Weshalb wir Pfingsten feiern

Am Wochenende werden viele Menschen in die Pfingstferien fahren, manchen übers Wochenende, manche ein oder zwei Wochen. Wenige wissen aber, warum sie eigentlich Pfingstferien haben.

Pfingsten ist ein christliches Fest. Bei Weihnachten ist das Ganze den meisten Menschen ja noch relativ einleuchtend. Jesus wird geboren, in dem und in dessen Leben und dessen Taten und dessen Worten sich Gott zeigt, wahrer Mensch und wahrer Gott, wie es in der frühen Kirche dogmatisch verankert wurde.

Ostern ist im Grunde auch klar. Jesus wird von den Römern gekreuzigt, bleibt aber nicht im Tode. Wie man die Auferstehung verstehen kann, findet man in mehreren Artikeln hier auf der theolounge.

Aber Pfingsten? Was soll denn das?

Pfingsten ist im Grunde das Fest, an dem die Kirche entsteht. Die Jünger haben die überwältigende Erfahrung gemacht, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist und haben die Hoffnung, ebenfalls mit hinein in diese Bewegung genommen zu werden, wenn sie einst sterben werden. Seit Ostersonntag besteht die Hoffnung, dass es nach dem Tod weitergeht.

Aber immer noch sind die römischen Imperialisten im Lande und haben den geistlichen Anführer der Jünger grausam gefoltert und ermordet. Da kann einem schon der Mut im Halse stecken bleiben und das Herz in die Hose rutschen.

Am Pfingstsonntag trafen sich die Jünger, die man fortan als Apostel bezeichnet, und waren ja eigentlich eingeschüchtert von den repressiven Umständen. Plötzlich werden sie von einer gewaltigen Kraft erfasst, eine Dynamis, die sie als Wirken und tatsächliche Nähe Gottes interpretieren und wahrnehmen. Oft wird das Ganze so dargestellt, als würden sich Flammen aus Feuer auf sie setzen. Diese Metapher meint wahrscheinlich, dass die Apostel Feuer und Flamme für die Sache Jesu werden, und tatsächlich reißt diese wirkmächtige Kraft sie derartig mit, dass sie beginnen, zu predigen, und zwar vermutlich über das, was sie mit Jesus erlebt haben. Sie sind dermaßen begeistert und erfüllt von ihrem Erlebnis, dass auch andere Menschen in Jerusalem dies mitbekommen, sowohl gottesfürchtige Juden, als aber auch Angehörige aller möglichen Völker.

Und trotz verschiedener Sprachen klappt die Verständigung. Dies wird dann so ausgedrückt, dass jeder die Apostel in seiner eigenen Sprache reden hört. Möglicherweise auch eine Metapher, die dann aber zeigen soll, dass die Kommunikation auf einmal in völlig ungewohnter Weise gelingt. Weil die Apostel derart überzeugt mit allen möglichen Menschen reden, gibt es natürlich auch einige, die spotten, da sei doch Alkohol mit im Spiel. Aber das ist wohl nicht der Punkt, sonst wäre es wohl gar nicht in der Apostelgeschichte erwähnt worden, falls dies als Grund für die Euphorie tatsächlich in Erwägung gezogen werden würde.

Mit Pfingsten beginnt also die Entstehung der Kirche.

Pfingsten ist gewissermaßen auch die Gegengeschichte zu der alttestamentlichen Erzählung vom Turmbau zu Babel.

Dort erheben sich Menschen über ihre Möglichkeiten, indem sie einen Turm bauen, der Gott Konkurrenz machen soll, eine Geschichte der menschlichen Hybris. Daraufhin zerstreut Gott die Menschen in alle Welt, indem er ihnen verschiedene Sprachen gibt. Keiner versteht sich mehr. Dies kann ebenfalls symbolisch gemeint sein, die Kommunikation ist gestört, da bräuchte man noch nicht einmal verschiedene Sprachen zu sprechen.

Mit Pfingsten wird dies nun aufgehoben. Die Verschiedenheiten aller beteiligten Menschen werden nivelliert durch die Kraft des Geistes Gottes, der in jedem am Wirken ist.

Auch heute wünschte man sich öfters dieses Wirken. Bei den Konflikten im Nahen Osten, bei den Konflikten zwischen Europa und Russland und China und den USA. Und bei dem kleineren und größeren Konflikten in der Familie, der Partnerschaft, der Ehe, der Beziehung, der Freundschaft.

Dabei wäre es nach christlicher Lesart ganz einfach, eigentlich. Man muss Jesus in sein Leben hinein lassen und dann beginnt die Wirkung. Das kann man mit einem einfachen Gebet anfangen lassen: Jesus/Gott, wenn es dich gibt, komm bitte in mein Leben und forme es in guter Weise nach deinem Willen zu einem Leben, das in deinem Sinne ein gutes Leben ist. Amen.

Zu so einem Gebet gehört natürlich schon etwas Mut, weil man sich auf etwas einlässt, was man noch nicht kennt. Und man muss es ernsthaft beten, dann wird es aber wirken. Ab da beginnt Gott, in Ihrem Leben wirksam zu werden. Wenn Sie es wollen. Gegen Ihren Willen tut er es nicht. Und nach und nach dürfte sich Ihre persönliche Lebenswelt verändern in eine Richtung, die gut ist, gut im Sinne Gottes, gut für Sie und gut für Ihre Mitmenschen.

Das Pfingstereignis findet man übrigens im Neuen Testament, in der Apostelgeschichte, Kapitel 2.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sarah sagt:

    immer wieder schöne Geschichten….
    L.G. Sarah

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