Der Wolf in Deutschland. Freund oder Feind?

Er ist wieder da, der Gevatter Wolf, der Isegrim. Und er ist nicht nur da, er vermehrt sich auch stark. An ihm scheiden sich die Geister.

Als die Schäferin Annett Hertweg frühmorgens von einem Nachbarn angerufen wird – es ist noch dunkel draußen – ist es schon passiert. Viele Schafe ihrer Herde laufen alleine durch das Dorf, in Richtung ihrer Schäferei. Der Wolf war tätig in der Nacht und den frühen Morgenstunden, genau genommen das „daubaner Rudel“, das in ihrem Umkreis, nahe bei Förstgen in der sächsischen Lausitz, heimisch geworden ist. Als Annett sich auf den Weg macht zu ihren Schafen, ist sie fast neugierig darauf, dem Wolf vielleicht einmal zu begegnen. Und tatsächlich läuft einer ihr über den Weg, recht unscheinbar. Trotzdem, das ist ja mal eine spannende Begegnung. Dann bemerkt sie das Massaker. 55 Schafe wurden von den Wölfen getötet und liegen aufgerissen und angefressen am Wegesrand. Teilweise ist nur noch die Wirbelsäule übrig.

Mit diesen Informationen beginnt der Artikel „Wehe, wenn der Wolf kommt“ in der aktuellen Printausgabe der ZEIT in der Rubrik Politik.

Der Wolf reißt Schafe, doch Schafe könnte man mit viel finanziellem Aufwand mit hohen Elektrozäunen großflächig einsäumen. Teuer, aufwendig, aber Deutschland hat ja Geld.

Er näherte sich auch einem Kindergarten in Uhsmannsdorf, wo er des nachts die eine Ziege, die dort für die Kinder gehalten wurde, riss, in der anderen Nacht dann die andere. Und er traut sich mittlerweile auch in Ortschaften und in Dörfer hinein.

Und irgendwann, es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, wird er ein Menschenleben fordern, vielleicht das eines Kindes.

Dann wird die Frage sein, wie viel ein Menschenleben wert ist. Ist ein Mensch gleich viel wert wie ein Wolf? Oder wie 100 Wölfe? Oder wie eine Million Wölfe? Oder ist ein Menschenleben qualitativ nicht mit dem eines Wolfes zu vergleichen, ganz egal, wie viele Wölfe es wären?

Eltern wüssten immer, wie sie auf diese Frage antworten. Tierschützer würden diese Frage anders beantworten. Es sei denn, sie sie wären gleichzeitig auch Eltern, dann würde es nämlich schwierig.

Man könnte den Wolf auch umsiedeln, in groß angelegte Reservate, die womöglich eingezäunt wären. Aber auch das wäre teuer. Und wer will schon teuer? Heute will man vor allem eines: billig billig.

Dann doch lieber mit der Gefahr leben, so der Tenor einiger.

Aber mal eine Frage, wo der Wolf über Jahrhunderte praktisch ausgestorben war in Deutschland, warum ihn nun wieder einwandern lassen? Und warum wurde er damals eigentlich ausgerottet, es gab doch handfeste Gründe, nicht wahr. Oder wenn man ihn einwandern lässt, warum dann nicht auch den indonesischen Komodowaran? Und den bengalischen Tiger? Beides Tiere, die auch nur fressen, weil sie dies von der Natur eben müssen, um zu überleben. Und beides Tiere, die hier ebenfalls nicht heimisch sind, denn der Wolf ist es schon seit Jahrhunderten nicht mehr.

Einen Unterschied zwischen Wolf und Haifisch, ja Sie hören richtig, ich meine hier den Hai aus dem Meer, gibt es übrigens. Der Wolf lebt in Wäldern und kommt Ortschaften nahe, das tut der Hai nie. Um dem Hai aus dem Weg zu gehen, kann man nämlich ganz einfach das Meer meiden. Die Ortschaft allerdings, in der man wohnt, lässt sich nicht meiden.

Aber ja, man könnte sagen, dass man Kinder auch nicht mehr alleine auf die Felder lässt und sie auch im Wald kein Baumhaus mehr bauen dürfen, ganz im Sinne von Helikopter-Eltern. Weil dies das Refugium des Wolfes sei. Ja, das könnte man machen. Will man das aber wirklich?

Und ja, es gäbe auch noch eine andere Möglichkeit. Man könnte, wie in den USA, wo es auch nach wie vor die Wildnis gibt, in der Menschen leben, die Erlangung eines Waffenscheins erleichtern, sodass jeder, der in den Wald geht, sich dort notfalls zur Wehr setzen könnte, falls ein Rudel Wölfe auf ihn oder seine Kinder aufmerksam werden sollte. Auch hier die Frage, will man das wirklich?

Oder ist es nicht doch eher so, dass ein Raubtier wie der Wolf, das sich derzeit jährlich um 30% vermehrt, vielleicht nicht allzu gut in eine dicht besiedelte Gegend wie Deutschland passt? Sondern besser in einem Nationalpark, gegebenenfalls sogar eingezäunt, aufgehoben wäre?

Aber das würde Geld kosten. Drum lässt man es lieber einfach mal so laufen. Mal schauen, was passiert. Bis das erste menschliche Kind gerissen wird. Und dann wird Deutschland kopfstehen. Und dann wird es heißen: lupus homini lupus est. Der Wolf ist für den Menschen ein Wolf.

Nachtrag 20.11.2018:

Hat dieser Artikel Sie aufgeregt ? Vielleicht, weil er ein wenig einseitig und provozierend war ? Dann haben Sie eine Sicht verdient, die genauer abwägt zwischen den einzelnen Positionen. Lesen Sie >hier dasselbe Thema, aber differenzierter betrachtet, denn es geht eigentlich um die Frage nach dem Wert des Menschen, des Tieres und der Natur: Sollen Wölfe in Deutschland frei leben dürfen?

Nachtrag 30. November 2018:

In Niedersachsen wurde ein Friedhofsgärtner von einem Wolf angefallen und in die Hand gebissen, drei weitere Wölfe sahen aus einiger Entfernung zu und wollten wohl die Lage einschätzen. Der Friedhofsgärtner griff zu einem Hammer und schlug nach dem Wolf, verletzte diesen, sodass die Wölfe schließlich abzogen.

2 Comments

  1. Das Tier auf dem Bild ist ein Schäferhund. Ein Wolf hat eine andere Figur, die Hinterbeine sind höher, die Ohren haben beim Wolf eine andere Form.

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