Ein Kind, eine Steintreppe, ein Sturz

Es war ein schöner Tag, zunächst. Wiesn, abends noch bei Freunden. Dann mussten wir heim, ich musste noch etwas arbeiten.

Ich bestelle Uber, man sieht, wie der Fahrer immer näher kommt, ich sage, wir müssen uns etwas beeilen. Ich sage, ich gehe schon mal vor, damit er nicht dort vor der Tür steht und vielleicht wieder wegfährt.

Das Kind hinterher, etwas über 6 Jahre alt. Die Frau denkt, ich würde es vielleicht an der Hand nehmen, ich denke es umgekehrt. Schnell schnell muss es gehen. Warum eigentlich, so im Nachhinein, warum eigentlich schnell schnell? Schnell ist manchmal viel langsamer, als wenn man die Dinge gemächlich angeht.

Eine leicht gewendelte Treppe, innen die Stufen sehr schmal. Ich bin schon eine dreiviertel Wendung weiter. Das Kind hält sich offenbar nicht fest am Geländer und wählt die kurzen Innenstufen. Tak, tak, höre ich, ein Schrei meiner Frau, ein dumpfer Aufschlag, Weinen.

Viel zu schnell, um irgendetwas tun zu können. Ich renne wieder nach oben. Das Kind liegt auf dem Steinboden im Gang. Es weint. Die Frau macht mir Vorwürfe, warum hast du es nicht festgehalten? Ich denke mir, warum du nicht? Ich wollte doch vorgehen. Egal. Die Schuldfrage lässt sich nicht klären. Das Kind ist ja eigentlich auch alt genug und hat 1000 mal gesagt bekommen, bitte festhalten.

Es liegt am Boden und weint. Am Oberschenkel tut was weh, etwas am Steißbein auch. Der Kopf ist unverletzt, die Wirbelsäule ist unverletzt. Nichts gebrochen. Später wird das Kind mir sagen, es sei nicht wie eine Kugel herunter gekugelt, sondern wie eine Wurst. Ich stelle es mir vor: Seitlich irgendwie.

Das Herz ist uns in die Hose gerutscht. Und dort ist es irgendwie immer noch. Ein paar Sekunden hätten unser Leben grundlegend ändern können. Und das unseres Kinders.

Wir danken Gott von Herzen für die Bewahrung, dass er in der entscheidenden Situation da war und verhindert hat, dass Schlimmeres passierte. Davon sind wir überzeugt. Amen.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Lilli sagt:

    Von allen Seiten umgibst du mich und hälst deine Hand über mir. Psalm 139. 5
    Schön das ihr das erlebt habt.

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