Der Wolf kommt nicht, er ist schon da

Naturschützer jubilieren. Toll, er ist da, der Wolf! Wenn man darauf hinweist, dass das nicht unbedingt nur gut ist, wird man schnell von einigen Leuten in eine seltsame Ecke gestellt. Wildschweine seien doch viel gefährlicher. Und Zecken erst. Und Wildunfälle. Und Autofahren.

Zudem rufe der Wolf archetypische Ängste ab, die so nicht der Realität entsprächen.

Das mag zum Teil richtig sein. Es gibt aber auch Menschen, die im Meer, zumindest dann, wenn es dort Haie gibt, ein nicht allzu gutes Gefühl haben und eher in Strandnähe bleiben.

Warum? Weil der Hai eine archetypische Angst in einem auslöst, die aus der Tiefe blitzschnell kommen kann? Vielleicht auch. Aber vielleicht auch deswegen, weil Haie manchmal eben gefährlich sind. Sie beißen einem gelegentlich einen Fuß ab, eine Hand, beißen einen in die Rippen oder, wenn es sich um die großen weißen Haie handelt, beißen sie einen vielleicht sogar mittendurch. Haie sind Raubtiere. Wie Wölfe übrigens auch.

Bei Rothenburg in Niedersachsen wurde nun ein Friedhofsgärtner aktiver Zeuge einer Begegnung mit einem Wolf. Der Gärtner kniete gerade am Boden, da merkte er, dass etwas hinter ihm war, was ihm in die Hand biss, als er nach hinten griff. Es war ein Wolf. Der Friedhofsgärtner wehrte sich mit einem Hammer und verletzte den Wolf. In einiger Entfernung standen noch drei weitere Wölfe, welche die Lage taxierten. Als ihnen offenbar klar wurde, dass der Friedhofsgärtner wehrhaft war, nahmen alle vier reissaus.

In Deutschland gibt es derzeit 73 Wolfsrudel und 30 Wolfspaare. Laut einem Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vor kurzem liegt die Vermehrungsrate bei 30 %. Es dürften also ziemlich schnell mehr Wölfe in Deutschland herumlaufen.

Spätestens jetzt würden sich einige Naturfreunde gleich wieder einschalten und mir vorhalten, Zecken, Wildschweine, Wildunfälle, Autofahren.

Aber das Argument finde ich ein bisschen daneben. Denn es weicht aus, indem es sagt, es gebe ja viel Schlimmeres. Das mag sein. Diese Gesprächsstrategie nennt man den sogenannten Whataboutismus. Ein Argument wird damit sofort beerdigt und aus dem Rennen geworfen, indem man ablenkt und sagt, etwas anderes sei doch viel schlimmer. Der Wolf ist schlimm? What about Zecken? And what about Wildschweinen? And what about Wildunfällen ? Autos ?

Aber derzeit ist die Frage, wie man mit den Wölfen, die mehr werden, umgehen soll. Diese Frage müsste man lösen, bevor Menschen ernsthaft zu Schaden kommen.

Vielleicht wäre eine Möglichkeit, Wölfe besser in Wildparks oder Reservate umzusiedeln, in welchen sie entweder frei herumlaufen oder umzäunt sind, je nachdem. Wenn sie lokal eingegrenzt wären, könnte man sich zumindest darauf einstellen, einem oder einem ganzen Rudel zu begegnen. Man könnte entweder diese Orte meiden, oder sich vielleicht mit einem Stock ausrüsten, um für einen eventuellen Zwischenfall nicht allzu blank dazustehen.

Denn, obwohl es Zecken, Wildschweine, Wildunfälle und Autos gibt, macht es Sinn, sich zu überlegen, wie man vermeiden kann, dass ein Wolf irgendwann mal einen Menschen schwer verletzt, vielleicht sogar tötet.

Ich weiß, Zecken, Wildschweine, Wildunfälle und Autos töten viel mehr Menschen. Aber ich glaube, man sollte nicht quantitativ an das Thema herangehen, sondern derzeit, wo sich die Wölfe in Deutschland offenbar stark vermehren, sollte man das Ganze qualitativ sehen. Qualitativ würde bedeuten, dass ein einziger Mensch, der zu Tode käme, einer zuviel wäre.

Auch, wenn Zecken, Wildschweine,und so weiter statistisch gesehen und quantitativ mehr Menschen bedrohen können.

Denn wozu schnallt man sich im Auto überhaupt an, wenn man das Menschenleben nicht qualitativ sieht? Dann bräuchte man sich nicht anschnallen, wenn man sagen würde, naja, wenn es einen erwischt, ist ja nicht so schlimm, auch wenn man derjenige selber wäre, ist ja nur einer.

Nein, ein Menschenleben muss qualitativ bewertet werden und ein Mensch, der möglicherweise durch einen Wolf zu Tode kommt, ist genau ein Mensch zu viel. Und man sollte jetzt im Vorfeld nicht einfach abwarten und mal schauen, was sich da so entwickelt, sondern das Thema diskutieren und dahingehend entwickeln, dass man im Nachhinein nicht sagt, aha, jetzt sei man ja klüger, nachdem dann was passiert ist.

Im folgenden zitiere ich hier auszugseise mal Wolfsattacken auf Menschen, global gesehen, in einer deutschen Übersetzung, und zwar nur diejenigen ab den 2010er Jahren.

 

3 Menschen
Mädchen (8), Junge (10), Tourist (Alter unbekannt)
26. Juni 2018
Grundlos
Przysłup, Region Podkarpacie, Polen
Die Kinder spielten draußen, als das Tier sie anfiel – die Eltern konnten es dann wieder vertreiben. 
Unter anderem kamen die Kinder mit Bisswunden an den Beinen ins Krankenhaus.
Medienberichten zufolge war dies nicht der einzige angebliche Wolfsangriff in der Region: Es bestand der Verdacht, dass ein Tourist Mitte Juni von demselben Tier auf einem Campingplatz gebissen wurde. 
– Wissenschaftler der Abteilung für Biologie der Universität Warschau bestätigten, dass das Tier, das im Juni drei Personen gebissen hatte, mit Sicherheit ein Wolf war.

2 Männer
Erwachsene
2. Januar 2018
Grundlos
Komarin Village, Bragin District, Weißrussland
Im Abstand von 40 Minuten griff ein Wolf zwei Männer an. 
Der erste Vorfall ereignete sich um 7 Uhr morgens, als ein Mann, der an einer Bushaltestelle wartete, von einem Wolf gebissen wurde. 
Das Tier lief weg, griff jedoch später einen anderen Mann an einer Tankstelle an. 
Der Angegriffene versuchte, den Wolf abzuwehren, irgendwann rannte das Tier davon und der Angestellte der Tankstelle konnte das Opfer hereinlassen. Der Wolf begann, an der Tür zu kratzen, aber nach einer Weile ging er in eine unbekannte Richtung. Die Angriffe wurden von CCTV-Kameras dokumentiert. 
Die Verletzten wurden medizinisch versorgt und gegen Tollwut geimpft. Drei Tage später wurde der Wolf von einheimischen Jägern erschossen.

Celia Hollingworth (†)
62
September 2017
Grundlos.
Abschlussbericht zur Todesursache steht noch aus
[28]
Maroneia, Ostmakedonien und Thrakien, Griechenland
Die Leiche von Hollingworth wurde von der Feuerwehr zwei Tage nach ihrem Verschwinden fragmentiert. Der Coroner hat berichtet, dass der Angriff von Wölfen und Schakalen und nicht von wilden Hunden erfolgt ist.
Er stützte sich auf die Tatsache, dass der Körper der Toten zerstückelt und gegessen wurde. 
Er erklärte auch, dass Hunde diese Art von Angriff nicht ausführen könnten. 
Diese Aussage wird nicht durch veröffentlichte Literatur gestützt, in der bekannt ist, dass Hunde Menschen angreifen, töten, konsumieren und zerstückeln, wie dies bei anderen wilden Caniden der Fall ist. 
[29]  Der Abschlussbericht wurde noch nicht veröffentlicht (2. Oktober 2017), während die genetische Analyse noch nicht abgeschlossen ist. 
[28]Schakale sind zu klein, um einen solchen Angriff auszulösen, während  wilde oder unkontrollierte Schäferhunde bekannt sind, welche die Gegend frequentieren.

Khasrat Gurbanov, Fikret Aliyev
Erwachsene
7. August 2017
Räuberisch
Padar Village, Agsu District, Aserbaidschan
Bei einem Angriff von Wölfen in der Nacht wurden 2 Männer schwer verletzt. 
Während H. Gurbanov aufgrund seiner Wunden in Kopf, Gesicht und Ohr einer 5-stündigen Operation in einem örtlichen Krankenhaus unterzogen werden musste, wurde F. Aliyev wegen seines schweren Zustands in das zentrale Krankenhaus der Stadt Mingachevir verlegt.

Ältere Frau
Erwachsene
1. August 2017
Grundlos
Makrohori Village, Korrestia Kastoria Regional Unit, Westmakedonien, Griechenland
Die ältere Frau ging, um ihre Schafe zu füttern, wo sie plötzlich von einem Wolf angegriffen wurde.
Als sie verletzt wurde, wurde sie sofort als Notfall ins Krankenhaus von Kastoria gebracht, wo sie erste Hilfe erhielt.

3 Menschen
47, 66,?
4. Juli 2017
Grundlos
Tamishek Village, Suchumi Region, Abchasien, Georgia
Ein Wolf trat in den Innenhof eines Mehrfamilienhauses ein, verletzte eine Frau, floh in einen benachbarten Hof und biss zwei Männer.

Fatima Karami
3
6. Mai 2017
Räuberisch
Zarand Village, Aq Bolagh Rural District, Bezirk Sojas Rud, Bezirk Khodabandeh, Provinz Zanjan, Iran
Ein Wolf hob das Mädchen aus dem Garten ihrer Familie unter den Augen ihrer zwölfjährigen Schwester und ihres Großvaters.
Die Schreie ihrer Schwester alarmierten ihre Eltern und Nachbarn. 
Schreiend und schießend folgten sie dem Tier zwei Kilometer, bis es schließlich seine Beute losließ. 
Das Opfer wurde an Kopf, Gesicht und Bauch verletzt und in das Ayatollah Mousavi Hospital in Zanjan gebracht.

Mohammad?
1,5
18. April 2017
Räuberisch
Zawajar-Dorf, Qeydar-Stadt, Khodabandeh-Grafschaft, der Iran
Um 12 Uhr nachmittags griff ein Wolf einen anderthalbjährigen Jungen an, packte ihn und rannte davon. 
Nach einer Verfolgung von über 3 km konnte das Kind schwer verletzt gerettet werden. 
Es wurde zur weiteren Behandlung in das Zanjan Krankenhaus gebracht


3 Menschen
Erwachsene
5. februar 2017
Tollwütig
Zaderiyivka Village, Chernigiv Region, Ukraine
In der freien Nacht hörten zwei Grenzsoldaten Hilferufe. 
Als sie sich der Stelle näherten, sahen sie einen Mann, der von einem Wolf angegriffen wurde. 
Um den Bewohner, der sich bereits in einem ernsthaften Zustand befand, vor den Bissen zu retten, mussten sie ihre Messer verwenden und den Wolf töten.
Beide Wachen wurden an Händen und Armen verletzt, während das erste angegriffene Opfer schwer verletzt wurde.
Alle erhielten später die notwendigen Behandlungen und Impfungen im Krankenhaus.
[87] [88] [89]

Skifahrer
Erwachsene
7. Dezember 2016
Grundlos
Smithers, British Columbia , und 
Mt Norquay , Alberta , Kanada
Ein Wolf tötete einen Haushund und begleitete dessen Besitzer zurück zum 
Parkplatz des Bulkley Valley Nordic Centre. 
Der männliche Skifahrer hatte keine Verletzungen. 
Nach diesem Vorfall näherte sich ein kleiner Wolfsrudel einem anderen männlichen Skifahrer in der Nähe des Banff-Nationalparks .
In diesem Moment floh der Skifahrer mit dem Schneemobil.
Drei Wölfe im Bow Valleykamen einem Arbeiter am Mount Norquay zu nahe.
Sie brachten ihn dazu, auf sein Schneemobil zu springen.
Das Rudel jagte ihn sehr kurz.

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