehnt an einer Wand der U-Bahn oben in der Fußgängerebene dieser Obdachlose. Den Kopf gestützt auf einen Rucksack mit allen möglichen Sachen darin, die herausquollen, eingemummelt in einen Anorak, aber so wie es aussah, war keine Isomatte unter ihm. Und er war schon älter, graues Haar, vielleicht so um die 60.

Hätte ich dort liegen wollen? Nein, definitiv nicht.

Ich ging also an ihm vorbei und hatte derlei Gedanken im Kopf und überlegte mir, ob ich ihm in diesem Supermarkt, wo man sich warme Suppen abfüllen kann, vielleicht eine abfüllen und bringen sollte. Aber er schien zu schlafen. Wäre es sehr kalt gewesen, hätte man ihn wecken müssen oder die Polizei holen, damit er nicht erfriert. Aber so kalt war es nicht, vielleicht zwischen 5 Grad gefühlt, aber in der Sonne.

Ich dachte an die Frau vom letzten Sommer, die in der Hitze lag, bei der ich mehrfach vorbeifuhr und sie ansprach und schließlich den Notarzt rief, der mit ihr redete und sie dazu brachte, dass sie aufstand und wegging, verarzten lassen wollte sie sich nicht. Ich denke an die jungen Männer, die letzten Winter auf dem U-Bahnschacht bzw der Abluftöffnung am Königsplatz immer wieder aufwachten, weil es dort etwas wärmer war als die Minusgrade drumherum. Ich rief die Polizei, aber sie konnte irgendwie nicht sonderlich viel machen oder wollte nicht. Ich sprach mit einem Streetworker, mit einer Essensausgabe für Obdachlose, die nicht allzu weit entfernt lag, ja, die seien bekannt, die wollten dort wohl sein über Nacht, sie könnten ja beispielsweise auch in die Bayernkaserne gehen, wo sie einen Platz hätten.

Mit derlei Gedanken entschied ich mich heute dagegen, den Mann zu wecken und ihm eine warme Suppe in die Hand zu drücken. Ich hatte auch im Hinterkopf, dass er vermutlich Geld wollen würde und dass ich vielleicht dann tatsächlich ein Gespräch mit ihm führen müsste. Wie unbequem. Ich war ja auch in Eile, hatte etwa nur 10 Minuten. So in Eile, wie alle anderen Menschen um mich herum auch. Und wie all die werten Herren, die an dem von Räubern Überfallenen vorbeigingen, von dem Jesus erzählt, dem dann schließlich ein Samariter zu Hilfe kam, ihn in ein Hotel brachte, dort für ihn das Zimmer im voraus bezahlte und den Wirt anhielt, sich gut um ihn zu kümmern, bis er wieder gesund wäre.

Das war mir heute echt zu unbequem. Die Hektik kam mir dazwischen. Dumme Ausrede.

Und was hätten Sie gemacht?

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