Alle finden die Militärschläge in Syrien toll. Bis auf zwei.

Raketen griffen heute Nacht drei Ziele in Syrien an. Der Angriff war als Vergeltungsschlag für den Giftgasangriff in Duma gedacht.

Zufällig fiel der Angriff genau auf den Zeitpunkt, an dem in den USA das Buch des Ex-FBI-Chefs Comey den US Präsidenten Donald Trump ziemlich unter Druck setzte und an dem eine mediale Abwendung von den innenpolitischen Querelen hin zur Außenpolitik nicht ganz ungelegen käme. Allerdings waren nicht nur die USA, sondern auch Großbritannien und Frankreich an den Angriffen beteiligt.

Heute sollte zwar eigentlich eine internationale Expertenkommission in Syrien ihre Arbeit aufnehmen, um herauszufinden, wer den Giftgasangriff denn eigentlich begangen habe, was zu wissen ja durchaus nicht ganz uninteressant wäre. Allerdings wäre eine solche Untersuchung relativ langwierig geworden und hätte einige Wochen in Anspruch genommen, was im Zeitalter von schnell abgesetzten Tweets und einer gewissen Hektik ja nicht unbedingt en Vogue ist.

Drum bombardierte man heute Nacht schon mal präventiv und wolle sich dann im Nachhinein um die Frage kümmern, wer denn eigentlich das Giftgas in Duma zu verantworten habe. Es könne ja nicht schaden, der Welt generell mal klar zu machen, dass man bei Giftgasangriffen, egal wer sie denn zu verantworten habe, mal in ein anderes Land hineinbombe.

Andererseits war es in der Vergangenheit natürlich so, dass Untersuchungen in Bezug auf Giftgas gerne konsequent von Russland blockiert wurden. Deshalb war wohl zu erwarten, dass es diesmal auch nicht wesentlich anders sein würde oder eine Untersuchung als Zeichen missverstanden werden könnte, dass man ja ohnehin nichts unternehme, außer der Untersuchung, bei der dann vielleicht auch nichts herauskäme.

Eigentlich alle fanden den Raketenangriff von heute Nacht gut. Die NATO, Frankreich, Großbritannien und natürlich die USA. Nicht so gut fanden ihn der syrische Machthaber Assad und sein militärischer Unterstützer, Herr Putin.

Heiko Maas sagte, er sei kein Pazifist und aus der deutschen Geschichte habe man gelernt, dass man manchmal eben auch gewaltsam gegen ein Unrecht vorgehen müsste, so in der Art.

Theresa May sprach doch glatt davon, dass der Angriff alternativlos gewesen sei. Aber wie soll man sich das vorstellen? Alternativlos? Sitzt also der wachhabende Offizier vor dem roten Knopf und hat überhaupt keine Alternative, diesen zu drücken? Wäre es keine Alternative gewesen, zunächst einmal die Untersuchung abzuwarten? Gewissermaßen ein Automatismus der westlichen Staatenlenker am roten Knopf, dass der Finger, der schon begonnen hat, sich in Richtung des Knopfes zu bewegen, dann auch nicht mehr gestoppt werden kann? Die Aussage von Theresa May ist also ein wenig übertrieben, denn es gibt immer Alternativen. Die Frage ist, ob es gute Alternativen wären.

Generell ist es natürlich ein Drama, dass in Syrien immer noch Anschläge mit Giftgas stattfinden können und aufgrund dessen, was bisher dort passiert ist, liegt natürlich die Vermutung nahe, dass es auf Assad oder vielleicht die russischen Unterstützer zurückzuführen sein könnte.

Insofern kann man die Aufregung in der westlichen Welt durchaus nachvollziehen, welche sich übrigens ziemlich zurückgezogen hatte aus Syrien und nun plötzlich mit einem lauten Hallo und ein paar Raketen wieder zurück auf der syrischen kleinen Weltbühne erscheint. Und es ist sicher auch ein symbolisches Zeichen, dass Assad mal ein bisschen was in seiner Hauptstadt kaputt gemacht wird, um zu zeigen: solche Angriffe mit Giftgas gehen unter Feinden ja gar nicht.

Ob das Ganze allerdings so weise ist, ist mal eine andere Frage.

Generell ist es natürlich sinnvoll, etwas zu unternehmen, wenn autoritäre Machthaber das eigene Volk mit Giftgas besprühen. Allerdings ist die Frage, warum sich der Westen so lange zurückgehalten hatte in dieser Sache? Hätte man denn nicht längst politisch mehr erreichen können? Und ob die paar Raketen die Sache nun lösen, sei einmal dahin gestellt. Vermutlich nicht. Sie sind wahrscheinlich mehr die Unterstützung eines verbalen Protestes, über den hinaus man auch nicht viel machen möchte, außer ein paar symbolischen Raketen eben. Was möglicherweise sinnvoll ist, möglicherweise auch nicht.

Dass der Westen, speziell Europa, sich gegen den Krieg in Syrien richtet, hat sicherlich humanitäre Gründe, die man hier auch niemandem absprechen möchte. Ein anderer Hintergedanke ist aber wohl auch der, dass durch ein Syrien, welches immer noch nicht befriedet werden kann, die Flüchtlingsströme nach Europa weiterhin strömen dürften, und in Sachen Flüchtlingsströmen ist Europa ja nicht gerade tiefenentspannt.

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