Wie bitte soll man die Himmelfahrt Jesu verstehen?

Einige Menschen haben schon Probleme damit, selbst, wenn sie gläubig sind, wie das mit der Auferstehung vor sich gegangen sein soll. Aber damit nicht genug, die Himmelfahrt bringt dann fast noch größere Probleme mit sich.

Kann man das alles denn überhaupt glauben?

Fangen wir mal mit der Auferstehung an. Im Johannesevangelium, Kapitel 20, wird z.b. berichtet, dass Maria Magdalena früh morgens zum Grab Jesu kommt, dort aber den Stein, der vor dem Grab war, zu Seite gewälzt vorfindet und das Grab leer. Sie fragt einen Mann, der außerhalb des Grabes ist, wo denn Jesus sei, wobei sie diesen Mann für den Gärtner hält.

Dieser Mann antwortet ihr, Maria! Da fällt es ihr wie Schuppen von den Augen und sie antwortet, Rabbuni! Sie erkennt plötzlich, dass es sich um Jesus handelt, der da mit ihr spricht. Und sie erkennt also, dass er nicht im Tode geblieben ist. Jesus sagt jedoch zu ihr, sie solle ihn nicht festhalten, denn er sei noch nicht zum Vater, also zu Gott, hinaufgegangen.

Nach diesem Ereignis der Auferstehung war Jesus 40 Tage lang bei seinen Jüngern, bevor er zu Gott hinauffuhr.

Bei den 40 Tagen handelt es sich wahrscheinlich um eine symbolische Zahl, da auch beispielsweise der Stamm Israel 40 Jahre in der Wüste unterwegs war. 40 bedeutet so viel wie: sehr lange.

Bei der Himmelfahrt Christi geschieht dann Folgendes: Jesus wurde „vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen“ (Apg 1,11). Einige Leute wurden also Zeuge dieses nahezu unglaublichen Ereignisses.

Wenn man sich nun also schon die Auferstehung Jesu schwer vorstellen kann, wird es mit der Himmelfahrt nicht besser.

Wie ist das Ganze aber dann überhaupt gemeint?

Vielleicht tatsächlich annähernd wörtlich und eins zu eins, ganz genau so, wie es berichtet wird, aber wie schon gesagt gäbe es dann für viele Menschen heutzutage ernstzunehmende Probleme, diese Schilderungen, auch als gläubige Menschen, einfach so glauben zu können.

Der evangelische Theologe Paul Tillich hatte eine andere Sicht. Sie kann denjenigen helfen, die mit dieser plastischen Schilderung oben Problem haben.

Dazu vorweg eine kurze Geschichte, die sich so tatsächlich vor einigen Jahren hier in München ereignet hatte.

Eine junge Frau überquert die Straße und weil sie eine Kapuze auf hat, sieht sie den schnell heranfahrenden Bus von rechts nicht kommen. Das Drama spitzt sich zu, in wenigen Sekunden könnte sie vom Bus erfasst werden und wäre wahrscheinlich tot. Aus unerklärlichen Gründen schaut sie innerhalb der letzten Sekunden plötzlich doch nach rechts, sieht den Bus gerade noch in letzter Sekunde, stoppt, und der Bus fährt etwa 30 cm vor ihrer Nase vorbei. Alles gerade noch einmal gut gegangen. Äußerst knapp, aber überlebt.

Ein Historiker würde diese Begebenheit so aufschreiben, wie eben berichtet.

Da die Frau aber nicht nur ein rational denkender Historiker ist, sondern offen für transzendente Deutungen der Welt und des eigenen Lebens, erkennt sie darin eine Bewahrung durch die höchste Macht, die hinter allem steht und die sie Gott nennt.

Sie erzählt anderen davon und einer von diesen Zuhörern schreibt die Geschichte später auf. Jedoch interpretiert er sie theologisch und transzendent und sie lautet dann wie folgt.

Eine junge Frau mit Kapuze geht über die Straße, weiß aber noch nicht, dass gleich ein Bus kommen wird, der ihren Tod bedeuten könnte. Auf der anderen Straßenseite hat Gott einen Engel positioniert, den er extra geschickt hat, um die Frau zu bewahren. Dieser Engel winkt ihr zu und fuchtelt in der Luft herum und deutet auf den herannahenden Bus, jedoch die Frau nimmt es nicht wahr. Der Engel rennt ihr entgegen und ruft ihr zu, Achtung, pass auf, Vorsicht! Doch die Frau merkt immer noch nichts. Da tippt der Engel ihr Rechts an die Schulter, sie dreht sich zur Seite, gerade noch rechtzeitig, und ist gerettet.

Na, ist das immer noch die gleiche Geschichte wie oben? Was würden Sie meinen?

Nein und ja.

Historisch gesehen wurde die Geschichte um eine transzendente Deutungsebene erweitert. Aber sie spiegelt genau das wieder, was die Frau ihrer Sicht nach erfahren hat. Die Bewahrung durch eine höhere Macht. Und diese Bewahrung war für sie nicht einfach ein Hirngespinst, sondern durchaus real. Die Geschichte hat also nur illustriert, was passiert ist, aber auf eine Art illustriert, dass andere Menschen sie besser verstehen können.

Und hier sind wir wieder bei Paul Tillich. Eine seiner zentralen Aussagen ist die folgende.

Glauben heißt nicht das Fürwahrhalten von Geschichten, sondern Glaube ist die Annahme von Symbolen.

Will heißen, nicht die Geschichte muss so eins-zu-eins passiert sein, aber das, was sie ausdrücken will, ist real. Die Geschichte bildet diese Realität so ab, dass andere Menschen verstehen können, was da passiert ist. Die Geschichte ist ein Symbol für die tiefere, transzendente und hinter unserer sichtbaren Welt stehende Realität.

Übertragen auf die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi kann man das so verstehen, dass der Kern von beiden Berichten ein wahrer Kern ist. Jesus blieb nicht im Tod und deswegen dürfen auch wir Menschen die Hoffnung haben, nach dem Tod weiter leben zu dürfen.

Der andere Kern ist der folgende, Jesus war nicht irgendwie ein Zufall und nicht einfach nur ein Mensch, sondern in Jesus hat sich die größte Macht des Universums, die hinter allem steht, Gott höchstpersönlich, gezeigt. Und diese Macht war eine Zeit lang für die Menschen ganz deutlich wahrnehmbar, einerseits zu Jesu Lebzeiten, andererseits nach seinem Tod und nach seiner Auferstehung dann noch einmal 40 Tage lang, bevor diese Wahrnehmung für die Menschen wieder verblasste und diese höchste Macht, Gott, wieder zurück in die Transzendenz entwich.

Es liegt nun also an Ihnen, wie und auf welche Weise Sie glauben können und möchten. Aber dieses Verständnis von Paul Tillich kann sicherlich sehr hilfreich sein, macht es doch deutlich, dass die Berichte über Jesu auf jeden Fall etwas Reales ausdrücken möchten.

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