Sind Christen Träumer und Gutmenschen?

Vorweg muss man gerade mal diejenigen sogenannten Christen ausklammern, die sich zwar das Etikett Christ auf die Stirn kleben, allerdings mit den Inhalten nicht übereinstimmen. Beispielsweise Christen, die rechtsradikale Positionen vertreten, die flüchtenden Menschen beispielsweise nicht die gleichen Menschenrechte wie anderen Menschen zugestehen wollen und so weiter.

Aber davon abgesehen, ja, Christen sind Träumer. Sie träumen davon, dass, wie Jesus in den Evangelien wiedergegeben wird, mit Jesu Erscheinen auf der Welt das Reich Gottes nicht mehr in der Ferne ist, sondern bereits im Hier und Jetzt teilweise schon beginnt. Sie arbeiten mit am Weinberg Gottes, also daran, dass die Welt lebenswerter wird, für alle Menschen. Und ja, sie meinen es gut und sehen das Gute in allen Menschen oder versuchen es zumindest, in diesem Sinne sind sie Gutmenschen.

Hier muss man den Begriff Gutmensch, der ja oft despektierlich verwendet wird, um naive Tagträumer abzuqualifizieren, mal als das sehen, was er eigentlich meint, nämlich Menschen, die das Gute im Blick haben, auch, wenn andere ihnen Böses wollen. Dass sie dieses Gute nicht immer erreichen, liegt in der Natur des Menschen, denn wir Menschen sind eben nicht Gott und haben nur menschliche und begrenzte Kräfte. Auf Böses mit Gutem zu reagieren überfordert manchmal auch die sogenannten Gutmenschen. Dennoch ist und bleibt es ihr Ziel, an den hohen ethischen und nie erreichbaren Werten der Bergpredigt ihr Leben und Handeln auszurichten.

Dass die Bergpredigt in ihrem reinen Pazifismus wohl nicht uneingeschränkt für die Leitung und Lenkung eines Staates geeignet ist, tut dem keinen Abbruch. Schon Martin Luther im 16. Jahrhundert versuchte diesen Widerspruch aufzulösen mit seiner sogenannten Zwei-Reiche-Lehre, in der er noch davon ausging, die Obrigkeit sei von Gott eingesetzt, um Ordnung in der Welt zu schaffen. Dies wird man heute teilweise revidieren, weil an die Stelle dieser Vorstellung die demokratische Legitimierung von Politikern gerutscht ist, zurecht muss man sagen, wobei ein Teil der lutherischen Sichtweise nach wie vor aktuell ist, dass Gott nämlich sicherlich möchte, dass in der Welt Frieden herrscht. Gott, der die Schöpfung sehr gut machte und das Chaos durch Kosmos ersetzte, wie es in der Genesis steht, möchte sicherlich kein Chaos, sondern stimmt wohl damit überein, wenn Regierungen verantwortlich handeln und so, dass jedem Menschen seine von Gott gegebene Menschenwürde erhalten bleibt.

Ja, Christen sind Menschen, die es gut meinen, die versuchen, nach hohen ethischen Werten zu leben, die versuchen, Gottes Willen im Hier und Jetzt umzusetzen und mit ihren Mitmenschen so umzugehen, als würden sie in jedem Mitmenschen einem Teil Gottes begegnen. In diesem Sinne sind Christen Gutmenschen und in diesem Sinne sind sie Träumer, weil sie davon träumen, dass sich Gottes Welt, die sich im Hier und Jetzt bereits ein bisschen zeigt, immer mehr verwirklichen lässt. Sie sind Träumer, aber naiv sind sie nicht. Sie sind zugleich nämlich auch Realisten, weil sie davon ausgehen, dass hinter allem Gott steht. Der Gott, der uns Menschen in den eisigen Unendlichkeiten des Weltalls einen Lebensraum geschaffen hat und ihn erhält, der Gott, vor dem wir uns und unser Handeln und Verhalten rechtfertigen müssen, der Gott, der gütig und gnädig ist und es den Menschen gut meint.

Kommentar verfassen...(Kommentare, die Links enthalten, müssen auf Freischaltung warten)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.