Wir und imaginäre Flüchtlinge

Der Flüchtling fährt mit, und sei es nur im Kopf.

Unser Auto erklomm leichtfüßig die Tiroler Alpen, draußen 28 Grad und ein paar Wanderer, denen der Schweiß über die Stirn lief. Innen klimatisierte 20°, das einzige Problem, dass eines der Kinder eine gewisse Übelkeit verspürte.

Man hält an und als die Lage wieder in Ordnung ist, fährt man entspannt weiter. Oben angelangt hat eines der Kinder Hunger und man hält an, steigt aus, breitet die Picknickdecke auf grünem Rasen aus und hat genug zu essen und zu trinken dabei, um die Bedürfnisse schnell zu stillen. Den Kindern geht es wieder gut, uns auch. Die Sonne brennt, aber man hat ja Sonnencreme.

Und da kommt einem kurz einmal und nur nebenbei der flüchtige Gedanke, wie es denn als Flüchtling derzeit so wäre. Man hat als Flüchtling vielleicht auch Kinder mit dabei, denen geht es vielleicht auch nicht gut, die brauchen vielleicht auch eine Pause, etwas zu Essen, aber sie haben natürlich kein klimatisiertes Auto, in das sie sich schnell mal zurückziehen könnten. Keine Picknickdecke und vielleicht auch kein Essen und Trinken, zumindest nicht dann, wenn sie es brauchen.

Und trotzdem gibt es viele Menschen landauf landab, die irgendwie so gar kein Mitleid mit diesen Menschen haben. Denen es um Quoten geht, die Angst haben vor einer imaginären Überfremdung, es gibt in Deutschland sogar Leute, die im Rahmen einer Pegida-Veranstaltung immer wieder skandierten „absaufen, absaufen“, womit gemeint war, dass Flüchtlinge im Mittelmeer doch am besten untergehen sollten. Dass Menschen also sterben sollten. Sie skandierten: Menschen sollen sterben!

Menschen, die so etwas skandieren sind wohl glücklicherweise eine Minderheit, aber menschenverachtend ist es trotzdem.

Man sollte nicht vergessen, dass es einem selbst doch eigentlich ganz gut geht. Selbst, wenn man vielleicht nur eine kleine Wohnung zur Miete hätte, selbst, wenn man kein klimatisiertes Auto hätte. Um wie viel besser geht es einem dann trotzdem als Flüchtlingen, die ihr ganzes Leben in irgendeinem Winkel dieser Welt zurückgelassen und verloren haben.

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