Ein kurzer Vergleich von Islam und Christentum

Gerade in Zeiten, in denen z.b. auch politisch versucht wird, durch Aufhängen des Kreuzes an öffentlichen Orten eine kulturelle und religiöse Identität zu bekräftigen, lohnt es sich, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Religionen einmal anzusehen.

Die jeweilige Heilige Schrift.

Mohammed saß auf einem Berg und der Erzengel Gabriel kam zu ihm mit der Auffassung, er solle lesen, was der Erzengel ihm vorlegte. Lies! Da Mohammed aber nicht lesen konnte, las er zunächst nicht, woraufhin der Engel ihn gewürgt haben soll, was sich dann ein paar Mal im Kreis wiederholte. Irgendwann las Mohammed dann doch und es war ihm, als seien ihm die Worte, die der Erzengel im vermittelte, ins Herz geschrieben. Diese Worte, die er also dann auswendig gelernt hat, gab er später an seine Zuhörer weiter und jemand von ihnen schrieb sie dann auf, wortwörtlich. Und auf Arabisch.

Nach muslimischer Sicht und in Anlehnung an diese Entstehungsgeschichte ist der Koran, die Heilige Schrift des Islams, auf diese Weise entstanden und sei im Grunde eine wörtliche Abschrift des bereits im Himmel vorhandenen Korans gewesen.

Anders in der Bibel.

Mose, der in der Wüste unterwegs ist, kommt an einen Dornbusch, der brennt, seltsamerweise aber nicht verbrennt. Er vernimmt eine Stimme und Gott stellt sich dar, höchstpersönlich. Er hat auch einen Auftrag für Mose, dieser solle nämlich zum Pharao gehen und die Freilassung seines Volkes aus der Sklaverei verlangen.

Der Unterschied zwischen beiden Entstehungsgeschichten ist zum einen, dass Gott sich einmal höchstpersönlich zeigt, in der anderen Erzählung nur indirekt über den Erzengel Gabriel. Und in der einen Erzählung wird der Überbringer der göttlichen Botschaft gewissermaßen dazu genötigt, zu lesen, wohingegen Mose freiwillig zu dem Busch hintritt und dort seine Weisung erhält. Mose hätte die Möglichkeit, auch wegzugehen und sich dem Auftrag zu verweigern, bei Mohammed ist das vermutlich nicht der Fall.

Auch das Schriftverständnis ist ein anderes. Die fünf Bücher Mose schließlich sind nicht wortwörtlich zu verstehen, sondern werden von Menschen aufgeschrieben, um die Entstehungsgeschichte des Volkes Israel, seine Gesetze und seine Bezüge zu Gott literarisch festzuhalten. Im Islam ist die Vorstellung die, das Gott wortwörtlich mitteilt, was sein Wille sei. Anders eben in der Bibel, welche von unterschiedlichen Menschen geschrieben wurde und aus Sicht von Menschen Erlebnisse und Reflexionen mit und über Gott darstellt.

Das Glaubensbekenntnis.

Beide Religionen, das Christentum, mit seinem Ursprung im Judentum, und der Islam bekennen sich zu einem radikalen Monotheismus. Man solle keinen Gott haben außer Gott. Hier im Grunde eine Gemeinsamkeit. Nur die Mittler werden unterschiedlich gesehen. Jesus gilt im Islam als Prophet, Mohammed jedoch als der letzte Prophet in der Reihenfolge. Im Christentum jedoch wird Jesus als derjenige gesehen, in dem sich Gott höchstpersönlich zeigt, so wie er sich schon dem Mose gegenüber zeigt.

Pilgern.

Ein frommer Moslem soll einmal im Leben eine Hadsch (Hajj) gemacht haben, also eine Pilgerfahrt nach Mekka in Saudi-Arabien. Im Christentum ist dergleichen nicht vorgeschrieben, wenngleich einige fromme Katholiken des öfteren nach Altötting pilgern. Oder nach Lourdes in Frankreich beispielsweise.

Almosen für die Armen.

Im Islam ist eine Pflichtabgabe für Arme und Bedürftige vorgeschrieben, die man Zakat nennt. Dabei ist der Gedanke, dass die Zakat ein Geld ist, das einem nicht selber gehört, sondern das man nur aufbewahrt, um es denjenigen zu geben, die es benötigen. Auch im Christentum gibt es die Vorstellung, dass man sich um Arme kümmern soll, Jesus legt hierfür die Grundlage in seinem Gleichnis vom barmherzigen Samariter und auch in seinem Verständnis von Nächstenliebe und sogar Feindesliebe.

Das Gebet.

Ein frommer Moslem soll 5 mal am Tag beten, auch, wenn vielleicht nicht jeder Moslem das tatsächlich immer so einhält. Im Christentum wird Gebet auch als wichtig angesehen, verpflichtend zu bestimmten Uhrzeiten ist es aber nicht. Jesus gibt seinen Jüngern das Vater Unser als exemplarisches Gebet mit auf den Weg, aber auch den Gedanken, dass man nicht irgendwelche Worte nur herunterbeten solle, sondern Gott um das bitten, was gerade Thema im eigenen Leben ist. Im Islam gibt es offenbar viele standardisierten Gebete, allerdings ist auch immer Raum für freies und eigenes Gebet.

Fasten.

Im Islam gibt es im Monat Ramadan, der durch das Jahr hindurchwandert, weil im Islam ein Mondkalender gilt, das Fastengebot tagsüber. Es gibt Ausnahmen beispielsweise für kranke und alte Leute und für weitere. Das Fasten wird von einigen Moslems auch so interpretiert, dass man sich in Menschen hineinversetzen können soll, die eben nichts zu essen und zu trinken haben. Zudem ist es eine Zeit, in der man tagsüber nicht durch Essen und Trinken abgelenkt wird, sondern dadurch fokussierter auf das Wesentliche ist, auf Gott. Und wohl auch auf die Mitmenschen.

Auch im Christentum gibt es eine Fastenzeit, nämlich nach Karneval bis zum Ostersonntag. Der Gedanke der Enthaltsamkeit hat seine Grundlage darin, dass es bis Karfreitag erst einmal auf die Leidensgeschichte Jesu Christi zugeht, also auf eine Zeit, die natürlich nicht von Feiern geprägt ist und in der man auch nachvollziehen können soll, wie Zeiten des Leidens sich anfühlen.

Es gibt also durchaus einige Gemeinsamkeiten zwischen beiden Religionen. Der Islam erscheint mir als stärker an Regeln orientiert, das Christentum ist in dieser Hinsicht freier. Auch das Offenbarungsverständnis ist ein anderes. Während Gott sich den Menschen in den Berichten der Bibel persönlich zeigt, macht er nach muslimischem Verständnis einen Umweg über den Propheten Mohammed.

Die Gründungsfiguren.

Mohammed war nach und nach einerseits ein religiöser Anführer, aber auch ein politischer und einer, der auch ein Heer befehligte.

Jesus war zunächst der Sohn eines Zimmermanns und betätigte sich rein pazifistisch, mit der einen Ausnahme der Tempelreinigung, wo er die Händler und Geldwechsler aus dem Vorhof des Tempels hinauswarf mit der Begründung, sie hätten aus dem Hause Gottes eine Räuberhöhle gemacht. Er war ein religiöser Anführer, seine Gedanken hatten jedoch sicherlich auch politische Auswirkungen. Dadurch nämlich, dass er sich auch an die Kranken und Ausgestoßenen wandte, die keinen Zugang zum jüdischen Tempel hatten, entzog er dem Tempelkult nach und nach die religiöse Autorität. Und er mobilisierte Massen, was der Besatzungsmacht, den Römern, auch nicht gefiel und bei ihnen die Sorge eines Aufstands entstehen ließ, so dass sie ihn schließlich kreuzigten.

Das religiöse Gesetz.

Im Islam gilt, zumindest in einigen Auslegungen und einigen Ländern, die Scharia, das Religionsgesetz des Islam, teilweise mit drakonischen Strafen. Im Alten Testament, in der Tora findet man im mosaischen Gesetz ebenfalls mitunter drakonische Strafen, bis hin zu Steinigung.

Als eine Ehebrecherin nach dem mosaischen Gesetz eigentlich rechtmäßig gesteinigt werden sollte, verhindert Jesus dies, indem er in Anwendung von Situationsethik denjenigen, die sie steinigen wollen, die Frage stellt, wer denn von ihnen ohne Sünde sei. Derjenige, der ohne Sünde sei, solle den ersten Stein werfen. Das bewirkt, dass alle Ankläger betreten weggehen, da es kein Mensch schaffen kann, ein sündenfreies Leben zu führen.

Jesus gibt an anderer Stelle an, dass er nicht das mosaische Gesetz ersetzt, sondern es völlig neu auslegt. Das, was früher galt, gilt mit seinem Erscheinen nicht mehr. Fortan gilt das Doppelgebot der Liebe: liebe Gott und den Nächsten, wie dich selbst. Ergänzt um das Gebot der Feindesliebe.

Ob es hierzu ein Pendant auch im Islam gibt, kann ich nicht sagen, da ich kein Islamexperte bin. Möglicherweise werden auch einige Suren dahingehend ausgelegt. Ansonsten treten sicherlich die weltlichen Gesetze vieler zumeist westlich orientierter Länder an die Stelle einer neuen Auslegung des muslimischen Religionsgesetzes, weil die Gesetze der jeweiligen Länder im weltlichen Bereich die Deutungshoheit für sich beanspruchen.

Fazit.

Es ist einerseits sicher sinnvoll, diese Unterschiede wahrzunehmen. Zum anderen ist es aber gerade in unseren Zeiten, in denen einige Menschen versuchen, Spaltung zwischen Menschen und Gesellschaften zu forcieren, sinnvoll, sich auf Gemeinsamkeiten zu fokussieren und diese hervorzuheben.

Denn letztlich sind wir alle Menschen und sowohl nach muslimischer wie auch christlicher Vorstellung verdanken diese Menschen Gott, wie auch immer man ihn nennt, ihr Leben und ihre Existenz.

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