Soll der Mensch den Willen Gottes tun? Und was ist Gottes Wille in Bezug auf Homosexualität?

Diese Diskussion entwickelte sich gerade in den Kommentaren, und weil es ein Thema ist, das für viele vielleicht interessant sein könnte, mache ich einen Teil eine Antwort, die ich dort formuliert habe, zu einem kleinen Artikel hier.

Der Ausgangspunkt war die Frage, ob es okay ist, wenn Pfarrer beispielsweise homosexuelle Paare segnen. In der katholischen Kirche ist es das nicht, in der evangelischen Kirche wird dies in einigen Landeskirchen in Deutschland allerdings bereits praktiziert.

Ich wurde gefragt, ob ich denn nicht den Willen Gottes kennen würde, der ja doch scheinbar gegen Homosexualität sei.

Ich verwies auf die Sichtweise der EKD, die ich vor längerem einmal zum Thema gelesen hatte. Dort hieß es, dass in der Bibel natürlich einerseits Homosexualität abgelehnt wird, dass man als Christ aber von Jesus als der Mitte der Schrift ausgehend derartige Bibelstellen interpretieren solle. Jesus wandte sich an die Menschen, die von der Gesellschaft ausgestoßen waren. Eine Spannung bleibt, aber diese Spannung gelte es auszuhalten.

Hier knüpft sich dann meine folgende Antwort an, auf die Frage, ob man den Gottes Willen tun solle?

Ja, klar, prinzipiell soll man den Willen Gottes tun, wenn man Christ ist, das ist auch eine evangelischer Sicht.

Bzw nach Martin Luther ist es eigentlich umgekehrt. Zuerst soll der Mensch an die eigene Erlösung durch Jesus glauben und somit an einen Gott, der gnädig und gütig ist.

Dieser Glaube verändert den Menschen innerlich. Der gläubige Mensch erfährt so, dass er von Gott angenommen ist, und zwar nicht deswegen, weil er gute Taten tut, sondern deswegen, weil Gott gnädig ist.

Sola gratia, allein aufgrund der Gnade Gottes ist der Mensch von Gott angenommen.

Und sola fide, allein durch den Glauben, dass Gott sich in Jesus gezeigt hat und so auf den Menschen zukommt.

Allein in der Heiligen Schrift, sola scriptura, kann der Mensch ergründen, was denn Gottes Wille sei, wobei man hier etwas aufpassen muss, weil ja nicht Gott die Bibel geschrieben hat, sondern viele verschiedene Menschen, mit teilweise unterschiedlichen Sichtweisen.

Und solo Christo, allein durch Jesus Christus, der sich den Menschen gezeigt hat, können wir wissen, wie Gott ist.

Durch den Glauben an den Gott, der sich in Jesus gezeigt hat, verändert sich der Mensch innerlich. Er erfährt, dass er von Gott angenommen ist, einfach dadurch, dass er an Gott glauben kann und dass Gott gütig und gnädig ist und den Menschen annehmen WILL.

Das bezeichnet man in der evangelischen Theologie als den Indikativ. Gott macht den ersten Schritt.

Daraus folgt der Imperativ, die Aufforderung, Mensch, reagiere auf das Geschenk, was dir von Gott gemacht wurde!

Allerdings wäre ein Geschenk nicht ein Geschenk, wenn es automatisch eine Verpflichtung mit sich einher bringen würde.

Der Gedanke nach Martin Luther ist umgekehrt. Dadurch, dass der gläubige Mensch innerlich verändert wird und sich von Gott angenommen fühlt, will er Gutes tun, will er auf dieses Geschenk Gottes reagieren und will mit den Mitmenschen gut umgehen. Freiwillig. Nicht, weil er sich verpflichtet fühlen würde dazu, sondern aus Dankbarkeit, dass Gott ihm auch die Schuld vergibt und ihn annehmen will.

Ach so, und hier wären wir auch wieder beim Thema der Sexualität bzw der Homosexualität, auch homosexuelle Menschen, Transgendermenschen und was auch immer sind auch Mitmenschen.

Und wenn wir von Gott ergriffen sind, wie oben beschrieben, sollen wir natürlich auch mit ihnen anständig umgehen. Es liegt nicht an uns, zu beurteilen, was Gott von ihnen hält.

Wir sollen aber im Hinterkopf haben, dass der Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen wurde, ganz egal, welche sexuelle Ausrichtung er hat. Wenn Gott den Menschen geschaffen hat, den einen heterosexuell, den anderen homosexuell und wieder einen anderen transgender, liegt es nicht an uns, zu beurteilen, ob wir dies gut oder schlecht finden. Wir sollen es als Schöpfung Gottes hinnehmen. Denn der Schöpfungsbericht der Bibel endet damit, dass Gott sah, dass es gut war. Seine Schöpfung war sehr gut.

Und da wir Gott achten und ehren sollen, sollen wir ebenso seine Geschöpfe achten und ehren, ganz egal, wie Gott sie erschaffen hat, zumal uns in jedem Menschen, der als Ebenbild Gottes gedacht wird, ein Fünkchen des Göttlichen entgegen leuchtet.

Und wir sollen im Hinterkopf haben, dass wir selber nicht ohne Sünde sind. Wer dies glaubt, der solle ja den ersten Stein werfen. eben. Keiner kann hier einen Stein aufheben und ihn werfen. Niemand ist ohne Sünde.

Sünde meint, so wie ich es verstehe, eben Trennung von Gott.

Wenn wir getrennt sind von Gott, wenn wir selbst also in dieser Trennung von Gott lieben, wenn wir also selbst in der Sünde sind, fällt es uns leicht, andere Menschen negativ abzuqualifizieren, beispielsweise deswegen, weil sie vielleicht nicht unserer sexuell präferierten Ausrichtung entsprechend.

Wer sind wir aber, dass wir den ersten Stein werfen? Was stört uns der Splitter im Auge unseres Bruders, wo wir doch den Balken in unserem eigenen Auge nicht sehen?

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. brigwords sagt:

    danke für diese weisen Worte

  2. Lilli sagt:

    Ich will die Weisheit der Weisen vernichten und die Klugheit der Klugen verwerfen.
    Wo bleiben da die Weisen, die Schriftgelehrten, die glänzenden Redner? Gott hat sie zu Narren gemacht und ihre Weisheit als nutzlosen Unsinn entlarvt. 1. Ko 1. 19,20—
    Natürlich kann man sich das Leben schön reden, muß man aber nicht, …die halbe Wahrheit ist auch ne ganze Lüge….
    Die Gottesferne wird in der Wortwahl entlarvt, verdrehen, verharmlosen und weltgefällig.

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