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Das Heilige Land

Heute knallte es gewaltig im sogenannten Heiligen Land. Einerseits wurde die US Botschaft am 70. jahrestag der Gründung des Staates Israel in Jerusalem eingeweiht, andererseits protestierten viele Palästinenser dagegen, weil sie einen eigenen Staat ersehnen, der, wie sie glauben, dadurch in noch weitere Ferne gerückt ist.

Schuld am Terror dort unten und an den mindestens 41 Toten ist jedoch nicht Donald Trump, auch, wenn sein Umzug der US-Botschaft hinterfragt werden kann, sondern radikale Kräfte, die Menschen aufhetzen. Denn wenn beispielsweise in Deutschland jemand beschließt, an öffentlichen Orten Kreuze aufzuhängen, kann man dafür sein oder dagegen, aber Tote gibt es selbstverständlich nicht. Denn hierzulande diskutiert man mit Worten, nicht mit Taten. Glücklicherweise.

Realpolitik ist es, den eigenen Staat zu verteidigen, in dem Fall Israel. Auch Europa diskutiert über die Verteidigung seiner Grenzen. Das ist das legitime Recht jedes Staates. Denn wenn ein Staat seine Grenzen nicht halten kann, hört er auf, Staat zu sein. Dennoch wäre es in Deutschland beispielsweise ein gewaltiges politisches Drama, wenn jemand an der Grenze ums Leben käme. Hier wäre das Thema der Verhältnismäßigkeit extrem im Mittelpunkt.

Dennoch gibt es seit Jahren und eigentlich Jahrzehnten keine Lösung in der Region, die einen tragfähigen Frieden garantieren könnte. Zu verfahren ist die Situation, zu viel Leid und zu viele Tote gab es schon, zu groß ist offenbar bei vielen Menschen die Verzweiflung, die sich leicht zu Hass anstacheln lässt.

Man bezeichnet den Landstrich dort unten, der gar nicht mal sonderlich groß ist, als das sogenannte Heilige Land. Zum einen befindet sich dort das Land, das nach den jüdischen Schriften dem Volk Israel verheißen war. König David eroberte um ca. 1000 v.Chr. Jerusalem und machte es zur Hauptstadt der beiden Reiche Israel und Juda. Zum anderen zog dort Jesus predigend umher, in dem sich nach christlicher Sicht Gott höchstpersönlich zeigte. Und zum Dritten leben dort mittlerweile auch viele Moslems, die Heiligtümer in Jerusalem haben, die Al-Aqsa-Moschee und den Felsendom, wobei dort ebenfalls die jüdische Klagemauer steht und die christliche Grabeskirche. Gerade in Jerusalem ist die Verdichtung der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam besonders hoch.

Wenn man nun einen gangbaren Weg wüsste, wie in der Region Frieden geschaffen werden könnte, hätte man vermutlich den Friedensnobelpreis verdient.

Was man allerdings sagen kann, ist, dass der Begriff „Heiliges Land“ der aktuellen Lage nicht sonderlich angemessen ist. Denn heilig meint „einer Sphäre des Göttlichen, Vollkommenen oder Absoluten angehörig“. Zumindest aus christlicher Sicht, aber so, wie ich es überblicke, wohl auch aus jüdischer und muslimischer Sicht, steht Gott eigentlich für das Leben und für den Frieden. Insofern kann man die Region dort unten wohl kaum als heiliges Land bezeichnen. Zumindest nicht gegenwärtig. Wenn jemand den Landstrich dort unten so nennt, ist dies wohl höchstens als Zukunftshoffnung gemeint.

So richtig heilig war das Land dort unten wohl auch zu Zeiten Jesu nicht, als die Römer als Besatzer im Land waren und Jesus, also gewissermaßen Gott höchstpersönlich, ans Kreuz nagelten. Dieser ließ es geschehen, floh auch nicht, als er noch Zeit hatte, sondern setzte der damaligen Gewalt einen radikalen Pazifismus entgegen. Kurzfristig änderte dies nichts, doch langfristig entstand die größte Weltreligion, das Christentum. Die pazifistische Softpower des Christentums entfaltete und entfaltet jedoch immer wieder ihre Kraft und ihre Wirkung, auch, wenn der Pazifismus zunächst so kraftlos wirken mag. Aber das ist er nicht. Die innere Kraft, auf Gewalt nicht mit Gegengewalt zu reagieren, ist eine sehr starke Kraft, die alles verändern kann.

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