Landtagswahlen in Bayern: Über das sonderbare Sozialverhalten von Pilzen

Jede Gruppe von Lebewesen hat ja so ihre eigenen Angewohnheiten.

In Bayern beispielsweise grüßt man sich mit dem Gruß „grüß Gott!“, zumindest dann, wenn man sich als Bayer zu erkennen geben und nicht zu den Fischköppen gezählt werden will. Einerseits ist diese Grußformel womöglich als Imperativ gemeint, man solle bitte Gott grüßen, andererseits ist sie vielleicht eine Anlehnung an die biblische Vorstellung, dass in jedem Menschen ein Fünkchen Gottes zu Tage tritt, ein Ebenbild Gottes, das man grüßen solle.

Das war aber nur der Einstieg, mit dem Rest hat dieser Gedanke nun in den nächsten Zeilen, zumindest vorübergehend, erstmal nichts mehr zu tun.

Es geht hier nämlich nun um das Sozialverhalten von Schildkröten, nicht etwa um das von Pilzen.

Bei Schildkröten kann es vorkommen, wenn sie zu schnell und zu rasant um die Kurve biegen, oder wenn sie einfach so einmal herumhampeln, dass es dann plötzlich wumm macht und sie auf dem Rücken liegen. Einmal in dieser Position geht es ihnen ähnlich unglücklich, wie Käfern beispielsweise. Anders als bei Käfern ist es jedoch so, dass andere Schildkröten, manchmal zumindest, ihren auf dem Rücken liegenden Artgenossen helfen und sie wieder auf die Beine schubsen.

Ganz anders bei Pilzen. Hält sich ein Pilz einmal mit seinen Wurzeln nicht fest und fällt auf den Rücken, ist es vorbei mit ihm. Zwar sind Pilze unterirdisch miteinander gut verflochten, ihr Sozialverhalten ist aber im wahrsten Sinne unterirdisch. Ein Pilz, der auf dem Rücken liegt, bleibt dort bis zum Jüngsten Tag, sofern er vorher nicht von einem passionierten Sammler eingesammelt und verspeist wird oder einfach zu Kompost fermentiert. Noch nie hat man beobachtet, dass beispielsweise andere Pilze zur Hilfe kämen, um ihren Kompagnon wieder auf die Füße zu stellen. Stattdessen muss davon ausgegangen werden, dass sie hämisch im Wald umherstehen und sich in dreister Schadenfreude das Maul zerreißen über ihren umgefallenen Mit-Pilz.

Deswegen gefällt mir das Sozialverhalten der Bayern am besten, dicht gefolgt von dem der Schildkröten. Mit Pilzen kann ich in dieser Hinsicht nicht allzuviel anfangen.

Achso, vielleicht doch noch ein Bogenschlag zum Eingangsgedanken.

In Bayern ist ja am 14. Oktober Landtagswahl. Dann entscheidet es sich, ob man das „grüß Gott!“ wörtlich meint, wenn man nämlich in seinem Mitmenschen einen göttlichen Funken sehen will, ob man also seinen Mitmenschen helfen und sie wieder auf die Beine stellen will, oder ob man sie einfach auf dem Rücken liegen lassen möchte, auch, wenn es sich beispielsweise bei den Mitmenschen um geflüchtete Menschen handelt, die in diesem Falle dann zwar nicht auf dem Rücken liegen, wohl aber beispielsweise im Mittelmeer, wo sie dann untergehen, vielleicht auch auf dem Rücken liegend und dann auf dem Rücken auf dem Meeresboden ankommen.

Je nachdem, welche Sichtweise man hier am besten findet, wird man auch wählen am Wahltag.

Hoffentlich orientiert man sich mehrheitlich an den Bayern, die so freundlich „grüß Gott!“ sagen und es auch so meinen, oder an den Schildkröten.

Vom Sozialverhalten der Pilze sei in Bezug auf die zu wählende Partei dringendst abgeraten. Sei kein Pilz!

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