Die AFD hätte gerne, dass man ihr Lehrer petzt

Und zwar Lehrer, die irgendwie nicht linientreu sind. Also nicht ins Bild der AFD passen.

Lehrer, die sich kritisch über einige der politischen Ansichten der AFD äußern. Diese sollen, auch anonym, der Partei gemeldet werden, damit sie dann versuchen kann, irgendwelche rechtlichen Schritte einzuleiten. Was ihr schwerfallen dürfte, aber die Einschüchterung steht nun schon mal im Raum. Und um Einschüchterung und ein Klima der Angst geht es der Partei.

Die Aufgabe von Lehrern aber ist es, nicht neutrale Roboter zu erziehen, sondern verantwortungsvolle und verantwortliche Bürger, die im Rahmen des Grundgesetzes zu handeln und politische sowie gesellschaftliche Tendenzen zu beurteilen in der Lage sind. Solche Bürger will die AFD aber offenbar nicht.

Denn sie ist eine Partei, die zwar für sich selbst höchste Redefreiheit fordert, diese anderen allerdings am liebsten nicht zugestehen würde.

Warum aber geht es um die Lehrer?

Die Lehrer, das sind die Wächter des Staates. Sie sind es, die mündige Bürger ausbilden sollen. Bürger, die auch extremistische Tendenzen erkennen und beurteilen können, linksextremistisch, rechtsextremistisch, egal. Bürger, die in der Lage und befähigt sind, auch morgen noch eine Demokratie zu leben und sie zu verteidigen, eine Demokratie, in der die Grundrechte herrschen von Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Toleranz Andersdenkenden gegenüber und so weiter.

Ach ja, und die AFD möchte auch den Lehrern ihren Beamtenstatus entziehen.

Klingt erstmal harmlos, ist es aber nicht. Denn Lehrer sind zu Recht Beamte, weil sie damit nicht oder zumindest nicht so leicht zum Spielball politischer Machenschaften werden können.

Zum einen dürfen sie nicht streiken, damit der Staat sich auf ein funktionierendes Schulwesen verlassen kann. Zum anderen kann man sie nicht einfach entlassen, damit es nicht einer Partei, die gerade vielleicht die Mehrheit im Bundestag hätte, einfiele, unliebsame Lehrer schnell mal zu kündigen und durch die eigenen, ihr zugewandten Lehrer zu ersetzen. Durch linientreue Lehrer.

Wenn Sie also mal das Gefühl haben, Sie hätten gerne beispielsweise das Haus ihrer Nachbarin und diese sei vielleicht eine Hexe und fliege mit ihrem Besen nachts zum Blocksberg, müssen Sie das der Partei melden. Also der AFD. Damit diese sofort Gegenmaßnahmen ergreift.

Die Hexe wird dann erst einmal in einem Käfig in einen Fluss gehalten, und sollte sie nicht ertrinken, wäre das der Beweis, dass sie tatsächlich eine Hexe ist. Sie würde dann wohl die Todesstrafe erhalten müssen. Okay, dafür müsste die Partei dann noch das Grundgesetz ändern, aber so what.

Sollte die Hexe jedoch bei der inquisitionären Prozedur gestorben sein zwischenzeitlich, wäre ihre Unschuld bewiesen und sie könnte guten Gewissens weiterhin ihr linientreues Parteileben führen.

Ach ja, das Mittelalter hatte schon so seine Vorteile. Wie schön, dass es auch heute noch solche Traditionalisten gibt.

Lesen Sie auch: ARD: Kritik an AfD-Meldeportalen„Ein Mittel von Diktaturen“

Denunziantentum oder Sorgfalt?:Protest gegen AfD-Seiten zur Meldung von Lehrer-Äußerungen

https://www.zeit.de/news/2018-10/09/protest-gegen-afd-seiten-zur-meldung-von-lehrer-aeusserungen-181009-99-299148

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