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Würden Sie eine „Pizza Adolf Hitler“ essen?

Nein? Warum denn nicht? Ist doch nur ein Name?

Kürzlich war ich einkaufen und nahm mir eine Pizza aus der Tiefkühltruhe. Sie hieß Pizza Jalapeno. Und sie soll recht scharf sein.

Oftmals heißen solche Pizzen dann aber anders, nämlich Pizza Diavolo.

Nun kommt der Name Diavolo von dem Griechischen Diabolos, welches mit dem Verb diaballein zusammenhängt, welches meint, dass etwas grundlegend durcheinander gebracht wird. Die gute Ordnung nämlich. Der Diabolos ist in der Bibel der Durcheinanderbringer, der das gute Leben in Unordnung und in Chaos stürzt, manchmal sogar so sehr, dass danach alles kaputt ist.

Es gibt mehrere Bezeichnungen für den Diabolos in der Bibel, z. B. auch Satan oder Teufel.

Andererseits gibt es in der Genesis der Bibel, im Schöpfungsbericht, die Vorstellung, dass der Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Das bedeutet, dass der Mensch prinzipiell gut ist und auch die Schöpfung Gottes gut ist, sogar sehr gut. Kommt nun ein Mensch aber auf Abwege, liegt es nicht daran, dass er prinzipiell das Böse in sich trüge, höchstens die Möglichkeit, sich zum Bösen entscheiden zu können, sondern daran, dass er auf Abwege gebracht wurde. Durch den Diabolos.

Heute würde man vielleicht sagen, anstelle dieses Durcheinanderbringers könnte man die Sozialisation setzen, die Psychologie, hirnbiologische Anlagen und so weiter. Der Mensch ist prinzipiell gut geschaffen, es gibt aber Einflüsse, denen er manchmal nicht widerstehen kann.

Wenn man nun eine Pizza Diabolos verkauft, spielt man als Werbetexter darauf an, dass der Teufel ja angeblich in einer sehr heißen Hölle sitze und die da verkaufte Pizza angeblich auch sehr heiß sei, im Sinne von sehr scharf.

Nun meint Diabolos aber eigentlich viel mehr. Wenn die gute Ordnung zerstört wird, kann das kleine Dinge meinen, aber auch große. Menschen, die sich eben noch gut verstanden haben und die sich plötzlich nicht mehr verstehen, die Streit haben, sind ins Chaos gestürzt. In biblischen Zeiten hätte man dort den Diabolos vermutet. Völker, die eben noch friedlich lebten, dann aufgehetzt wurden von irgendwelchen anderen Leuten, und die dann plötzlich in Krieg eintauchten und darin versanken, sind auch vom Diabolos verleitet worden, von Gedanken, die die gute Ordnung durcheinander bringen.

Auch der Begriff Adolf Hitler steht eigentlich exemplarisch dafür, dass die gute Ordnung von Grund auf auf den Kopf gestellt wurde. Da, wo eigentlich ein Miteinander hätte sein sollen, entstand ein Gegeneinander, entstand die größte Menschheitskatastrophe der Geschichte vermutlich, der zweite Weltkrieg mit etwa 55 bis 70 Millionen Toten und der Holocaust bzw die Shoa mit der planmäßigen Vernichtung von mindestens sechs Millionen Juden und weitere Gräueltaten.

Für alle solche Begebenheiten steht im Grunde der Begriff Diabolos. Der Begriff Diabolos ist eine Metapher für das Böse schlechthin. Ebenso, wie der Name Hitler zurecht zu einer Metapher für das Böse schlechthin geworden ist.

Nun kann man sicherlich in eine Pizza Diabolos kraftvoll hineinbeißen und es wird einem nichts passieren, weil das Ganze ja bloß ein Name ist. Und gemeint ist eigentlich die Hitze der Hölle.

Dennoch leben wir in Zeiten, in denen einem klar wird, dass Sprache eben auch das Leben formt. Deshalb sprechen wir heute nicht mehr von „Negern“, sondern von Menschen mit dunkler Hautfarbe. Deshalb gibt es Überlegungen, Flüchtlinge nicht mehr Flüchtlinge zu nennen, weil sie dadurch wie entmündigt scheinen, sondern sie als Menschen zu bezeichnen, als Menschen, die flüchten oder als geflüchtete oder flüchtende Menschen. Deshalb macht man einen Unterschied bei den Geschlechtern, es gibt nun männlich, weiblich und viele Zwischenformen, im Transgenderbereich nämlich. Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Ausrichtungen. Deshalb gibt es auch Überlegungen, weshalb man Menschen so ansprechen soll, dass möglichst alle sich integriert fühlen. Also nicht, sehr geehrte Herren, sondern sehr geehrte Damen und Herren und heutzutage versucht man auch noch, alle Zwischentöne mit zu integrieren.

Das mag den einen übertrieben vorkommen und ab und an mag es tatsächlich auch übertriebene Spitzen haben, aber in der Tat ist es so, dass die Sprache unsere Gedanken formt uns dass aus unseren Gedanken dann Charakterzüge und daraus Taten werden können und letztlich Streit und Kriege und so weiter.

Wenn man also eine Pizza mit dem Namen Diabolos bezeichnet, könnte man synonym dafür auch all die anderen Namen einsetzen, die damit gemeint sind. Man könnte sie nennen Pizza Streit. Wer hat Lust, eine Pizza Streit zu essen? Pizza Ehestreit. Pizza Ehescheidung. Pizza Kindesmisshandlung. Pizza Vernachlässigung. Pizza Ausländerfeindlichkeit. Pizza Holocaust. Pizza Weltkrieg. Pizza Hitler. Pizza Folter. Pizza Menschenrechtsverletzungen. Pizza Diskriminierung.

Und so weiter. Denn dafür steht der Name Diabolos.

Man kann zwar durchaus eine Pizza Diabolos essen, es wird einem auch nichts passieren, außer, dass man eine gewisse Schärfe im Mund spürt. Aber im Zeichen der aktuellen sprachlichen Entwicklungen, die ja durchaus auch ihren sinnvollen Hintergrund haben, ist es angemessen, wenn allmählich die Namensbezeichnung für eine Pizza Diavolo geändert wird in Pizza Jalapeno. Denn Jalapeno steht für Schärfe. Und das ist ja eigentlich gemeint. Man will doch eine scharfe Pizza essen und nicht eine, die für das Böse in der Welt schlechthin steht.

15 Kommentare

  1. Manchem mag es belanglos erscheinen, aber die Verrohung der Sprache in unserem Land, in ganz Europa und auch die eines Herrn Trump lassen es mir logisch erscheinen.

  2. Ja, man muss aufpassen, wie man etwas sagt, weil man damit dann auch wieder andere beeinflusst, was wiederum die ganze Gesellschaft (z.B. negativ) beeinflussen kann.

  3. Diabolus – der Ducheinanderwerfer.

    Gesellschaften definieren sich durch Identitäten und die wird im offiziellen Dummdeutsch gerade abgeschafft, so wie man die den Bürger entmündigt hat und ihn in Watte gepackt alternativlos vom denken ablenkt.

    Ich würd keine Pizza Adolf H. essen, aber ich bin mir sicher, diese weichgespülte Flüchtlingspolitik hat ihre Tücken. Die Frage ist ja nicht: Was machen wir mit den wenigen, die da jetzt kommen oder da sind? Die wirklich spannende Frage ist doch: Was passiert, wenn sich ALL jene, die wir, das koloniale Imperium Westeuropa/Nordamerika, über Jahrhunderte ausplünderten und es immer nich tun, nicht mehr mit ihrem Sklavendasein abfinden und loswandern um sich das Stück des Kuchens zu holen, dass wir ihnen stahlen???

    Der Baumwolln***r verschwindet nicht indem man ihn anders nennt.

  4. In dem Artikel geht es gar nicht um Flüchtlingspolitik. Aber wenn Sie das Thema aufgreifen: ja, es ist kompliziert. Es geht darum, denjenigen, die Hilfe benötigen, Asyl zu gewähren und diejenigen, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen (auch, wenn Armut durchaus etwas Dramatisches sein kann), mit einem anderen Blick zu betrachten – aber so wird es ja derzeit eigentlich auch schon gemacht, wenn ich das richtig sehe.

  5. Nun ja, die Sprache ist die Programmierung der Masse, damit wird die Wahrnehmung erheblich beeinflusst. Pizza Adolf H. würde vermutlich niemand kaufen, zu negativ besetzt der Begriff, der „mündige Bürger“ ist ja auch, wie der Baumwollneger und so vieles mehr verschwunden. Dafür baben wir jetzt ne alternativlose Gesellschaft, die wurde wohl unter Helmut Kohl abgedacht und ist jetzt bei „Kohls Mädchen“ sehr gut strukturiert.

    Aber nun gut, man kann damit bestimmt wochenlange Diskussionen führen, ich will Sie nicht weiter mit dem kruden Inhalt meiner hohlen Birne langweilen.

  6. Sicher hat Sprache Einfluss auf unser Denken und Handeln. Aber in den letzten Jahren scheinen sich zu viele potenzielle Revolutionäre darauf zu konzentrieren, neue Wörter einzuführen und alte auf den Index zu setzen, anstatt direkter an der Verbesserung der Verhältnisse selbst zu arbeiten. Das kann ein böses Erwachen geben, wenn dann andere, z. B. von rechts außen, anfangen, wirklich Hand anzulegen.

  7. Ja, natürlich geht es drum, die Verhältnisse zu verbessern, aber viel davon geschieht im Vorfeld dadurch, wie man über Dinge oder Themen oder Menschen spricht. Vielleicht gibt es hier tatsächlich manch überzogene sprachliche Schöpfungen, aber der grundsätzliche Weg ist wohl nicht verkehrt.

  8. Ich sehe politische Sprachpflege eher als flankierende Maßnahme an. Als solche schon wichtig, hin und wieder auch Ausgangspunkt für neues Denken, aber in der Wirkung nicht vergleichbar mit realen Veränderungen. Ich würde z. B. behaupten, dass eine Angela Merkel als Bundeskanzlerin, einfach weil sie eine Frau ist, mehr für die Gleichstellung der Frau bewirkt hat als sämtliche Binnen-Is und sonstigen Sprachregelungen zur Geschlechtergerechtigkeit.

    Bei der Sprachbewertung behalte ich mir mein eigenes Urteil vor. Pizza Diavolo finde ich komplett unproblematisch, selbst nach sorgfältiger Lektüre des obigen Artikels. Die andere Pizza würde ich nicht bestellen, wahrscheinlich auch überhaupt nichts bei einem Pizzabäcker, der eines seiner Produkte so benennt.

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