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Darf ein Bäcker die Anfertigung einer Hochzeitstorte für ein homosexuelles Paar ablehnen?

Darüber wird gerade unter anderem in den USA diskutiert. Ein Bäcker hatte es einem homosexuellen Paar verweigert, für die Hochzeit eine Torte herzustellen, aus religiösen Gründen, wie er sagte.

Eine Bürgerrechtsbewegung schaffte es, rechtlich dagegen vorzugehen, dann schaltete sich aber der Supreme Court ein und gestand dem Bäcker aus religiösen Gründen und in diesem speziellen Fall das Recht jedoch zu. Es sei kein Zugeständnis genereller Art, sondern nur auf diesen einen Fall angewandt.

Wie ist es aber in Deutschland eigentlich? Und wie soll man das Ganze ethisch beurteilen?

In Deutschland gilt das Antidiskriminierungsgesetz. Wer in einen Laden geht, muss dort bedient werden, unabhängig von seiner religiösen, politischen oder sexuellen Ausrichtung. Das ist auch gut so.

Etwas anders verhält es sich, zumindest meines Wissens nach, wenn man in einen Laden geht und dort einen speziellen Auftrag erteilt. Denn dann muss beispielsweise der Bäcker diesen Auftrag ja erstmal annehmen, genausogut hat er aber auch das Recht, ihn nicht anzunehmen. Den Auftrag, eine Hochzeitstorte zu backen, könnte er aus verschiedenen Gründen ablehnen, z.b., weil er überlastet ist, weil er sich entschieden hat, keine Hochzeitstorten mehr herzustellen, oder auch grundlos. Problematisch wird es allerdings, wenn ein Bäcker den einen Auftrag annimmt, den anderen aber aus vermeintlich religiösen Gründen ablehnt. Denn das könnte man zurecht als diskriminierend verstehen.

Trotzdem ist die Sachlage nicht ganz konsequent.

Denn Hotels dürfen beispielsweise Rechtsradikalen durchaus den Aufenthalt verweigern und ihre Buchung ablehnen, obwohl man ja hier argumentieren könnte, dass die Buchung nicht wie beim Bäcker einen speziellen Auftrag darstellt, sondern dass ein Hotel so zu sehen ist, wie ein Supermarkt, in den jeder hineingehen darf und zu Recht verlangen kann, gleich behandelt und gleich bedient zu werden. Die Begründung für die juristisch rechtmäßige Ablehnung des Aufenthalts eines Rechtsradikalen im Hotel in diesem verlinkten Fall ist, dass es für besagtes Hotel einen wirtschaftlichen Schaden aufgrund der Rufschädigung bedeuten könnte, wenn ein Rechtsradikaler dort zu Gast sei, auch, wenn er sich völlig unauffällig verhalten würde.

Das widerspricht aber eigentlich dem Grundsatz der Gleichbehandlung. Man kann das ethisch zwar durchaus richtig finden, dass man eine klare Absage an Rechtsradikalismus formuliert, auch in der Art, dass ein Hotel Rechtsradikalen kein Zimmer gibt, aber dennoch widerspricht es der Gleichbehandlung aller Menschen.

In München wurde vor einiger Zeit einem Wirt der Pachtvertrag gekündigt, in dessen Wirtschaft sich ein Pegida-Stammtisch getroffen hatte. Auch dies kann man prinzipiell und ethisch durchaus für richtig halten, dafür gibt es nämlich durchaus gute Gründe, aber eine Gleichbehandlung ist das nicht. Denn der Wirt hatte dieser politischen Gruppierung, welche man ja zurecht kritisch sehen kann aufgrund immer wieder hervorleuchtender rassistischer und antidemokratischer Tendenzen, unabhängig von religiöser, sexueller und politischer Ausrichtung völlig korrekt einen Tisch gewährt.

Aber konsequenterweise müsste man es vom ethischen Standpunkt aus dann so sehen, dass entweder auch ein Bäcker das Recht haben dürfte, einen Auftrag aus persönlichen (religiösen / ethischen) Gründen abzulehnen, ebenso ein Verpächter und ein Hotel. Oder niemand dürfte das Recht dazu haben, weil man alle Menschen gleich behandeln muss, wie es ja eigentlich im Grundgesetz und im Antidiskriminierungsgesetz verankert ist.

Lösen wir uns mal von dem Homosexuellen-Fall, der den Eingang zu diesem Artikel bildet und lösen wir uns genauso von dem politischen Fall, der den Rechtsradikalismus betrifft. Konstruieren wir mal einen noch übertriebeneren Fall:

Hitlervergleiche hinken immer, aber bemühen wir ihn dennoch einmal. Man stelle sich vor, zu einem Bäcker käme beispielsweise Adolf Hitler, vielleicht auch Stalin, oder Milosevic oder Karadzic, alles Leute, denen massive Kriegsverbrechen zur Last gelegt werden.

Der Bäcker stünde nun vor der Frage, ob er für diese Leute eine Torte backen müsste, im Sinne der Gleichbehandlung, oder ob er sagen dürfte, er lehne diesen Auftrag ab, und zwar mit der Begründung, dass für ihn ethische Gründe dagegen sprechen. Dürfte er das?

Rein rechtlich gesehen nicht. Er müsste darauf vertrauen, dass diese Personen von der Polizei und Justiz für ihre Taten verantwortlich gemacht werden würden. Ethisch gesehen wäre er aber in einer Dilemmasituation. Denn einerseits würde eher vielleicht der Gleichbehandlung jedes Menschen durchaus zustimmen, andererseits hielte er es für falsch, jemanden, der für den Tod von tausenden oder sogar Millionen von Menschen verantwortlich ist, zu bedienen. Er könnte sich zwar auf irgendeine Pseudobegründung herausreden, er habe einfach keine Zeit, eine Torte herzustellen. Vielleicht würde er aber betonen wollen, dass er aus ethischen Gründen diesen Auftrag nicht annehmen wollte.

Rechtlich sauber wäre seine Begründung für die Ablehnung des Auftrags dann nicht. Dennoch würden ihm sicherlich viele Menschen zustimmen, wenn er aus ethischen Gründen einen solchen Auftrag ablehnen würde.

Kehren wir zu dem eingangs erwähnten Fall zurück. Heute ist es lächerlich, von jemandem, nur weil er beispielsweise homosexuell ist, transsexuell, heterosexuell oder was auch immer, einen Auftrag abzulehnen. Das dürfte mittlerweile der Großteil der Gesellschaft hoffentlich so sehen, zumindest in Deutschland.

Aber an dem zuletzt konstruierten Fall kann man nachvollziehen, dass es für gewisse Menschen durchaus extrem schwierig sein kann, den gesetzlichen Vorschriften zu folgen, wenn sie doch andererseits ganz andere ethische Grundlagen für ihre persönliche Bewertung einer Situation zugrunde legen. Wenn jemand meint, die Bibel verbiete es angeblich, homosexuell zu sein, nur weil das im Alten Testament an einigen Stellen vielleicht so aufleuchtet, dann mag diese Einstellung für ihn genauso real sein, wie für jemanden, der beispielsweise einen Kriegsverbrecher nicht bedienen möchte.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Kriegsverbrecher und Homosexualität kann man in keinster Weise vergleichen. Niemand sucht sich bewusst seine sexuelle Ausrichtung aus, genauso wenig wie seine Hautfarbe, seine Größe, seine Augenfarbe und so weiter. Ob jemand aber zum Kriegsverbrecher wird, bestimmt er in der Regel doch ziemlich stark selbst mit. Ich konstruiere diesen Fall nur, um deutlich zu machen, dass hier für manche Menschen ein ernsthaftes Problem bestehen kann, je nachdem, welches Weltbild sie haben.

Fazit. Rein rechtlich gesehen muss man jeden Menschen, zumindest in Deutschland, gleich behandeln, unabhängig von seiner religiösen, politischen und sexuellen Ausrichtung. Das ist auch richtig so. In der Realität kann das einige Menschen aber durchaus an ihre persönlichen Grenzen führen.

Ich persönlich würde als Bäcker wohl jedem homosexuellen Paar selbstverständlich eine Torte backen, zumal ich ein paar Menschen kenne, die homosexuell sind und die ich sehr mag und schätze. Völlig egal, welche sexuelle Ausrichtung sie haben (sofern sie niemandem damit schaden, also Erwachsene mit Erwachsenen einvernehmlich Umgang haben.) Sie sind Menschen.

Käme jedoch ein Hitler in meine Bäckerei (der übrigens auch ein Mensch war), täte ich mich mit der politischen Korrektheit doch sehr schwer. Zwar müsste ich ihn ja eigentlich, rein rechtlich gesehen, gleich behandeln, könnte aber im Grunde kaum oder gar nicht über seine Verbrechen hinwegsehen. Ich müsste mich wohl, rein rechtlich gesehen, auch auf eine Pseudobegründung zurückziehen, dass sein Besuch in meiner Bäckerei meinen Ruf schädigen könnte und auf diesem Wege versuchen, künftige Besuche zu unterbinden. Wie bei dem Hotel. Und wie bei dem Wirt.

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