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Kopftuchmenschen

Ich meine hier nicht den Begriff, den Thilo Sarrazin in die Welt gesetzt hatte, diesen unglücklichen, ausgrenzenden, stigmatisierenden und abwertenden Begriff „Kopftuchmädchen“. Sondern ich meine tatsächlich Menschen. Aber es geht auch bei mir ums Kopftuch.

Denn das Kopftuch kann alles mögliche sein. Für jemanden wie Thilo Sarrazin mag es etwas Politisches sein, der damit das Abendland schon untergegangen wähnt, dadurch, dass überall nur noch Kopftuchmädchen herumlaufen würden, was natürlich Unsinn ist. Implizit meint er nämlich die Muslime und bei der verschwindend geringen Zahl an Muslimen in Deutschland ist dieses Argument per se schon ad absurdum geführt.

Das Kopftuch wird auch gerne verwendet als Symbol patriarchaler Unterdrückung gegenüber der Frau, wobei hier dann wieder gerne die Moslems aufgeführt werden. Allerdings steht das Kopftuch auch genau für das Gegenteil, nämlich für die Emanzipation der Frau, der muslimischen beispielsweise, die selbstbestimmt entscheiden möchte, welches Kleidungsstück sie am Kopf trägt – und wenn es ein Kopftuch ist.

Dann ist es so, dass bayerische Bäuerinnen auch gerne ein Kopftuch tragen, ohne damit eine politische Aussage machen zu wollen. Und auch Nonnen tragen ihr Kopftuch, hier ist es dann eine traditionsbewusste Kleidung.

Gerne wird das Kopftuch von glatzköpfigen, meist jüngeren Männern in Springerstiefeln, die glauben, durch ihre Thesen das Abendland irgendwie retten zu können, am besten noch das christliche, wobei sie von Christentum in der Regel überhaupt keine Ahnung haben, also gerne wird dieses Kopftuch von solchen Leuten dann auch als Kampfbegriff ins Feld geführt. Wer eine selbst rasierte Glatze hat, der brauche doch kein Kopftuch.

Gerade letztere glatzköpfige Bevölkerungsgruppe junger, männlicher und meist radikal denkender Leute würde sich aber doch sehr wundern, wenn heutzutage tatsächlich das passiert wäre, was manche von ihnen immer wieder postulieren, wenn nämlich das Kopftuch offiziell nicht getragen werden dürfte. Bei Temperaturen von -10 Grad und darunter könnte das gerade für diese jungen Männer zu einem ernsten Problem und womöglich zu einer Hirnhautentzündung aufgrund Unterkühlung dessen, was man landläufig als Gehirn bezeichnet, führen.

Und wo wäre der Übergang zur Mütze? Ob nun Kopftuch oder Mütze, entweder müsste man beides verbieten und Hüte gleich noch mit, oder keines davon. Denn der Übergang kann mitunter fließend sein.

Was würden dann diese glatzköpfigen Springerstiefel-Menschen am Kopf tragen? Vielleicht einen elektrischen Heizlüfter? Oder bestünde überhaupt die Gefahr, dass dort oben etwas einfrieren könnte? Vielleicht brauchen sie wirklich kein Kopftuch.

Ich entschuldige mich übrigens präventiv gleich einmal, hier äußerst populistisch alle Springerstiefel tragenden Menschen in einen Topf geworfen zu haben und weiß, dass das Äußere natürlich nicht unbedingt das Innere abbildet. Es sei mir bitte verziehen. Ich wollte nur eine Gruppe klischeehaft einmal stilisieren, sowie auch diese besagte Gruppe beispielsweise die Moslems mit Ressentiments versehen darstellt.

In dem Wissen, dass es die sogenannte Gruppe niemals gibt, sondern immer nur einzelne Individuen, von denen jeder Mensch stets individuell ist, wie der Name schon sagt, und einzigartig.

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