Das bayerische Kreuz in aller Munde. Das hat auch Vorteile.

Seit in Bayern von Ministerpräsident Söder der Beschluss gefasst worden ist, im Eingangsbereich öffentlicher Behörden ab dem 1. Juni 3018 ein Kreuz verpflichtend anzubringen, hat die Republik endlich wieder etwas, worüber sie diskutieren kann.

Die Flüchtlinge sind damit mindestens auf Platz 2 der Interessenskala in Deutschland zurückgestuft worden.

Das Kreuz wird im Umfeld dieses Beschlusses als kulturelles Symbol bzw kulturelles Erbe definiert, was ja auch nicht falsch ist. Man könnte analog dazu natürlich sagen, dass mehrere Symbole für die Kultur in Bayern und Deutschland stehen, aber warum soll man nicht eines davon exemplarisch herausgreifen dürfen.

Ein religiöses Symbol ist das Kreuz natürlich auch, wenngleich dies womöglich die negative Religionsfreiheit verletzen könnte, wenn es als religiöses Symbol gesehen und angebracht werden würde. Negative Religionsfreiheit meint, dass man sich entscheiden kann, frei von religiösen Einflüssen zu sein. Andererseits ist dieses Argument auch nicht so stichhaltig, weil man nur durch bayerische Städte zu gehen braucht und überall Kirchtürme mit Kreuzen darauf vorfindet. Und wollte man diese im öffentlichen Raum verbieten, müsste man analog dazu auch die Zeichen anderer Religionen im öffentlichen Raum verbieten und könnte die Diskussion dahingehend ausweiten, dass auch pseudoreligiöse Zeichen, wie die Zeichen von Wirtschaft und Kommerz, einen in seiner negativen Religionsfreiheit einschränken könnten.

Bei einem gerichtlichen Beschluss in den 90er Jahren wurde zunächst verboten, in Klassenzimmern weiterhin Kruzifixe anzubringen, allerdings wurde dieses Urteil dann gekippt, weil das Kreuz in diesem Fall auch kulturell begründet wurde. Man darf also weiterhin in Bayern in Klassenzimmern Kreuze aufhängen, allerdings stilisierte, ohne den leidenden Jesus daran. In Fällen, in denen es diesbezüglich mit Eltern Stress geben sollte, solle man im Diskurs entscheiden, wie man weiter verfahren werde und wolle und eine gütliche Einigung suchen.

Bei allem politischen Kalkül, das zu dem Entschluss in Bayern geführt haben mag, nämlich beispielsweise Landtagswahlen im Oktober und dem Versuch, Wählern, die nach rechts abgewandert sind, die Rückkehr ins politische Lager schmackhaft zu machen, ist allerdings auch das Kreuz in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt, was ja eigentlich nicht schlecht ist.

Insofern darf man sich über diesen ganzen Diskurs im Grunde freuen. Denn das immer atheistischer werdende Deutschland beschäftigt sich plötzlich mit einem religiösen Zeichen und mit der Frage, inwiefern es kulturprägend war und ist und was für ethische Werte damit verbunden sind. Werte wie die Gleichheit aller Menschen aufgrund der Gottesebenbildlichkeit, Pazifismus, Nächstenliebe, Feindesliebe und Selbstannahme nämlich. Mit Ausnahme des Gottesbezugs können hier auch Atheisten zustimmen und das Kreuz als historisch gewachsenen Repräsentanten dieser Werte erkennen.

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