Essen vor Flüchtlingen

Nicht essen mit, sondern Essen vor Flüchtlingen. Der Münchener Verein theolounge e.v. plant, Menschen, die Flüchtlingen gegenüber sehr negativ eingestellt sind und davon ausgehen, dass diese einzig und allein zu dem Zwecke hergekommen seien, um ihnen ihr wohlverdientes Geld abzuknüpfen, zu einem Festmahl der ganz besonderen Art einzuladen.

Das Besondere daran ist, das Festmahl soll mitten in einer Flüchtlingsunterkunft stattfinden. Gedacht ist beispielsweise an die Bayern-Kaserne.

Während die Flüchtlinge an ihren Tischen das Mensaessen zu sich nehmen, soll direkt daneben ein festlich gedeckter Tisch aufgebaut werden, mit Tischdecke, Tischsets, mehreren Besteckgarnituren, Gläsern für Wasser, Wein und einen Aperitif. Zudem soll es ein Fünf-Gänge-Menü geben, welches von festlich gekleideten Obern serviert wird. Candlelight auf der Festtafel und dezente Geigenmusik eines professionellen Ensembles aus dem Hintergrund sollen für eine wohlige und gediegene Atmosphäre sorgen.

Besonders geeignet für die Einladung an die Festtafel seien sogenannte „besorgte Bürger“, die sich meist lautstark gegen alles ihnen fremdartig Anmutende wenden. Sie sollen einmal nach Herzenslust im Angesicht des Flüchtlingselends dinieren können, ohne von ihrem Sozialneid aufgefressen zu werden.

Weitere Aktionen mit sozial schwachen Randgruppen sind geplant, wie beispielsweise mit Obdachlosen, zu denen man eine ebenso festlich gedeckte Tafel unter eine der Brücken, unter denen man sie des nachts zur Übernachtung antrifft, stellen wird. Als kleiner Clou soll dabei gelten, dass die exklusive Tischgesellschaft anschließend ebenfalls unter der Brücke neben den Obdachlosen übernachten darf, wenngleich auch in vorzüglich gepolsterten Boxspringbetten mit Federkernmatratzen, welche in eigens aus altdeutschem Eichenholz hergestellten, mobilen Schlafräumen, die zudem voll klimatisiert und mit fließend Wasser und Abwasser sowie Toilette und Dusche versehen sind, aufgestellt sind. Eine vollverglaste Wand innerhalb jedes Schlafraums soll den optimalen Ausblick auch über den Zeitraum der gesamten Nacht hinweg auf die in der Kälte übernachtenden Obdachlosen gewährleisten.

Neben den kostenlos eingeladenen VIP-Gästen bzw den „besorgten Bürgern“ soll es auch für interessierte Gourmets mit Kunstgeschmack die Möglichkeit geben, Tickets käuflich zu erwerben.
Die Preise können sich allerdings sehen lassen. Das festliche Tafel innerhalb des Flüchtlingsheims soll ab 1000 € losgehen, ein Dinner bei den Obdachlosen inklusive Übernachtung ist bereits ab 3000 € zu haben.

Für den Fall, dass beide Aktionen ein gewisses mediales Echo erzeugen sollten, wird darüber nachgedacht, weitere Aktionen mit sozialen Randgruppen durchzuführen, beispielsweise mit Hartz IV Empfängern, alleinerziehenden Müttern und Vätern, Kindern, welche unter der Armutsgrenze leben und ähnlichen Personengruppen.

Der Sozialneid der sogenannten „besorgten Bürger“ soll so für einen Tag gestillt werden, die sozialen Randgruppen im Gegenzug darauf hingewiesen werden, wie gut man es doch eigentlich als besorgter Bürger habe.

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An eine echte Umsetzung des Projekts ist übrigens nicht gedacht. Vielmehr handelt es sich um ein Gedankenexperiment, wie man den Sozialneid in der Gesellschaft greifbar, sichtbar und somit zum Thema eines öffentlichen Diskurses machen könnte.

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