Der Papst zur Abtreibung. Hat er recht?

„Es ist nicht gerecht, einen Menschen umzubringen, auch, wenn er klein ist. Es ist, wie einen Auftragsmörder zu mieten, um ein Problem zu lösen.“

Dieser Satz, den der Papst, während er von seinem Konzeptblatt abwich, vor kurzem sagte, schmeckt nicht jedem.

In Deutschland bleibt Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche von der Justiz unbehelligt unter gewissen Voraussetzungen.

Was aber soll prinzipiell so falsch sein an der Aussage des Papstes?

Bei einem Kind, bei einem Embryo, auch, wenn es noch sehr klein und ein paar Tage alt ist, kann man davon ausgehen, dass daraus ein fertiger Mensch wird, mit Empfindungen, ein Mensch, der die Welt sehen möchte, der andere Menschen lieben möchte und mit ihnen Umgang haben möchte, ein Mensch der von anderen geliebt werden wird und der die Welt mitgestalten kann.

Das Einzige, was ihn von einem Menschen wie Sie und mich unterscheidet, ist der Zeitfaktor. Man gebe ihm 9 Monate oder 5 Jahre oder 10 Jahre oder 30, dann käme niemand mehr auf die Idee, über Abtreibung nachzudenken.

Ich weiß, es ist ein schwieriges Thema. Wenn eine Frau vergewaltigt wird, stehen sicherlich die Interessen der Frau im Vordergrund, wie könnte man es ihr zumuten, ein derartiges Kind austragen zu müssen. Wenn eine Frau Gefahr läuft, bei der Geburt zu sterben oder gesundheitlich schweren Schaden zu nehmen, kann man auch nicht ein Leben gegen ein anderes aufrechnen. Es gibt sicher mehrere Fälle in dieser Art.

Wenn ein Kind extrem krank auf die Welt kommen könnte, gibt es ähnliche Überlegungen in Bezug auf Abtreibung, allerdings ist es so, dass auch Menschen, die bereits geboren sind, erkranken. Das Thema Krankheit ist deswegen nicht unbedingt dazu angetan, vor diesem Hintergrund zu entscheiden.

Und wenn Menschen meinen, sie seien irgendwie noch nicht alt oder reif genug, vielleicht auch nicht vermögend genug, vielleicht würde es ihnen auch irgendwelche anderen Probleme machen, wenn nun ein Kind käme, dann machen sie es sich zwar vielleicht nicht leicht, aber sie sollten im Hinterkopf haben, dass sie über einen Leben entscheiden.

Manche Frauen, die abgetrieben haben, stecken das scheinbar einigermaßen gut weg. Viele Frauen aber tragen dieses Thema ein Leben lang mit sich herum. Besser wäre es für sie dann vielleicht im Nachhinein gewesen, statt diesem Problemkomplex lieber ein Kind mit sich herum zu tragen, bzw ein Kind zu haben, das dann ein erwachsener Mensch werden und mit dem man reden und leben kann.

Es ist prinzipiell nicht verkehrt, darauf hinzuweisen, dass ein Mensch, auch wenn er erst aus ein paar Zellen besteht, prinzipiell ein Mensch werden wird und dass auch er im Grunde schon ein Recht auf Leben haben soll.

Sicher, es gibt immer Fälle, in denen werdende Mütter sich dagegen entscheiden. Über diese Entscheidungen soll hier auch nicht geurteilen werden, auch, wenn der Papst ein Urteil gesprochen hat. Ich selber würde nicht wagen, darüber zu urteilen, aber die drastisch formulierte Aussage des Papstes erinnert daran, dass es ein Leben ist, über das man entscheidet. Nicht nur ein Zellhaufen, zumindest nicht in letzter Konsequenz, denn lässt man dem Zellhaufen seinen Lauf, entsteht ein fertiger Mensch daraus. Oder eben auch nicht.

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