Deutschland, deine Brücken. Seid ihr eigentlich stabil?

Nach dem schlimmen Brückeneinsturz von Genua mit über 40 Toten hört man hierzulande auch immer wieder die Frage, wie es denn um die deutschen Brücken so stehe.

Man kann beruhigt aufatmen, es ist wie bei der Rente, sie ist sicher und die deutschen Brücken ebenfalls, so hört man. Sie werden nämlich alle drei Jahre einer speziellen Untersuchung unterzogen und befragt, und sofern es einer nicht so gut gehe, wird dies auch notiert. Falls eine zwischenzeitlich einstürze, wird dort sofort die Fahrbahn gesperrt und die defekte Brücke wird in eine Liste eingetragen. Und wenn was in einer Liste steht, ist der Deutsche auch schon ziemlich beruhigt.

Zur Brücke von Genua gibt es allerdings tatsächlich wohl einige Unterschiede zu den meisten oder vielleicht auch allen Brücken in Deutschland, beispielsweise die Stahlseilkonstruktion, die dort verwendet wurde, hatte offenbar nur eine sehr geringe Betonüberdeckung von 2 cm, was in den 60er Jahren in Ordnung war, rein statisch gesehen. Heute verwendet man 5 cm Überdeckung, wodurch ein Durchrosten schwieriger ist bzw vielleicht auch gar nicht stattfindet. Was genau in Genua zum Brückeneinsturz geführt hat, weiß man ja noch nicht, womöglich könnte aber wirklich eines der Stahlseile gerissen sein, was dann zu einem Spontanversagen der ganzen Brücke im Sinne einer Kettenreaktion geführt hat. Bei moderneren Brücken in Deutschland jedenfalls, die nicht in den 60ern gebaut wurden, sondern wesentlich jünger sind, ist es so, dass das Versagen eines Zugstahls im Brückenkörper in der Regel kein Komplettversagen bewirkt, sondern zunächst erst einmal Risse produziert, die man dann wahrnehmen kann als Warnsignal eines bevorstehenden Brückeneinsturzes. Und die älteren Brücken in Deutschland, beispielsweise die aus den 60er Jahren und älter, werden ja angeblich auch gut überprüft.

Insgesamt steht zu vermuten, dass man in Deutschland tatsächlich einigermaßen gründlich vorgeht in Bezug auf die Brücken, und nach dem Drama von Genua natürlich noch ein bisschen genauer hinschaut.

Andererseits ist es nicht so, dass in Deutschland automatisch alles sicher wäre, wenn man sich beispielsweise an das Drama mit den implodierenden oder explodierenden Radreifen des ICEs bei Eschede vor vielen Jahren erinnert, als sich die hinteren Waggons des ICEs dann um eine Brücke herumwickelten. Die Brücke war sicher, der ICE leider nicht. Es gab damals auch sehr viele Tote.

Was soll das Ganze jetzt heißen?

Dass man wohl davon ausgehen kann, in Zukunft in Deutschland unter Brücken tendenziell ganz gut hindurchzukommen, sogar auch drüber fahren zu können, dass aber wohl der Bundesverkehrsminister jetzt ein wenig genauer hinschauen wird. Denn es wäre nicht nur peinlich, sondern auch dramatisch, wenn Derartiges auch in Deutschland passieren würde.

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