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Nichts ist gut in Afghanistan

Das Zitate aus der Überschrift stammte einst von Margot Käßmann und flog ihr postwendend auch sofort um die Ohren: Wie können Sie es wagen, das so auszusprechen, also bitte.

In der aktuellen Printausgabe der ZEIT wird ein Bild von Afghanistan gezeichnet, welches aber genau diesem Zitat entspricht.

Der Artikel, der in der Rubrik Politik erschienen und mit dem Titel „wir sind besiegt“ beschrieben ist, macht deutlich, dass Deutschland sich im Grunde in Afghanistan in einem Krieg befindet und militärisch sowie in der Entwicklungshilfe besiegt ist.

Dies müsste nicht sein, aber das Problem an der ganzen Sache ist, dass es der deutschen Truppe und Politik an Ernsthaftigkeit fehlt. Und nicht nur ihr, sondern auch anderen Akteuren, die dort versuchen, die politische Lage zu stabilisieren.

Der Krieg am Hindukusch dauert bereits 17 Jahre und forderte 150.000 Tote. Es ist aber nicht so, dass die Taliban damit irgendwie besiegt wären, da die vom Westen unterstützte Regierung aus verschiedenen Lagern besteht, die mit einander nicht übereinstimmen und zudem immer wieder in Korruption versinken.

Die Regierung in Afghanistan ist aktuell sogar doch tatsächlich dazu bereit, mit den Taliban bedingungslos über Frieden zu verhandeln, was ihre verzweifelte Lage deutlich macht. Bringen wird dies wohl nichts, weil die Taliban einfach nur abwarten müssen, bis der Regierung die Dinge mehr und mehr entgleiten.

Die deutsche Botschaft im Lande wurde im Mai Ziel eines Attentats, seitdem sind nur noch fünf Diplomaten im Land. Diese haben sich allerdings in die US-Botschaft zurückgezogen, um dort Schutz zu finden.

Seit 2001 wurde die Bundeswehr für ihren Stabilisierungseinsatz in Afghanistan mit 10 Milliarden Euro unterstützt und teils waren bis zu 16.000 Soldaten im Land, derzeit sind es knapp noch tausend. Gekämpft hat die Bundeswehr dort nur ein einziges Mal, wenngleich ziemlich erfolglos.

Deutschland baute Brunnen und Brücken und Schulen in Afghanistan, löste damit aber keine bewaffneten Konflikte.

Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, GIZ, wird auch im Jahr 2018 wieder über 100 Millionen Euro für Projekte in Afghanistan zahlen, welche von Deutschen aus Sicherheitsgründen vor Ort allerdings nicht überwacht werden können.

Angesichts dieser Fakten solle man allerdings nicht aufgeben, sondern überlegen, ob man nicht entschiedener auftreten müsste. Denn die Freiheit Deutschlands werde im Grunde tatsächlich auch in Afghanistan verteidigt, um dort das Aufkeimen von radikalen Kämpfern zu verhindern.

Die Deutschen seien derzeit allerdings für Terroristen in Afghanistan ein leicht zu kalkulierendes Ziel. Ein Anschlag auf eine ihrer Einrichtungen und schon ziehen sich die Deutschen zurück. So leicht geht das offenbar bei keiner Präsenz eines anderen Staates, so der Artikel.

Die deutsche Außenpolitik brauche neuen Mut und eine neue Entschiedenheit, wenn sie weiterhin in Afghanistan tätig sein will und dort etwas erreichen möchte. Frieden zum Beispiel und eine an Demokratie ausgerichtete Regierungsform.

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