Als Mesut Özil hat man es auch nicht leicht

Kaum trifft man sich mal mit dem politisch hoch umstrittenen, als Autokraten gesehenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und nennt ihn auch noch „mein Präsident“, ist zudem aber in der deutschen Fußballnationalmannschaft, wird das Ganze gleich als politisch eingestuft, obwohl man selbst es für privat hält.

Nun ist Mesut Özil natürlich kein Politiker, sondern Fußballer, und man möge es ihm nicht verübeln, wenn er die ganze Sache vielleicht tatsächlich so eingeschätzt hat. Ein kurzes Bild, ein falscher Satz und schon ist die Karriere ruiniert und die Medien baden darin.

Es mag sein, dass Özil sich über die Symbolik eines Treffens mit Erdogan nicht klar war und es mag auch sein, dass er zurecht nun Rassismus ihm gegenüber beklagt, den es natürlich nicht geben sollte.

Andererseits ist es so, dass man, wenn man für die deutsche Nationalmannschaft spielt, ohnehin schon etwas politisch aufgeladen ist in allem, was man tut, und natürlich von den Medien auf Schritt und Tritt beobachtet wird, auch, wenn man das vielleicht gar nicht möchte und nur den Sport im Vordergrund sehen will. Das kann einem Mesut Özil eigentlich auch nicht völlig unklar gewesen sein.

Unabhängig davon, dass rassistische Pöbeleien gegenüber ihm überhaupt nicht hinnehmbar sind. Aber mit seinem Treffen mit Erdogan und seinem umstrittenen Ausspruch hat er natürlich die offene Flanke für alle Rassisten, Populisten und Stänkerer hingehalten. Taktisch ziemlich unklug für einen Fußballspieler, der ja auch ein bisschen was von Taktik verstehen sollte. Schuld ist Mesut Özil nicht, dass er nun rassistisch beschimpft und beleidigt wird, schuld sind diejenigen, die dies tun. Schuld sind diejenigen, die in der Tat einen türkischstämmigen Deutschen nur dann gut finden, wenn sie ihn als nützlich erachten, ihm ansonsten aber die Schuld zuschieben.

Aber wie gesagt, die Flanke geöffnet hat er.

Dennoch erschreckend, dass es im heutigen Deutschland, aufgeheizt durch Rechtspopulisten jeglicher Couleur, derart rassistische Anfeindungen immer noch oder bereits wieder gibt. Das sollte der demokratischen Gesellschaft doch ernstzunehmende Sorgen bereiten.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mich stört nicht, dass er sich mit Erdogan getroffen hat, sondern seine Aussage: Für meinen Präsident.
    Ich kann nicht die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen und wollen, in der deutschen Nationalmannschaft spielen, alle Annehmlichkeiten des deutschen Rechtsstaates in Anspruch nehmen, um dann Deutschland zu verkünden: Aber Erdogan ist MEIN Präsident!
    Mir zeigt er damit, dass nicht der Rechtsstaat und die Demokratie für ihn einen Stellenwert haben, sondern schlichtweg nur das Geld was er hier verdienen konnte.

  2. Autor sagt:

    Hallo «seelenkarussel»,
    da liegt ein Missverständnis vor, denke ich.
    Soweit ich es in Erinnerung habe, hat Ilkay Gündogan sein Trikot mit „mein Präsident“ signiert. Es soll aber wohl noch eine andere Bedeutung in der Übersetzung geben, aber da bin ich mir nicht sicher.

    Mich persönlich stört das Bild auch nicht. Mich störte nur, dass Özil sich überall nur die Rosinen rauspickt:
    – in Deutschland Aufbau einer Werbefigur für Integration
    – für die Türkei der Freund des Präsidenten
    Hauptsache überall beliebt, alle Türen offen, „Likes“ abgreifen und seinen Marktwert positiv beeinflussen.

    Was die Diskussion allgemein betrifft: in Deutschland gibt es aktuell zu keinem Thema mehr eine vernünftige Diskussion. Rechts- und Linksaußen hauen ihren geistigen Dünnpfiff raus und die Vernünftigen aus der Mitte stehen sprachlos dazwischen, wundern sich, was da geschieht.

  3. Ja, in diesen Zeiten fliegen schon ziemlich viele populistische Thesen durch Deutschland, die aber nicht unbedingt wichtige Themen betreffen, sondern nur so aufgebauscht werden, als sie seien sie unglaublich wichtig.

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