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Wie es ist und war, ein Kind zu sein

Kind zu werden ist nicht schwer, Kind zu sein dagegen sehr. Zumindest in vielen Ländern der Welt. Hier in Deutschland ist es glücklicherweise so, dass Kinder meistens geliebt werden, wenngleich es auch hier natürlich Ausnahmen gibt. Was für ein Kinderbild gab es in der Bibel eigentlich?

Die Antwort lautet, kein gutes. Kinder in der Bibel hatten eigentlich nichts zu sagen, zumindest im Alten Testament nicht. Dort waren Kinder rechtlos und die Eltern konnten mit ihnen machen, was ihnen gerade so beliebte, beispielsweise sie als Sklaven verkaufen, wo sie dann für Arbeitszwecke verwendet oder auch missbraucht wurden oder beides. Kind zu sein hieß damals eigentlich nur, erstmal zu überleben. Nicht überall, aber in vielen Teilen der Gesellschaft.

Heutzutage ist das auch nicht grundsätzlich überall anders. In Bolivien beispielsweise werden Kinder in den Bergbau geschickt, aus Kostengründen, damit man die Stollen nicht so groß bauen muss. Um dies überhaupt auszuhalten, betäuben sich die 10 jährigen mit Alkohol und Zigaretten. Und dann gibt es sogar Menschen, Eltern, die irgendwie Geld brauchen und denen es nicht zu schade ist, ihre Kinder in die Kinderprostitution zu schicken. Welch ein Verbrechen.

Etwa 4000 Jahre vor unserer Zeit beginnt im Alten Testament mit dem Stammvater Abraham die Geschichte mit Gott, zumindest dieser Teil, über den wir noch etwas wissen.

Abraham hatte eine Frau, Sara, die allerdings keine Kinder bekommen konnte und auch schon ziemlich alt war. Deshalb legte sie ihm ihre ägyptische Dienerin Hagar ins Bett, welche an ihrer Stelle gewissermaßen als Leihmutter schwanger wurde und ein Kind gebar, Ismael.

Später, wie der Zufall oder auch Gott es so wollte, bekamen Abraham und Sara dann aber doch noch ein eigenes Kind, Isaak. Doch schon vorher war es Sara, die verständlicherweise von Eifersucht geplagt wurde, auf einmal überhaupt nicht mehr recht, dass es diese andere Magd, die noch dazu ein Kind von Saras Mann hat, samt ihrem Kind in der Familie gab. Sie fordert schließlich, dass Abraham die beiden in die Wüste schickt.

Und das Unglaubliche, welch grauenvolles Vaterbild, er macht es tatsächlich.

Hagar bekommt einen Schlauch mit Wasser umgehängt und dann ab in den sicheren Tod.

Irgendwo in der Wüste, kurz vor dem Verdursten, hält Hagar es nicht mehr aus, mit anzusehen, dass der kleine Ismael verdurstet. Sie setzt ihm unter einen Busch und entfernt sich einen Bogenschuss weit, um den Todeskampf nicht mit ansehen zu müssen. Doch da sieht Gott Ismael und zeigt Hager einen Brunnen, den sie vorher vielleicht übersehen hatte. Hagar und Ismael werden gerettet. Auch, wenn es hier eigentlich nicht viel zur Sache tut, ist Ismael übrigens der Mythologie nach der Stammvater der Muslime.

Isaak, dem Zweitgeborenen, der bei Abraham und Sara höchstes Ansehen als das einzige übriggebliebene Kind und somit als rechtmäßiger Erbe besitzt, geht es übrigens nicht viel besser. Abraham, irgendwo sehr gläubig, bekommt von Gott nämlich den Auftrag, Isaak, sein einziges ihm verbliebenes Kind, zu opfern.

So zieht er denn los und das Kind, Isaak, fragt ihn, wo denn eigentlich das Opfertier sei? Abraham antwortet ausweichend. Angekommen an der Opferstätte bindet er Isaak auf einen Altar und will ihn gerade seinem Gott opfern, als der Engel des Herrn in seine Hand fährt und ihn von dem Opfer abhält. Heutzutage würde man vielleicht sagen, Abraham bekommt in letzter Sekunde eine Eingebung, dass sein Handeln falsch ist. Abraham bindet sein Kind wieder los und danach findet sich, irgendwo in einem Busch versteckt, ein Opfertier, das Abraham anstelle des Kindes dann seinem Gott opfert.

Die Dramatik dieser Schilderung ist nur relativ kurz gefasst und enthält kaum Emotionen, wie in einem Newsticker, obwohl dort von einer gewaltigen Ungeheuerlichkeit berichtet wird.

Der thematische Hintergrund liegt jedoch primär gar nicht so sehr in dieser ungeheuerlichen Geschichte, sondern darin, dass der Gott Abrahams keine Kinderopfer zulässt. Denn im Land Kanaan, in heidnischen Religionen, die dort ansässig waren, gab es durchaus immer wieder Kinderopfer. Mit dieser Geschichte jedoch wird klar, dass es in der Religion Abrahams künftig nie mehr Kinderopfer geben darf.

Dennoch verlassen sicherlich Abraham und auch Isaak die Opferstätte völlig traumatisiert. Wie könnte Isaak dem Vater Abraham jemals wieder vertrauen?

Kinder im Alten Testament hatten es nicht leicht.

Mit Jesus, im Neuen Testament, beginnt jedoch ein grundlegender Wandel, denn Jesus stellt die bisherige soziale Ordnung völlig auf dem Kopf.

War es bislang gängige Praxis, dass Kinder beispielsweise zu Tisch als Bedienstete zugegen waren und Gästen die Füße wuschen, weil sie ja der allerunterste Bodensatz der Gesellschaft waren, so begibt sich nun Jesus in die Rolle eines Kindes. Er wäscht anderen Menschen die Füße. Er macht sich damit zum Allergeringsten der Gesellschaft, auch, um diesen Kindern, die völlig rechtlos sind, die größte Würde von allen in der Gesellschaft zuzusprechen.

Als seine Jünger einmal bei einer Versammlung, in der Jesus vor vielen Zuhörern spricht, die Kinder verscheuchen wollen, fährt Jesus sie hart an und spricht, lasst die Kinder zu mir kommen. Wer nicht glaubt, wie ein Kind, wird nicht ins Reich Gottes kommen.

Jesus gibt den Entrechteten eine Stimme, er macht sie zu Menschen.

Er nimmt in dem Zusammenhang ein Kind sogar in den Arm und drückte es, auch, um damit zu verdeutlichen, welche besondere Würde es besitzt. Auch dies war für die damalige Zeit ein völliges NoGo, weil ein Kind ja unreine Tätigkeiten verrichtete, Sklavenarbeiten nämlich. Deswegen, so glaubten viele, werde man auch unrein, wenn man ein Kind anfasste. Jesus ist dies völlig egal. Er sieht die jeweilige Situation und den Menschen, der ihm in dieser Situation begegnet.

Dass Kinder auch heutzutage noch um ihre Menschenwürde zu kämpfen haben, habe ich eingangs schon erwähnt.

Auch in den Märchen der Gebrüder Grimm aus dem 19. Jahrhundert, die ja eine Sammlung von Volksmärchen darstellen, welche wiederum sicherlich einige Begebenheiten aufgegriffen haben, von denen man immer wieder hörte, findet man öfters Stellen, an denen deutlich wird, was es bedeutete, ein Kind zu sein.

In dem Märchen Hänsel und Gretel verlangt die Stiefmutter, dass der Vater, weil man nicht genug zu essen hat, die Kinder in den Wald hinaus schickt. Ismael wurde in die Wüste geschickt, die Kinder in den Wald, beides bedeutete aber den sicheren Tod.

Dramatisch ist auch bei den Gebrüdern Grimm das Vaterbild, ein Vater, der sich der keifenden Frau nicht entgegenzusetzen vermag. Und stattdessen seine Kinder verrät. Wie grauenvoll.

Und Hänsel und Gretel haben es dann im Wald auch nicht viel besser, sie geraten an eine Einsiedlerin, bezeichnet als Hexe, die dann der Hungersnot dadurch entkommen will, dass sie dem Kannibalismus anheimfällt und die Kinder zu fressen beabsichtigt.

Auf wundersame Weise können sich die Kinder vor der bösen Hexe retten und kehren heim zum Vater, dessen üble Frau mittlerweile gestorben ist. Diese glückliche Rettung ist der märchenhafte Anteil im Märchen. Der Vater ist sehr froh, seine Kinder wieder zu haben. Doch auch hier schwingt implizit die Frage mit, wie würde er denn handeln, wenn nun eine neue Frau gleichermaßen auftreten und etwas ähnliches verlangen würde? Hätte er denn etwas gelernt für die Zukunft? Würde er künftig anders handeln, wäre er psychisch stark genug, sich gegen ähnliche menschenverachtende Forderungen durchsetzen zu können?

Kinder, auch heute noch die Schwächsten der Gesellschaft, brauchen in besonderer Weise unseren Schutz und unsere Aufmerksamkeit. Wenn Sie das nächste Mal durch die Stadt gehen, tun Sie das mit diesem neuen Blick. Achten Sie darauf, wo Sie vielleicht helfen können. Sie sind zwar nicht Jesus, aber ein bisschen können Sie ja von ihm lernen. Und dazu brauchen Sie noch nicht einmal gläubig sein, denn das, was er da getan hat, entspricht einfach ethisch höchsten Standards, die es auch für Atheisten sicherlich anzustreben gilt.

Im folgenden sei noch ein Video verlinkt, das eine Begebenheit von Papst Franziskus zeigt, wenngleich ich selber ja evangelisch bin. Dennoch eindrucksvoll. Es geht hier zwar nicht um Kinder, aber um Nächstenliebe. Eine Polizistin fällt vom Pferd, nachdem der Papst durch die Menschenmenge gefahren wurde. Und was macht Franziskus? Sehen Sie selbst ->hier.

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