629 Flüchtlinge. Wie eine heiße Kartoffel.

Wie eine heiße Kartoffel werden derzeit Menschen herumgereicht, nämlich 629 Flüchtlinge auf dem Schiff Aquarius.

Es wollte zunächst in Italien anlanden, aber der italienische Innenminister, Matteo Salvini, von der fremdenfeindlichen Lega-Partei verweigerte dies, auch Malta ließ sich nicht dazu bewegen. Nun hat Spanien sein Okay gegeben, aber die Fahrt kann noch etwa zwei bis drei Tage dauern und an Bord sind 123 Kinder, zudem mehrere ganz kleine Kinder und einige schwangere Frauen. Ob der Proviant reicht, ist unklar.

Deutschland mahnte an, man solle möglichst schnell eine Lösung finden. Unglaublich toller Tipp. Die Lösung jedoch, selbst Flüchtlinge aufzunehmen, kam Deutschland offenbar nicht in den Sinn. Nachdem Italien ein relativ großes Flüchtlingsproblem hat, welches in Deutschland im Jahr 2015 auch einmal wahrgenommen wurde, zuerst erfreut, dann überfordert und immer stärker fremdenfeindlich gefärbt, ist Deutschland offenbar wieder auf seine hohe ethische Warte hinaufgeklettert, von der aus es ganz gut weiß, was andere doch bitteschön zu tun hätten.

Man mag hoffen, dass die Flüchtlinge dann in ein paar Tagen einigermaßen wohlbehalten und wohl versorgt in Spanien anlanden können und es keine Toten gibt.

Denn entgegen manch landläufiger Meinung sind Flüchtlinge übrigens auch Menschen.

Das vergessen auch manche Deutschen gerne, obwohl sie oder ihre Eltern samt ihren Großeltern selbst einmal im Zweiten Weltkrieg Flüchtlinge waren, und zwar im großen Stil.

Es müsste endlich eine gesamteuropäische Lösung her und eine Flüchtlingspolitik, die länderübergreifend ist. Osteuropäische Länder wie Polen und Ungarn beispielsweise möchten überhaupt keine Flüchtlinge aufnehmen. Deutschland war vor der Flüchtlingskrise 2015 immer froh, dass andere dies übernommen hatten, dann aber sehr erstaunt, als plötzlich so viele ins eigene Land strömten.

Flüchtlinge sind zudem vieles: Menschen, die verzweifelt flüchten, aber auch Menschen, die auf ein besseres Leben hoffen, auch ein wirtschaftlich besseres. Menschen, die sich mit einfachsten Arbeiten erstmal zufriedengeben würden, aber andererseits auch Menschen, die im unteren Lohnsegment die Konkurrenz um Arbeitsplätze erhöhen. Drum ist es auch ein wenig verlogen, wenn Menschen in Deutschland, die eine gute Arbeit haben und nicht in Konkurrenz um einfache und schlecht bezahlte Arbeiten treten würden, aus vollem Hals der Einwanderung zustimmen, mit der sie dann aber überhaupt nichts zu tun haben. Andererseits ist es genauso verlogen, zu behaupten, Deutschland könne keine Flüchtlinge aufnehmen, wo es doch eines der reichsten Länder der Welt ist. Wenn nicht Deutschland das finanziell stemmen könnte, welches Land denn dann?

Die Lösung liegt sicher irgendwo in der Mitte. Nicht jeder kann kommen, aber es ist genauso unverantwortlich, Menschen, die dringend Hilfe brauchen, einfach abzuweisen.

Und wenn dann nicht mehr jedes europäische Land sein eigenes Süppchen kochen würde, sondern ein Gesamtkonzept entstehen könnte, wäre sicher viel gewonnen. Denn ja, es gibt tatsächlich armselige Menschen, die nichts mehr haben und fliehen mussten, denen muss unbedingt geholfen werden. Wie schon gesagt, Flüchtlinge sind nämlich auch Menschen.

tagesschau.de: Spanien will Schiff mit 629 Flüchtlingen einlaufen lassen.
http://www.tagesschau.de/ausland/aquarius-spanien-101.html

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