Echo wird abgeschafft und alles ist gut. Oder.

Der seit über 20 Jahren in der Musikindustrie vergebene Echo-Preis, der hauptsächlich an Verkaufszahlen orientiert ist, soll abgeschafft werden. Er geriet in Kritik, nachdem die Kollegen Farid Bang und Kollegah eine Textzeile in einem Song hatten, in dem der Sänger oder vielleicht auch sein literarisches Ich, sofern der Sänger überhaupt weiß, was ein literarisches Ich ist, erwähnte, er habe einen Körper, der definierter sei als der von Auschwitzinsassen.

Dieser Textzeile wird von Politikern Antisemitismus unterstellt, von vielen Medien und Künstlern auch und vielleicht liegen sie damit richtig. Auf jeden Fall ist er aber respektlos.

Unklar ist, ob „Amazon Echo“ nun auch umbenannt und ob generell der akustische Widerhall in Gebirgstälern künftig ebenfalls anders bezeichnet werden soll.

Der eigentliche Skandal liegt aber doch woanders.

Dass nämlich mit einem respektlosen Song, der verbal nach unten auf Schwächere tritt, überhaupt hohe Verkaufszahlen erzielt werden konnten, sodass dieser Song dann einen Echo-Preis erhielt. Das Problem ist also weniger der Echo-Preis, den man natürlich gerne abschaffen kann, weil diese an den Verkaufszahlen orientierte Auszeichnung ohnehin fraglich ist, sondern vielmehr die gesellschaftliche Grundlage, dass nämlich Musik, die solche antisemitischen und/oder respektlosen Zeilen enthält, überhaupt dermaßen viel gekauft wird.

Da muss man fragen, was mit den deutschen Konsumenten los ist. Und sind die deutschen Konsumenten nicht eigentlich auch zugleich mündige Bürger, optimalerweise zumindest? Dies darf hier nämlich ein wenig bezweifelt werden. Denn ein Bürger, der respektlosen und antisemitischen Schrott zum Anhören kauft, hat doch irgendwie seine staatsbürgerlichen Hausaufgaben nicht gemacht. Was macht ein solcher Bürger bloß, wenn er an die Wahlurnen gelassen wird?

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich glaube die Musikrichtung spricht eher die junge Generation an und natürlich die, die von Haus aus die Gewalt verherrlichen. Und ob die sich Gedanken über den Text machen, wage ich zu bezweifeln.

  2. Ja, wage ich auch zu bezweifeln. Vermutlich nicht.

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