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Nachtrag zur Essener Tafel

Die Tafel in Essen, welche armen Leuten kostenlos Nahrung vermittelt, welche beispielsweise Supermärkte nicht mehr verwenden können und an die Tafel weiterreichen, war vor kurzer Zeit großes Thema in den Medien.

Denn dort war beschlossen worden, dass die Neuzugänge nur noch Menschen mit deutschem Personalausweis sein dürften.

Man hört nun glücklicherweise andere Töne von der Tafel, bereits in wenigen Wochen sollten auch wieder Ausländer dort Zugang haben.

Ich habe in der Zwischenzeit auch mal etwas über das Ganze nachgedacht und nachdem die erste Empörung etwas gewichen ist, kann ich die Sache vielleicht ein wenig objektiver sehen. Zuerst stand für mich auch das Thema vermeintlicher Ausländerfeindlichkeit im Raum, welcher es natürlich entgegenzutreten galt.

Allerdings war es ja so, dass die Tafel für einen begrenzten Zeitraum nur noch Menschen mit deutschen Personalausweis, die als Neuzugänge kamen, diesen Zugang gewähren wollte.

Auch, wenn ich der Meinung bin, dass man natürlich jeden Menschen gleich behandeln muss und auch Ausländer gleichermaßen in Deutschland unterstützen muss, wirkt die Dramatik der Entscheidung nun nicht mehr ganz so dramatisch auf mich.

Denn es hieß ja nicht, dass beispielsweise türkischstämmige Leute nicht mehr kommen dürften, oder welche mit afrikanischem Hintergrund, oder Chinesen, oder welche mit dunkler Hautfarbe, oder Muslime, oder Hindus oder Buddhisten und so weiter. Sondern Grundlage war, dass jemand in Deutschland in der Art registriert war und ein Bleiberecht hatte, dass er eben einen deutschen Personalausweis bekommen hatte. Egal welche Wurzeln oder welche Religion oder welche Hautfarbe er besaß. Das Kriterium war, dass er eben eingebürgert worden war.

Man kann das nun richtig oder falsch finden, aber eine gewisse Logik ist ja schon darin enthalten. Es ging darum, das begrenzte Gut an Nahrung zunächst einmal für die Leute einzusetzen, die ein Bleiberecht haben im Land, die dementsprechend auch einen Personalausweis besitzen.

Wenn ein Deutscher im Ausland Probleme hat, irgendwo inhaftiert ist beispielsweise, setzt sich die deutsche Botschaft für ihn ein, weil er einen deutschen Reisepass hat. Sie tut das normalerweise nicht, wenn jemand Ausländer in Deutschland ist und ihm das Gleiche widerfährt. Auch das kann man natürlich problematisch finden, aber andererseits ist offenbar ein Volk doch eine gewisse Interessengemeinschaft. Der Begriff Volk ist hier nicht völkisch gemeint, sondern als Summe derjenigen, die eingebürgert sind und einen deutschen Personalausweis besitzen.

Insofern habe ich mittlerweile mehr Verständnis für das Vorgehen der Tafel, wenngleich ich es nach wie vor nicht gutheiße. Als richtig erscheint mir nach wie vor, dass sowohl jemand mit als auch ohne deutschem Personalausweis dort unterstützt werden sollte, und zwar alleine deswegen, weil er ein Mensch ist.

Unabhängig davon steht natürlich noch das Skandalon im Raum, wie es in einem derart reichen Land wie Deutschland überhaupt Tafeln geben kann und darf. Und wie es sein kann, dass Menschen, denen es finanziell schlecht geht, überhaupt in Konkurrenz zu anderen Menschen an so einer Tafel kommen können. Im Grunde müsste die Politik doch dafür sorgen, dass es Menschen, die hier im Lande leben, in einem solch reichen Land, gut genug geht, dass sie es nicht nötig haben, zu einer Tafel gehen zu müssen.

5 Kommentare

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