Diesel: der Unterschied zwischen Lieschen Müller und der Automobilindustrie

Es gibt einen kleinen Unterschied zwischen Lieschen Müller und der Automobilindustrie. Er betrifft aber nur den Geldbeutel, ansonsten ist er marginal.

Angenommen, Lieschen Müller kauft sich ein Auto und baut dort den Katalysator aus. Sie kommt in eine Polizeistreife, das Auto wird aus dem Verkehr gezogen, weil es durch diesen Eingriff keine Zulassung mehr hat, Lieschen Müller erhält ein Bußgeld und sollte sie trotzdem mit dem nicht fahrtüchtigen Auto weiterhin fahren, könnte vielleicht sogar eine Haftstrafe draus werden.

Anders bei der Automobilindustrie. Diese verkauft Autos, Dieselfahrzeuge, von denen sie weiß, dass diese mehr Stickoxide emittieren als erlaubt. Viele Menschen, besonders in Städten, dürften unter anderem an diesen Stickoxiden erkrankt sein, chronische Atemwegserkrankungen beispielsweise, einige dürften bereits gestorben sein. Die Automobilhersteller könnten dies zwar verhindern, das wäre aber etwas teurer für sie, also weniger Gewinn, deswegen entschied man sich dafür, dass eine Software den Prüfern vorgaukelt, alles sei in Ordnung.

Kommt die Automobilindustrie nun in eine Polizeistreife, darf sie einfach weiterfahren. Warum? Weil sie der Polizei sagt, dass man dieses Auto eventuell nachrüsten werde, so genau wisse man das aber noch nicht, dass man auch erstmal ein paar Jahre ins Land gehen lassen wolle, um zu schauen, ob das Ganze nicht in Vergessenheit gerate, und wenn das nicht klappt, sagt sie der Polizei, dass man zwar mit diesem Auto weiterfahren werde, dass man aber anbiete, neue Autos zu verkaufen, welche ja nicht ganz billig sind, dann darauf aber vielleicht 3000 oder vielleicht auch 10000 € Ermäßigung zu gewähren. Das alte Auto könne man ja auch wegschmeißen, da solle man sich doch mal nicht so anstellen, man gebe ja sonst auch hier und dort mal Geld aus. Und man habe übrigens auch gar keine Lust, dass der eigene Gewinn zurückgehe.

Falls es denn aber unbedingt sein müsse, dass diese ärgerlichen Stickoxide dann in der Art reduziert werden würden, wie ursprünglich von der Automobilindustrie vorgegaukelt, werde man sich notgedrungen auch ein bisschen an der Umrüstung beteiligen, den Rest solle aber doch bitte Lieschen Müller zahlen. Die mache doch sonst nichts mit ihrem Geld und habe ja genug. Und wer sich ein neues Auto kaufe, müsse doch wissen, dass da ja auch nicht immer alles automatisch so sei, wie man es beim Kauf noch gedacht habe. Da brauche man nun gar nicht meckern.

Die Polizei, die Justiz und die Politik sind überzeugt, das sei ja mal eine ganz tolle Lösung. Der Justiz kommen zunächst geringe Zweifel, Rechtsgleichheit für alle, andererseits sagt man sich, ach was, halb so wild. Soll Lieschen Müller doch zahlen, die Automobilindustrie aber fahren. Man müsse doch auch mal Fünfe gerade sein lassen.

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