Wie der Tag der Arbeit, Donald Trumps Strafzölle und die Globalisierung zusammenhängen

Heute am Tag der Arbeit ist auch Raum dafür, darüber nachzudenken, wie Arbeit optimalerweise beschaffen sein sollte.

Denn auch in Deutschland gibt es viele Menschen, die zwar eine Arbeit haben, aber eine, von der man nicht allzu gut leben kann. Manche haben zwei oder drei Jobs, um irgendwie über die Runden zu kommen.

Das hängt auch mit den Vor- und Nachteilen der Globalisierung zusammen. Denn viele Arbeitsbereiche sind in andere Länder abgewandert, wo sie wesentlich günstiger ausgeführt werden.

Wenn nun jemand wie Donald Trump dieser Tendenz eine Kampfansage erteilt, findet das hierzulande erstmal fast niemand gut.

Warum?

Weil man auf der anderen Seite steht. Auf der Exportseite nämlich. Hierzulande, gerade in Deutschland, einer der größten Exportnationen der Welt, ist man auf den Export angewiesen und möchte natürlich weiterhin auch Stahl und Aluminium in die USA exportieren.

Dort allerdings, in den USA, kamen heimische Produzenten dadurch unter Preisdruck, weswegen sie Arbeitsplätze abbauen und Stahl und Aluminium billig aus dem Ausland kaufen. Dem möchte Donald Trump einen Riegel vorschieben und Arbeitsplätze zurück in die USA holen. Das ist prinzipiell nicht verwerflich. Es wird nur von Europa aus als verwerflich angesehen. Weil es eben die eigenen Interessen tangiert.

Dabei gibt es von Arbeiterseite aus ähnliche Interessen in Deutschland und in Europa. Auch hier möchte man nicht uneingeschränkt, dass Arbeit zu Billiglohn in anderen Ländern ausgeführt wird, hierzulande dann diese Arbeitsplätze aber nicht mehr zur Verfügung stehen.

Ob der Weg, den Donald Trump eingeschlagen hat, letztlich diese Nachteile der Globalisierung beseitigen wird, ist fraglich. Aber generell ist es richtig, darüber einmal zu diskutieren, wie Globalisierung einigermaßen gerecht und verträglich künftig gestaltet werden kann und sollte.

Einerseits ist die Globalisierung für ferne Länder ein Segen, denn dort bekommen Menschen Arbeit, die sie sonst nicht hätten. Andererseits ist es für diese Menschen auch oft ein Fluch, da sie für einen Apfel und ein Ei arbeiten müssen, ohne Sozialversicherung, ohne Rechte.

Und es ist Segen und Fluch zugleich für Bürger in Deutschland und auch in Europa beispielsweise. Ein Fluch, weil hier eben Arbeitsplätze fehlen. Ein Segen, weil der allgemeine Wohlstand hierzulande zugenommen hat, wesentlich auch dadurch, dass sehr viele Menschen sich Produkte kaufen und leisten können, weil diese so billig in Drittländern hergestellt wurden.

Globalisierung macht also deutlich, dass plötzlich alle von allen abhängig sind, einige dabei aber auf der Sonnenseite leben, die anderen auf der dunklen Schattenseite.

Strafzölle sind ein Versuch, hier wieder ein Gleichgewicht herzustellen.

Vielleicht gibt es aber noch bessere Möglichkeiten, dies zu erreichen. Hier wären einmal kreative Köpfe in der Politik gefragt, um die Globalisierung so zu gestalten, dass die Menschen im eigenen Land Arbeit haben, dass Menschen in Drittländern nicht ausgebeutet werden und dass insgesamt der Konsens hergestellt wird, die Globalisierung nutze allen. Dazu braucht man vielleicht keine Strafzölle, aber einen Diskurs, der dies einmal aufgreift und der nicht einfach im Sand verläuft.

Vielleicht sind deshalb die angedrohten Strafzölle von Donald Trump durchaus sinnvoll, verhindern sie doch, dass eben eine solche Diskussion wieder im Sand verläuft. Denn auf einmal sind wirtschaftliche Interessen bedroht, der Geldbeutel von vielen Unternehmern und indirekt auch von vielen Arbeitnehmern. Diese haben dann nämlich plötzlich ein vitales Interesse, darüber nachzudenken, wie Globalisierung künftig gerecht und zufriedenstellend für alle gestaltet werden könnte.

Denn die oft genannte und vielerorts implizit übernommene Behauptung, die Globalisierung nutze doch allen, ist vermutlich nicht ganz richtig.

Die Globalisierung nutzt einigen Unternehmen und macht sie reich, sie bringt den Bürgern einiger Länder preiswerte Produkte, sie schafft Arbeitsplätze in fernen Ländern, allerdings meistens schlecht bezahlte zu schlechten Bedingungen und sie vernichtet auch anständig bezahlte Arbeitsplätze in Industrieländern, und wenn die letztgenannten dann fehlen, rutschen einige Arbeitnehmer in prekäre Jobs ab, von denen sie gleich mehrere ausführen müssen, um zu überleben und mit denen keine Lebensplanung möglich ist, da man dann zu schlecht verdient und auch nicht weiß, ob man morgen überhaupt noch einen Job hat.

Globalisierung ist nicht generell schlecht und sie hat großes Potenzial und einige Vorteile, aber sie müsste besser gemacht werden. Wesentlich gerechter nämlich.

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sven Meier sagt:

    Moin. Im Grunde stimme ich zu. Die trumpschen „Straf“-Zölle sind aber vielleicht einfach nur Zölle, wie sie in der EU – zur Sicherung des EU-Binnenmarktes – ebenfalls erhoben werden. Und die sollen im Durchschnitt über den Zollen der US-Amerikaner liegen. Im Hinterkopf habe ich die Zahlen für Pkw: Die EU erhebt 10,0 % auf amerikanische Autos, die USA hingegen nur 2,5 % auf die aus der EU.
    Allerdings ist das mit den Zöllen häufig ein zweischneidiges Schwert ….

  2. Ja, ich wüsste jetzt auch nicht, ob das Problem durch Strafzölle behoben werden könnte. Aber insgesamt geht es bei dem Thema wohl darum, den Handel und auch die Arbeit gerechter zu gestalten.

  3. Sven Meier sagt:

    Ja richtig. Doch mit der „Gerechtigkeit“ ist dass u. U. dann so eine Sache. Nehmen wir die Aluminium verarbeitende Industrie in den USA: Höhere Zölle sichern zwar Arbeitsplätze in der Aluminium produzierende Industrie, die, die es jedoch verarbeiten, müssen es teurer einkaufen. Entweder wegen der höheren Zölle oder weil die inländischen Produkte teurer sind als es bspw. die aus der EU ohne Zollaufschlag wären. Damit werden auch die Produkte der verarbeitenden Industrie teurer – was insbesondere für den Export ein Wettbewerbsnachteil ist. Da sind wir wieder bei der Globalisierung 😉

  4. Stimmt, ist insgesamt also nicht ganz unkompliziert

  5. Sven Meier sagt:

    Nö. Sonst könnt’s ja jeder 😉

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