„Bitte bewerten Sie uns!“

Wenn man z.b. bei McDonald’s am Tresen steht und auf sein Essen wartet, flimmern an den Bildschirmen die Informationen durch, was man hier alles so kaufen kann, wie das so abläuft, wie glücklich alle Mitarbeiter offenbar sind, und dann noch die Aufforderung, dass man die Filiale doch bitte bewerten solle.

Diese Aufforderung ist derzeit nichts Besonderes mehr, man findet sie praktisch überall. Wenn man ein Hotel bucht, einen Flug, eine Busfahrt und so weiter. Immer die scheinbar freundliche Aufforderung, man solle doch bitte eine Bewertung hinterlassen. Und wenn man nur ein Buch bestellt hat, ein Fahrrad oder einen Zahnstocher.

Man fragt sich, ob das Ganze denn einfach nur kundenfreundlich sein soll. Oder ob nicht noch etwas anderes dahinter steht, denn sonst würden es gewisse Firmen doch wohl nicht machen.

Und tatsächlich, man darf vermuten, dass gewisse Firmen sich hier etwas aus der Verantwortung stehlen, um die eigene Qualität vermeintlich zu sichern. Denn die müsste und sollte man ja normalerweise als Firma eigentlich selbst überprüfen. Das überlässt man nun aber fein der Schwarmintelligenz der Kunden.

Mit der Schwarmintelligenz ist es aber so eine Sache, denn spätestens seit Hitlers Aufstieg kann man ebenso von Schwarmdummheit sprechen. Nur weil viele etwas gut oder schlecht finden, sagt das noch nicht allzu viel über die Qualität eines Produkts aus.

Unabhängig davon, dass die Firmen sich mit derartiger scheinbarer Kundenfreundlichkeit um ihre Verantwortung drücken, gibt es aber noch einen anderen Punkt, der dramatische Folgen haben kann.

Man bewertet nämlich nicht unbedingt die Filiale oder das Hotel oder die Dienstleistung, die man in Anspruch genommen hat, sondern eigentlich auch alle Mitarbeiter, die in ihr arbeiten.

Deswegen müsste korrekterweise die Aufforderung nicht lauten:

„Bitte bewerten Sie uns!“,

sondern etwas ehrlicher:

„Bitte helfen Sie uns, herauszufinden, wem wir demnächst in Ihrem Namen kündigen sollen!“

Die Schwarmdummheit oder Schwarmintelligenz, je nach Sichtweise, wird also zu einem Faktor, der über Einzelschicksale entscheiden kann, unabhängig davon, ob diese Entscheidung richtig ist. Vielleicht hat ja einfach die Konkurrenz bezahlt dafür, dass viele schlechte Bewertungen abgegeben werden.

Diese Bewertungsmanie ist durchaus problematisch. Der Mensch wird durch diese vielen Bewertungsportale und Bewertungsmöglichkeiten zu einem durchgetakteten, maschinellen Produkt degradiert, das es permanent zu optimieren gilt.

Da darf gerne die Sorge aufkommen, wo denn da der Mensch bleibt. Ein solcher Mensch ist nämlich nicht mehr das Ebenbild Gottes, sondern das Ebenbild und Abbild der Bewertungen anderer Menschen.

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