Fake-News der WELT: Gerhard Schröder angeblich auf Fahndungsliste der Ukraine

Es ist nicht ganz egal, was man als Journalist schreibt und was man weglässt. Denn durch gewisse Akzentsetzungen und Auslassungen kann der Inhalt ein komplett anderer sein, als die Wirklichkeit.

In dem unten angegebenen Artikel der WELT von heute, Stand 13:28 Uhr, soll Gerhard Schröder auf der Fahndungsliste des ukrainischen Innenministeriums stehen. Und zwar deswegen, weil er einen neuen EU-Russland-Pakt vorgeschlagen habe. Aha, man staunt. Die Überschrift in der WELT lautet wie folgt:

Gerhard Schröder soll einen neuen EU-Russland-Pakt vorgeschlagen haben und steht deshalb auf einer Fahndungsliste des ukrainischen Innenministeriums.

Hier wurde entweder sehr schlampig oder gar nicht recherchiert, oder bewusst Putin in die Hände geschrieben. Ein Blick allein in die Wikipedia (und darüber hinausgehend eine Recherche in politisch informierten, ukrainischen Kreisen) zeigt schon, dass diese Aussage nicht stimmt. Die Seite, um die es geht, mit dem Namen Mirotworez (dt.: Friedensstifter), ist definitiv nicht vom ukrainischen Außenministerium, sondern eine NGO, also eine private Initiative. Diese Initiative wurde zudem bereits von der ukrainischen Regierung kritisiert.

Die x.te Ehefrau von Gerhard Schröder, Frau Soyeon Kim-Schröder, wird in der WELT so wiedergegeben:

Sie sei sehr enttäuscht darüber, dass eine deutsche Regierung und ein sozialdemokratischer Außenminister nicht den Mut finde, der ukrainischen Regierung klarzumachen, dass ein solches Verhalten nicht akzeptabel sei.

Hier (wie auch in der Überschrift) wird also implizit behauptet, es handle sich um eine ukrainische Regierungsseite, was definitiv nicht der Fall ist, siehe oben. Drum ist die ganze Aussage Unsinn und aus der Luft gegriffen, denn die deutsche Regierung und auch der sozialdemokratische Außenminister brauchen überhaupt keinen Mut zu finden, mit der ukrainischen Regierung in dieser Sache zu sprechen, weil das Ganze keine Regierungsseite ist.

Auch in Deutschland tut man sich übrigens schwer damit, unliebsame Webseiten einfach mal so abschalten zu lassen und muss, falls man dies überhaupt erreichen kann, verschiedenste juristische Zirkel durchlaufen. Und nein, sollte die deutsche Regierung oder gar der deutsche Außenminister darüber mit der ukrainischen Regierung reden wollen, dann wäre eines nicht nötig: Mut. Denn wie schon gesagt: die Seite gehört einer privaten Nicht-Regierungs-Organisation.

Man fragt sich abschließend nach dem Artikel, wieviele Rubel der Journalist des WELT-Artikels, dessen Initialen mit „jm“ unter dem Artikel wiedergegeben sind, von Genosse Wladimir P. aus Moskau für diesen bewusst in die Irre leitenden Artikel denn bekommen hat, oder ob er einfach unkundig der Rechereche war. Beides wäre ein Problem für die WELT, gerade in Zeiten, in denen mancher Zeitung das Etikett von Fake-News anheftet. Peinlich. Und gewissenlos. Und damit gefährlich. Denn hier werden in einer vermeintlich seriösen Zeitung absichtlich oder aus Unwissenheit Falschinformationen in die WELT, Pardon: Welt, gestreut.

WELT: Gerhard Schröder: Deshalb steht er auf der Fahndungsliste der Ukraine.
https://www.welt.de/politik/ausland/article183824632/Gerhard-Schroeder-Deshalb-steht-er-auf-der-Fahndungsliste-der-Ukraine.html

16:10 Uhr Nachtrag: Seit 16:03 Uhr steht unter dem oben genannten Link ein überarbeiteter Artikel, bei dem beispielsweise die Überschrift korrigiert wurde, sie lautet nun: „Soyeon Schröder-Kim in großer Sorge um den Altkanzler“. Zudem wurden offenbar noch weitere Punkte entschärft und genauer dargestellt, ganze Teile des Artikels wurden ausgetauscht. Da hat wohl der Chefredakteur dann mal drüber geschaut (sollte er öfter mal tun…). Ist bei politisch brisanten Themen nicht ganz unerheblich, was man schreibt. Der entscheidende Fehler jedoch wurde nicht behoben, Gerhard Schröder steht angeblich weiterhin „[…] auf einer Fahndungsliste des ukrainischen Innenministeriums.“ Peinlich und falsch, nach wie vor. Irgendjemand Lust und Zeit, sich dort mal als Chefredakteur zu bewerben ? Die suchen noch einen guten.

ZEIT-online hat sich (um 16:12 Uhr) des Themas nun angenommen und berichtet seriös, wie man es von einer seriösen Zeitung auch erwarten sollte, denn auf die Nuancen kommt es an. Hier lesen.

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