Gott, Evolution, oder beides?

Erstmal tief durchatmen, ich will hier nicht beispielsweise dem Intelligent Design das Wort reden. Ich will auch nicht behaupten, dass die Evolutionstheorie falsch sei. Sie können also weiterlesen.

Die Evolutionstheorie geht, einfach gesagt und so wie ich es verstehe, davon aus, dass sich aufgrund verschiedener Selektionsprozesse nach und nach Lebewesen entwickeln, die immer besser an die Umwelt angepasst sind. Ihre Erbinformationen werden also laufend ergänzt und verbessert. Ausgehend von winzigsten Lebewesen, die aus ein paar Molekülen bestehen, entstehen Lebewesen wie der Mensch, welcher dann aus etwa 80 Billionen Körperzellen besteht. Einfach mal so.

Philosophisch gesehen liegt der Evolutionstheorie im Grunde eine materialistische Sicht zugrunde, wie man sie beispielsweise schon bei den früheren Philosophen Demokrit und Epikur findet, den Atomlehrern.

Nach Epikur beispielsweise gibt es zwar die Götter, sie leben aber fern von den Menschen und kümmern sich nicht um sie. Das heißt, das, was auf Erden entsteht, entsteht durch kleinste Teilchen, die Atome. Die Seele nach Epikur besteht auch aus Atomen, allerdings aus besonders feinen, sie zerfällt nach dem Tod aber wieder.

Es gibt bei den alten Philosophen andere Ansätze, die beispielsweise einen Dualismus zwischen einer transzendenten Macht, also Gott oder Göttern, und der Materie vorsehen.

Wie gesagt, die Evolutionstheorie ist von Haus aus rein materialistisch ausgelegt, auch deswegen, weil die Naturwissenschaften nur mit beweisbaren Annahmen arbeiten können. Ein System wie Gott oder Transzendenz lässt sich nicht nachweisen und kann also nicht vorkommen innerhalb der Naturwissenschaften.

Nehmen wir nun einmal die Bibel kurz gedanklich her, allerdings nicht, um sie irgendwie inhaltlich zu beleuchten, sondern nur als ein Buch mit sehr vielen Wörtern darin und sehr vielen geordneten Buchstaben. Diese Buchstaben und Wörter geben natürlich nur Sinn in der richtigen Reihenfolge.

So ist es auch bei der DNS, der Desoxyribonukleinsäure, also dem Teil in einer Körperzelle, in welcher die Erbinformationen aufgeschrieben sind. Auch die Erbinformationen müssen in der richtigen Reihenfolge aufgeschrieben sein, sonst kommt kein Lebewesen heraus, zumindest keines, was sinnvoll funktionieren kann und überlebensfähig wäre.

Würde man nun alle Buchstaben der Bibel ausschneiden, in einen großen Topf werfen, schütteln und schütteln und schütteln, und sie dann auf einen sehr großen Tisch ausbreiten, könnte man ja erwarten, dass eines Tages zufällig alle Worte und alle Buchstaben in genau der richtigen Reihenfolge herauskämen, sodass man also wieder eine richtige Bibel hätte.

So ähnlich die Vorstellung bei der Evolutionstheorie, wenngleich auch ein bisschen anders. Dort ist die Grundannahme, dass man einige Buchstaben auf den Tisch schüttet, dann aber nicht alle wieder wegnimmt, sondern die bereits richtigen Wortteile liegen lässt und nach und nach nur die anderen Buchstaben weiter schüttelt und erneut auf den Tisch verteilt und an die schon auf dem Tisch zum Teil vorhandenen, richtigen Worte andockt.

Aber auch hier, man kann es sich wahrscheinlich einigermaßen vorstellen, ist das Ganze schon eine ziemlich unübersichtliche Sache. Man kann zwar durchaus glauben, dass auf diese Weise eher etwas herauskommt, als würde man darauf warten, dass mit einem einzigen großen Wurf auf einmal alles stimmte. dass sich alles so nach und nach ergänzt, lässt sich schon etwas leichter glauben.

Dennoch, und jetzt komme ich zum eigentlichen Punkt, braucht man schon einen gewaltigen Glauben, um glauben zu können, dass dies dann alles ist. Dass also in einer fast unendlichen Anzahl von Ausschüttungen irgendwann der richtige biblische Text entsteht, zudem in der richtigen Reihenfolge der Wörter, auch, wenn er in Einzeletappen entstehen mag.

Dass also, auf die Evolutionstheorie bezogen, nach und nach die Erbinformationen so ergänzt werden, dass am Schluss alles stimmt. Oder dass es vielleicht auch nicht alles stimmt, aber es insoweit stimmt, dass ein Lebewesen dann funktioniert und überlebensfähig ist.

Prinzipiell, warum auch nicht. Mag es so sein und das ist ja auch der Ansatz der naturwissenschaftlichen Überlegungen, denn, wie schon gesagt, mit Transzendenz kann die Naturwissenschaft nichts anfangen. Der Naturwissenschaftler an sich vielleicht schon, seine Forschungsmethoden aber nicht.

Ich glaube, es wäre sinnvoll, wenn im interdisziplinären Dialog zwischen Naturwissenschaften, Philosophie und Theologie stärker auf Derartiges eingegangen werden würde in der Zukunft.

Denn auch einige der alten Philosophen gingen bereits davon aus, dass hinter der Welt, die wir sehen können, noch etwas Transzendentes stehen muss.

Etwas ähnliches kann man vermuten, wenn man beispielsweise in der Kosmologie die dunkle Materie und die dunkle Energie sucht, welche einen Großteil des Universums ausmachen, welche man aber bisher in keinster Weise auch identifizieren konnte. Nur rein rechnerisch ist klar, dass es dort noch eine ganze Menge an ominösen Dingen geben muss, von denen man gar nicht weiß, wie sie beschaffen sein könnten.

Es wäre also gut, sich das Denken derart offenzuhalten, dass man immer weiß, wie viel man eigentlich nicht weiß, und dass man auch die transzendente Dimension des Lebens und unserer Lebenswelt als Möglichkeit diskutiert und im Gespräch hält und ins Gespräch und den Diskurs bringt.

Denn eine rein materialistische Welt, wie sie eben für die naturwissenschaftliche Sicht der Evolutionstheorie einfach mal so zugrunde gelegt wird, könnte beispielsweise das Phänomen des Bewusstseins in keinster Weise erklären. Warum nicht, können Sie nachlesen, wenn Sie beispielsweise unter dem tag Philosophie oder Bewusstsein hier auf der theolounge einmal schmökern.

Wie auch immer, ich denke, es ist in modernen Zeiten wie den unseren, und die Menschen glaubten ohnehin fast immer, in modernen Zeiten zu leben, nicht verkehrt, den Diskurs zwischen den einzelnen Wissenschaften immer wieder neu in die Gänge zu bringen, zwischen Theologie, Philosophie und der Naturwissenschaft.

Denn die Welt ist sicherlich bunter und vielfältiger, als eine einzige Wissenschaft sich das alleine auch im Entferntesten nur vorstellen könnte. Und bei den Wissenschaften geht es doch darum, zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält, oder etwa nicht?

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