Ist das Kreuz ein kulturelles Symbol?

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder lässt ja im Eingangsbereich von öffentlichen Behörden nun jeweils ein Kreuz anbringen. Verpflichtend ab dem 1. Juni 2018.

Aus christlicher Sicht, warum nicht. Ein Kreuz ist immer eine gute Sache.

Allerdings kommt die Aktion zeitlich schon etwas seltsam daher. Vor wenigen Wochen noch definierte Innen- und Heimatminister Horst Seehofer, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre, Menschen mit muslimischem Glauben allerdings dann seinetwegen doch. In diesem Zug wird man wohl auch die Anbringung der Kreuze sehen müssen, nämlich als Abgrenzung zum Islam.

Die Aktion der Kreuzanbringung ist aus politischer Sicht sicher der Versuch, eine heile Welt zu suggerieren, die nicht irgendwie von Flüchtlingen oder anderen Leuten, die man ja nicht so genau kenne, beeinträchtigt sei. Dann mache ja auch der Flüchtling nichts mehr und stelle keine Bedrohung dar, wenn man wisse, wer man kulturell gesehen sei. Und das wisse man ja, wenn überall das Kreuz hänge. Wenngleich dies ohnehin schon auf Kirchtürmen und Berggipfeln zu finden ist.

Das Ganze ist sicherlich auch der Versuch, einige Wähler von der AFD zurückzugewinnen und sich startklar zu machen für den bayerischen Landtagswahlkampf im Oktober 2018, bei dem die CSU gerne wieder mehr Stimmen hätte.

Dann müssten jetzt eigentlich nur noch mehr Menschen in die Kirchen gehen, schon würde es auch mit der christlichen Identität klappen. Aber ob dies andersherum funktioniert, indem man einfach ein Kreuz anbringt, sei einmal in den Raum gestellt. Denn nur, weil man in eine Garage geht, wird man ja auch nicht automatisch zum Auto. Und nur, weil man Kreuze anbringt, wird man nicht automatisch zum Christen oder zumindest zum Kulturchristen, der aus kulturellen und folkloristischen Gründen einmal im Jahr die Kirche aufsucht, nämlich zu Weihnachten.

Will heißen, kulturelle Identität kommt von innen. Und Kultur ist übrigens ständig im Fluss. Heute ist Kultur eben anders definiert, als zu Lebzeiten des Kaiser Theodosius, bei dem man Christ sein musste, weil es als verpflichtende Staatsreligion definiert wurde. Nur dadurch, dass man Kreuze anbringt, ändert man also nicht unbedingt die gelebte und erlebte Kultur. Man gibt damit zwar vielleicht eine Tendenz vor, die man für wünschenswert und erstrebenswert hält, aber die derzeitige Kultur ist doch viel heterogener. Es gibt einige Christen in Deutschland, wohl immer noch die Mehrheit der Gläubigen, dann gibt es aber außerdem Juden, Muslime, Atheisten, Buddhisten und so weiter.

Deswegen ist wohl auch der Aufschrei relativ groß in den Medien, weil viele an der aktuellen Kultur und daran, wie sie gelebt wird, nämlich oftmals in tolerantem Nebeneinander und Miteinander, festhalten möchten. Und bei einigen regt sich wohl etwas die Sorge, ob hier nicht gerade wieder ein kleiner Theodosius aus den Tiefen der Geschichte hervorkriecht.

Andererseits muss man nicht automatisch gleich mit ins Horn all der Empörten blasen, denn es ist nicht falsch, dass das Kreuz ein kulturelles Zeichen war und ist, welches Deutschland und Europa tatsächlich auch zu einem großen Teil geprägt hat.

Aber ein religiöses Zeichen ist es eben auch, und zwar primär. Und das wird hier doch ein kleinbisschen unter den Tisch gekehrt. Es ist zuerst ein religiöses Zeichen, welches dann kulturbildend wirkte.

Nicht umgekehrt.

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