Eurowings: later or tomorrow

Mit welcher Fluglinie man fliegt, ist nicht ganz egal. Denn mit der einen kommt man an, mit der anderen nicht.

Rom, Fiumicino Airport. Von hier soll es losgehen. Eine Jugendgruppe von 25 Leuten checkt rechtzeitig ein. Zu dem Zeitpunkt ahnen sie noch nichts von der Odyssee, die ihnen bevorstehen wird.

Die kurze Vorgeschichte. Früh aufstehen, einen kleinen Stadtrundgang noch, Caracalla-Thermen, Pyramide des Cestius. Danach alles schnell schnell. Man will ja rechtzeitig am Flughafen sein. Dort trifft man um 11:50 Uhr ein, der Flug geht um 15:40 Uhr, genug Zeit also. Ganz entspannt.

Je näher die Boardingtime jedoch rückt, desto entspannter wird es, zumindest im Hinblick auf die Zeit, nicht im Hinblick auf die Nerven. Denn es verschiebt sich nach und nach auch die Boardingtime, die schließlich etwa 2 Stunden später ist, um 17:30 Uhr nämlich. Allerdings scheint auch dies mehr purer Aktionismus zu sein, denn als die Leute um diese Uhrzeit in langer Schlange anstehen, tut sich erstmal: gar nichts. Gegen 17:45 Uhr endlich beginnt dann das Boarding. Langsam und schleichend und schleichend und langsam.

Das allein wäre ärgerlich und beschwerlich und ermüdend, aber noch nicht das eigentliche Problem. Problematisch wird es, weil beide Eurowings-Flüge, der von Rom nach Köln und der Anschlussflug nach München zeitlich nicht mehr zusammenpassen. Wenn man in Rom nämlich gerade zu dem Zeitpunkt abhebt, an dem man eigentlich in Köln in den Flieger nach München steigen müsste, ist es rechnerisch nicht mehr möglich, den Flieger zu erreichen.

Die Hotline von Eurowings, die man in Rom anruft, könne auch nichts machen. Das solle man doch bitte vor Ort am Schalter in Köln klären, so am Telefon, da könne man das nicht machen.

An Bord des Fliegers schließlich gehen zwei Stewardessen mit dem Essenswagen durch, als er endlich in der Luft ist. Man schnappt den Satz auf „Wenn wir denen allen jetzt eine Essensbox geben…“. Wie der Satz zu Ende geht, hört man nicht mehr. Als die beiden Damen mit ihrem Wagen wieder durchkommen, spricht man sie an und sagt, dass man ja bei zwei Stunden Verspätung eigentlich Anspruch auf eine Brotzeit oder Verpflegung hätte. Da könne man aber leider nichts machen, erwidert die Stewardess freundlich, man habe diesbezüglich keine Ermächtigung von Eurowings.

Das ist erstaunlich, denn zumindest eine Cola könnte man doch in ein Glas einschenken und den Fluggästen geben. Aber nein, ohne Ermächtigung geht da nichts. German Gründlichkeit.

Endlich landen 25 Leute der Gruppe in Köln und suchen den Schalter auf, der für die Beschwerden zuständig ist. Als man schließlich dran ist, müssen sich alle, die hinter einem in der Reihe stehen, mit großer Geduld gedulden. Denn es wird nun eine gute Dreiviertelstunde dauern, bis alle 25 Leute umgebucht sind. Ein Voucher für die Taxifahrt zum Hotel, ein Hotelvoucher, ein Voucher für die Taxifahrt am nächsten morgen in aller Herrgottsfrühe zum Flughafen Düsseldorf. Nicht etwa von Köln aus, dort ist nichts mehr frei, nein, von Düsseldorf. Es ist jetzt 21:30 Uhr.

Der nächste Morgen. 5 Uhr aufstehen, 6 Uhr kommen die Taxen. Eine Stunde Fahrt von Köln bis zum Flughafen Düsseldorf. Check in. Sicherheitskontrolle. 7:30 Uhr ist man am Gate. Warten bis zum Boarding um 9 Uhr. Abflug 9:30 Uhr, Ankunft in München 10:30 Uhr. Über 12 Stunden nach dem gebuchten Termin, an dem man hätte ankommen sollen.

Müde Mitfahrer, müde Betreuer, die mittlerweile kostenlos ihren Dienst tun und dafür nicht mehr bezahlt werden.

Schuld daran sind wohl weder die Piloten, noch das Kabinenpersonal, noch das Bodenpersonal. Schuld daran sind irgendwelche hochdotierten Manager im Management der Eurowings, die für all die Angestellten, für die sie eigentlich verantwortlich wären, einen allzu ehrgeizigen Flugplan zusammengestellt haben, der dann nicht eingehalten werden kann, vielleicht, weil zu wenig Flugzeuge vorhanden sind. Eurowings hatte zwar alte Flugzeuge von Air Berlin aufgekauft, jedoch auch zum Umlackieren gab es wohl weder die Zeit noch die Mittel. Der Eurowingspilot in Rom versuchte auch gleich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und stellte einmal klar, dass die Verspätung ja nicht ihm anzulasten sei, sondern dem Bodenpersonal, das irgendwie zu langsam gewesen sei, und dann habe man auch schlechte Timeslots den Tag über bekommen, um überhaupt abheben zu dürfen. Er stellte sich hinter seine Fluglinie, vermutlich, weil er glaubte, es werde so erwartet von ihm. Doch Schuld sind wohl weder er, noch irgendein anderer Angestellter von Eurowings, Schuld ist das Management, das mit seinem unrealistischen Flugplan alle stresst. Die Piloten, das Kabinenpersonal, das Bodenpersonal und natürlich die Fluggäste.

Wenn man sich anschaut, welcher Aufwand nun betrieben werden musste, um die 25 Passagiere nach München zu bekommen, welche Kosten anfielen und welcher Ärger, wenn man sich überlegt, dass die Passagiere nun auch noch versuchen werden, für 25 Leute die jeweils 250 € Entschädigung geltend zu machen, die ihnen rechtlich zusteht für die ganzen Unannehmlichkeiten, den Stress, die Müdigkeit, die entgangene Lebenszeit, dann kommt man schnell zu der Einsicht, dass die Profitgier, die hinter dem all zu sportlichen Flugplan stehen dürfte, etwas zu kurz gedacht war. Wenn man sich dann weiter überlegt, wie vielen Menschen jeder der 25 Passagiere von dem Erlebnis berichten wird, bekommt man eine Ahnung davon, wie schnell der Ruf einer Fluglinie ramponiert, wenn nicht gar sogar ruiniert sein kann. Und man darf davon ausgehen, dass dieses Erlebnis nicht das einzige ist, sondern dass es einer ganzen Menge von Fluggästen der Eurowings ähnlich gehen dürfte. Da kann man eigentlich nur auf die Pleite dieser Fluggesellschaft warten.

Der Anschlussflug nach München übrigens wurde nicht mehr von Eurowings veranstaltet, nicht mehr von der Lufthansatochter, sondern von der Mutter selbst. Und die Lufthansa hat ja bislang noch den Ruf, tendenziell auch das zu liefern, was sie verspricht.

Im Flughafenlautsprecher ertönt gegen 8 Uhr eine Stimme: „Sehr geehrte Damen und Herren, leider verspätet sich der Eurowings-Flug … nach München aufgrund des verspäteten Vorflugs. Die neue Abflugzeit ist…“

Man ist froh, nun auf die Lufthansa gebucht zu sein. Und man schaut in einer App nach, wie es denn um die Eurowingsflüge von Düsseldorf aus bestellt ist: Praktisch alle sind aktuell verspätet, einige 10 Minuten, einer eineinhalb Stunden.

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