Wie halten Sie’s mit der Organspendepflicht?

Jens Spahn, derzeit Gesundheitsminister, und wenn es nicht nach seinen Beliebtheitswerten, sondern nach seinen eigenen Vorstellungen geht, auch bald Bundeskanzler, hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, der vom Bundestag doch bitte ratifiziert werden möge, wonach jeder Mensch augenblicklich nach seinem Ableben automatisch zum Organspender und Ersatzteillager für andere bedürftige Menschen werden würde.

Nun gibt es in Deutschland sehr viele Menschen, die händeringend auf ein Spenderorgan warten, und etwa jeder fünfte von ihnen, der auf der Warteliste steht, stirbt auch auf der Warteliste. Das ist dramatisch.

Und dann gibt es die einigermaßen gesunden Menschen, die zumindest so gesund sind, dass sie kein Spenderorgan brauchen, von denen sich viele ein wenig beunruhigt über die Pläne des Herrn Spahn zeigen, denn es könnte doch sein, dass es Ärzte gibt, die es nicht so genau nehmen mit dem Ableben und möglicherweise einfach scharf auf die wertvollen Organe sind, wenn es gerade mal um Leben und Tod geht. Nein, sagen einige, das könne ja gar nicht passieren. Doch, sagen andere, eingedenk der Organspendenaffäre von vor einigen Jahren. Alles, was passieren könne, könne auch tatsächlich passieren.

Viele Menschen, die kein Spenderorgan benötigen, sehen den Gesetzesvorschlag von Herrn Spahn kritisch.

Fast alle Menschen, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen und nicht wissen, ob sie zu Lebzeiten noch eines erhalten können, finden den Gesetzesentwurf wohl gut und richtig.

Dabei setzt dieser Gesetzesentwurf, auch, wenn er etwas Gutes bezwecken will, an der falschen Stelle an.

Denn neben den Ängsten, die oben beschrieben wurden, besitzt der Mensch zu Lebzeiten auch noch eine Menschenwürde, grundgesetzlich garantiert übrigens, die ihm Sekunden nach dem Ableben dann ja durch einen gesetzlichen Automatismus genommen werden würde, sollte er dann sogleich nach dem Eintreten des Todes als Organspender bzw organspendende Leiche gesehen werden. Eben noch im Besitz der Menschenwürde, im nächsten Augenblick Ersatzteillager, wenn auch eines, das einem guten Zweck huldigen soll.

Aber der Ansatz ist falsch.

Denn sollte der Gesetzesentwurf durchgehen, müsste jemand, der gerade vor ein paar Sekunden gestorben ist und zu Lebzeiten noch von der Widerspruchsregelung gebraucht gemacht hat, der also widersprochen hat, dass nach dem eigenen Ableben die Organe aus dem Körper entnommen werden dürfen, darauf hoffen, seinen Widerspruch auch bei sich zu tragen und dass dieser von den Organen entnehmenden Ärzten auch rechtzeitig gefunden werden würde.

Das ist ethisch problematisch.

Sinnvoller wäre es doch in einem der reichsten Länder der Welt, dass man ein wenig Geld in die Hand nimmt, oder besser und ehrlicher richtig viel Geld sogar, und eine großangelegte und lang andauernde und kostspielige und intensive Kampagne startet, im Fernsehen, im Radio, vielleicht an Schulen und Universitäten, auf öffentlichen Podien, in der Politik und im Internet, in welcher darauf hingewiesen wird, dass man doch bitte über einen Organspendeausweis nachdenken möge, nachdem man in die Diskussion mit hinein genommen wurde, in der Probleme und Ansätze und Möglichkeiten der Organspende thematisiert wurden.

Das kostet zwar mehr, das ist anstrengend, aber Deutschland hat ja Geld. Und man wacht nicht plötzlich als Leiche ohne Organe auf, nur weil gewisse Ärzte den Ausweis mit dem Widerspruch nicht rechtzeitig gefunden haben. Des weiteren behält man so auch seine Menschenwürde über den Tod hinaus. Was ja auch nicht ganz unwichtig ist in einem Land wie Deutschland mit seiner Vergangenheit im letzten Jahrhundert.

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