Was du morgen kannst besorgen

Seit einiger Zeit ist das Wort Prokrastination zwar vielleicht nicht in aller Munde, aber viele Leute wissen mittlerweile, was es bedeutet. Im Grunde lässt es sich in dem Spruch zusammenfassen, was du heute kannst besorgen, das verschiebe stets auf morgen.

Ach wenn der Spruch im Original natürlich anders heißt und dazu auffordern will, möglichst gleich die zu erledigenden Dinge zu tun, ist er in seiner Abwandlung das, was viele Menschen von sich selbst kennen. Dass man die verschiedensten Gründe hat, die man selber vielleicht überhaupt nicht einmal kennt, die einen davon abhalten, Dinge, die dringend anstehen, tatsächlich auch zu tun. Hier gibt es verschiedene Abstufungen. Manche Menschen werden dann auf den letzten Drücker fertig, manche aber gar nicht.

Prokrastination, also das Aufschieben von Dingen auf eine ferne Zukunft, ist nicht unbedingt schlecht. Meine ich zumindest. Es ist nämlich der Ruf einer inneren Stimme, die einen daran erinnert, Mensch zu sein und Mensch zu bleiben.

Prokrastination ist dann schlecht, wenn sie Menschen daran hindert, ihr Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Wenn Menschen also die Dinge, die sie tun müssten, überhaupt nicht mehr getan bekommen. Manchmal sind verschiedene Süchte dafür zuständig, die einen hindern, eigenverantwortlich und selbstständig den eigenen Willen in die Tat umsetzen zu können.

Es gibt aber auch das Gegenteil von Prokrastination, das von Perfektionisten geliebt und natürlich auch perfektioniert wird. Einige Perfektionisten kommen damit auch ganz gut zurecht, dass sie alles immer schon drei Tage vorher fertig haben. Dagegen ist natürlich überhaupt nichts einzuwenden, denn wenn jemand gut organisiert ist, bleibt wahrscheinlich auch noch viel Zeit für das Leben, das man neben der Arbeit führen möchte. Es gibt dann aber auch noch die Perfektionisten, die an ihrem eigenen Anspruch auf Perfektion zu zerbrechen drohen oder tatsächlich im Burnout landen.

Prokrastination in einem, sagen wir mal, einigermaßen gesunden Maß heißt also, dass jemand sich von der Arbeit nicht erschlagen lässt, und sei sie auch noch so erdrückend und überwältigend und groß. Dass jemand sagt, egal, ich mache jetzt was Kreatives. Egal, ich gehe jetzt mal ein Bier trinken. Egal, ich gehe jetzt joggen, ich gehe Schlittschuhlaufen, ich treffe Freunde, ich mache was mit der Familie und so weiter.

Diese Art von Prokrastination hilft, nicht an den Anforderungen, die andere an einen Stellen, zu zerbrechen. Deshalb würde ich sie als gesunde Art von Prokrastination einstufen.

Mir fällt dazu die Geschichte mit einem Mönch ein, vielleicht war es ein buddhistischer, so genau weiß ich das nicht mehr. Ein junger Mann kommt zu ihm ins Kloster und fragt, worum es im Leben gehe und worauf es ankomme. Der Mönch gibt ihm einen Esslöffel in die Hand, füllt Wasser hinein und fordert ihn auf, in den Garten zu gehen, aber achtzugeben, dass das Wasser nicht verschüttet.

Als der junge Mann wieder kommt, fragt der Mönch, was er denn vom Garten gesehen habe. Junge an Mann antwortet stolz, nichts, aber alles Wasser ist noch im Löffel!

Der Mönch schickt den jungen Mann noch einmal los in den Garten mit der Aufforderung, sich auch den Garten anzuschauen. Als der junge Mann bei seiner Rückkehr wieder gefragt wird, schwärmt er von den tollen Blumen und der üppigen Vegetation im Garten, aber hat kein Wasser mehr im Löffel.

Siehst du, sagt der Mönch, darauf kommt es im Leben an: Durch den Garten zu gehen, ihn wahrzunehmen und zugleich aber das Wasser nicht zu verlieren. Beides gleichzeitig.

Dieser Spruch, richtig verstanden, verhindert, dass man ein kleines Rädchen im Getriebe wird, ein kleiner Backstein in einer riesigen Wand, der sich nicht bewegen kann und dort eingezwängt ist. Er hilft, das Leben immer im Jetzt zu leben oder es zumindest zu versuchen. Er hilft aber auch, andererseits durchaus im großen Ganzen mitzuwirken, damit es funktioniert. Damit die Arbeit funktioniert und das eigene Leben. Beides ist wichtig. So muss man manchmal arbeiten, manchmal aber Dinge auch aufschieben können und darf nicht in übertriebene und mitunter unsinnige Perfektion verfallen, damit das Leben nicht an einem vorbeigeht. Die Kunst ist, zu erkennen, wann was dran ist.

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