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Gehört der Islam nun zu Deutschland oder nicht?

Etwas verwirrend ist derzeit die aktuelle Lage. Bundespräsident Wulff, der aufgrund von unklaren Zahlungen zwar relativ kurz im Amt war, prägte die Aussage, der Islam gehöre zu Deutschland. Der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, die Muslime allerdings schon.

Derzeit entzünden sich einerseits die Kritiken, andererseits kommt Applaus von Rechtsaußen. Wie ist die Lage aber wirklich?

Es kommt wohl drauf an, wie immer im Leben, unter welchem Blickwinkel man die Aussagen betrachtet.

Horst Seehofer meinte sie geschichtlich. Das Christentum habe Europa geprägt, deswegen gehöre das Christentum zu Europa, der Islam aber eigentlich nicht, sofern man vielleicht einmal davon absehen will, dass die Türken einst vor Wien standen mit ihren Truppen.

Der ehemalige Bundespräsident Wulf meinte seine Aussage wohl auf die gegenwärtige Situation bezogen. Derzeit ist es so, dass es zu einem gewissen, relativ geringen Prozentsatz mit leicht steigender Tendenz Muslime in Deutschland gibt.

Unter diesen Fragestellungen haben also beide Recht.

Das Problem ist jedoch, dass von vielen, die diese Aussagen hören, möglicherweise auch zurecht, die Aussagen derart gedeutet werden, dass damit eine Zukunftstendenz geklärt werden solle. Dass also gemeint sein könnte: soll der Islam zu Deutschland gehören oder soll er nicht?

Insofern müsste hier wohl etwas genauer erklärt werden, was mit beiden Aussagen gemeint ist. Denn wenn man sagt, die Muslime gehörten zu Deutschland, dann kann man das ja semantisch so auffassen, dass auch ein Teil von Deutschland muslimisch geprägt ist, dass der Islam also derzeit schon ein Teil von Deutschland ist. So, wie auch der Atheismus, das Judentum, der Buddhismus, der Hinduismus und so weiter.

Geschichtlich gesehen prägte allerdings tatsächlich das Christentum, spätestens seit Kaiser Konstantin und besonders seit seinem Nachfolger Theodosius, wo das Christentum dann sogar verpflichtende Staatsreligion wurde, das Abendland sehr stark.

Die aktuelle Lage ist allerdings nicht mehr ganz einheitlich. Die christlichen Kirchen sind in Deutschland noch die größte Glaubensgruppe, Tendenz aber eher sinkend. Wenn man möchte, dass das Christentum weiterhin eine Rolle in Deutschland spielt, sollte man vielleicht auch einfach mal öfter in die Kirche gehen. Damit könnte dann jeder die Zukunft so gestalten, dass der geschichtliche Rückblick auch ein zukünftiger Vorausblick ist.

Dass der Islam aber einmal dem Christentum den Rang ablaufen könnte in Europa, weil er so derart attraktiv sei, das Christentum aber nicht, erscheint nicht so wahrscheinlich. Denn Christ sein kann man heutzutage, ohne eine Kirche zu betreten. Zu Weihnachten vielleicht. Das geht zwar im Islam vermutlich ähnlich, allerdings steht wohl nicht zu befürchten, dass eine große Anzahl von Europäern, die ohnehin in Sachen Glauben immer mehr Analphabeten sind, plötzlich zum Islam konvertieren wollte. Denn für viele Europäer ist diese Religion sicherlich etwas zu stark reglementierend. 5 mal am Tag beten, einmal mindestens nach Mekka pilgern, kein Bier und kein Alkohol trinken, Beschneidung – für die meisten Europäer wohl nicht sehr attraktiv. Insofern kann man diese Angst wohl getrost wieder hinunterschlucken.

Und was ist von der These zu halten, per Geburt würden in Deutschland und Europa dann immer mehr Moslems geboren werden?

Auch hiervon ist wohl nicht so viel zu halten. Zum einen ist der Prozentsatz der Moslems sehr gering. Man geht von etwa 4,4 bis 4,7 Millionen Moslems in Deutschland aus, wobei einige davon wohl ebenfalls Kulturmoslems sind, die sich zwar als Moslem bezeichnen, aber ähnlich wie Kulturchristen vielleicht einmal im Jahr in die Muschee bzw Kirche gehen. Zwar bekommen natürlich Moslems genauso wie Christen und auch Atheisten ebenfalls Kinder, aber sicherlich nicht in dem Maße, dass man sich da irgendwie Sorgen machen bräuchte, wie manche populistischen Stimmen behaupten. Auch, wenn amerikanische Forscher davon ausgehen, dass sich bis zum Jahr 2050 die Zahl der Moslems in Deutschland verdoppelt haben könnte, wären das dann immer noch gerade mal neun Millionen. Die Zahl der Atheisten ist weitaus größer.

Und wer als muslimisches Kind in Deutschland aufwächst, wird natürlich auch stark von der umgebenden Kultur und Gesellschaft geprägt. Dann muss man eben am Schwimmunterricht in der Schule teilnehmen, was man vielleicht selber sogar auch möchte. Dann trägt man vielleicht auch kein Kopftuch, weil man eben nicht anders sein will, als die anderen. Oder man trägt es, weil man immer etwas Besonderes sein möchte. Beides nicht schlimm.

Man reformiert durch die Kinder und Jugendlichen gewissermaßen auch die Eltern, indem die junge, nachwachsende Generation von Muslimas und Muslimen lernt, wie man in Deutschland und Europa miteinander umgeht und lebt. Und sowohl Deutschland wie auch Europa sind doch mittlerweile eigentlich multikulturell geprägt. Vor diesem Hintergrund gilt es, ab der Kindheit einen respektvollen Umgang miteinander zu erlernen, ganz egal, welche Religion die Eltern nun haben.

Zwar ist es aus Sicht eines Christen schön, wenn Deutschland auch künftig christlich geprägt sein wird.

Besonders wichtig ist jedoch, dass es von Respekt geprägt sein wird. Und jedes schulpflichtige Kind, das in Deutschland aufwächst, egal ob Christ oder Moslem oder sonst etwas, lernt in seiner schulischen Laufbahn diesen Respekt und übt ihn ein. Ein respektvolles Abendland, meinetwegen gerne auch christlich. Aber respektvoll, das ist wichtig.

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