Lebt denn der junge Babchenko noch

Lebt denn der junge Babchenko noch, Babchenko noch, Babchenko noch.

Vor einigen Tagen hörte man aus der Ukraine, der ukrainische Journalist Babchenko sei ermordet worden. Da Journalisten gewissermaßen auch die Wächter des Staates sind und es mit dem Staat nicht mehr allzu gut steht, wenn zu viele von ihnen ermordet werden, war die Solidarität und Empörung groß. Unter Politikern und Journalisten.

Am nächsten Tag, genauer gesagt etwa 20 Stunden später, dann die Entwarnung. Babchenko sollte tatsächlich umgebracht werden, und zwar von russischer Seite aus, was in der Tat nicht der erste Auftragsmord von dieser Seite aus an einem ukrainischen Journalisten gewesen wäre. Der ukrainische Geheimdienst, so heißt es, hatte den Mord fingiert vorgezogen und vorgetäuscht, um dadurch an die Hintermänner eines Komplotts zu kommen, die es tatsächlich auf Babchenko und weitere abgesehen hatten.

Doch nun sind einige Journalisten international verschnupft. Und zwar deswegen, weil sie Wächter des Staates sind und sich nicht informiert hatten, sondern einfach abgeschrieben, was so durch die Medien geisterte. Sie hatten ihre originäre Arbeit eben nicht gemacht, nicht recherchiert, sondern wollten möglichst schnell die Nachrichten mit Überschriften füllen. Es stört sie nun, dass sie ihrer Recherchepflicht nicht nachgekommen sind, wenngleich, wären sie ehrlich zu sich selbst, sich der Ärger und ihre Konsterniertheit eigentlich gegen sie selber richten sollte.

Auch einige westliche Politiker reagierten etwas pikiert, da habe man sich doch gleich solidarisiert und dann sei es doch ganz anders gewesen. Auch diese Politiker sollten ihre Vorwürfe einmal an die voreiligen Journalisten richten.

Allerdings war die Sache vom Kern her wohl nicht wesentlich anders, wenn man dem ukrainischen Geheimdienst glaubt, denn in der Tat sollte Babchenko ermordet werden. Der Geheimdienst wählte allerdings einen Weg, um dies zu verhindern und um weitere politisch motivierte Morde, vermutlich von russischer Seite aus, in diesem Zusammenhang zu unterbinden.

Wären die konsternierten Politiker und Journalisten denn eigentlich besserer Laune, wenn Babchenko tatsächlich ermordet worden wäre?

Man darf davon ausgehen, dass eine derartige Inszenierung eines Mordes und die relativ schnell darauffolgende Aufklärung wohl beide nicht stattgefunden hätten, wenn man tatsächlich etwas hätte verschleiern wollen.

Vielmehr ging es sicherlich tatsächlich darum, den Mord an einem Journalisten zu verhindern und auch weitere Morde an weiteren Wächtern des Staates, an weiteren Journalisten, möglicherweise auch an Politikern. Der ukrainische Geheimdienst gelangte durch seine Finte nämlich an eine Liste mit 47 Namen von möglichen Attentatsopfern, ein Drittel davon offenbar Journalisten, der Rest andere, darunter auch viele, die häufig auf Facebook schreiben und kommentieren..

Zwar kann man nun als westlicher Journalist durchaus etwas pikiert sein, sollte aber vielleicht einfach auch mal darüber nachdenken, ob nicht die Mittel den guten Zweck heiligen. Und ob man nicht künftig seinen ureigenen Pflichten als Journalist besser nachkommen und seriös recherchieren sollte, bevor man irgendwelche Überschriften und wertende, uninformierte Kommentare im Akkord produziert, anstatt einfach konsterniert zu sein, weil man selbst unreflektiert aus der Presse abgeschrieben hat. Denn Recherche ist doch das Metier und die Hauptaufgabe eines jeden guten Journalisten. Auf diese Tugenden sollte sich ein jeder dieser pikieren Journalisten nun besinnen und gerne auch in dieser Sache weiter recherchieren. Denn bezahlt werden sie doch nicht fürs Schmollen, sondern fürs Recherchieren.

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