Was heute so passierte

Sie brauchen diesen Artikel wirklich nicht zu lesen, es passiert hier absolut nichts weltbewegendes. Vielleicht haben Sie ja was Besseres zu tun?

Immer noch da? Machen Sie doch lieber etwas Schönes.

Naja, wenn Sie es bis hier geschafft haben, müssen Sie wohl durch. Obwohl…Sie können ja immer noch aussteigen.

Wenn man sich Geburtstagsgeschenke einmal nicht liefern lässt, da vielleicht zeitlich ein wenig zu knapp, muss man sie selbst besorgen fahren. Wie anachronistisch, wie zeitaufwendig und gleichsam wie erlebnisreich. So heute. Auf dem Weg ins Olympiazentrum in München kam ich doch an verschiedenen Orten vorbei, die alle an sich nichts Besonderes sind, jedoch andererseits jeder für sich genommen auch der Erwähnung wert.

Zum einen das Olympiastadion und das Olympiagelände in München, bei dem die Dachkonstruktion von Frei Otto entworfen wurde, den Plan insgesamt aber der Architekt Günter Behnisch machte, der damit auch demokratische Architektur ausdrücken wollte, welche nicht axialsymmetrisch angeordnet ist, wie noch beispielsweise die Überwältigungsarchitektur der Nazis. Sondern Behnisch wollte eine Architektur schaffen, die leicht ist, luftig, transparent und nicht auf einen speziellen Mittelpunkt alleine ausgerichtet. Jede Ecke und jeder Raum sollte seine eigenen Beziehungen und seine eigene Wertigkeit haben. So wie auch jeder Bürger in einem Staat seinen eigenen und besonderen und einzigartigen Wert haben soll. Unabhängig von Herkunft, Rasse, Religion und so weiter.

Als hier 1972 die Olympischen Sommerspiele stattfanden, wurden sie durch ein Attentat von palästinensischen Terroristen auf israelische Sportler überschattet. Licht und Schatten lagen hier eng beisammen, einerseits die Olympiade, der Gedanke der friedlichen Vereinigung der Völker, und auf der anderen Seite der Terror.

Ich fuhr weiter und kam an einem Gebäude vorbei, bei dem ich mich immer fragte, was das für Leute da drin sind. Als Religionslehrer weiß ich das natürlich, die Zeugen Jehovas, die da ihren sogenannten Königreichssaal haben, eine Gruppe, entstanden einst aus einer ultrafrommen, erzkonservativen Bibellesegruppe, die sich dann aber stark in Richtung Sekte entwickelt hat. So stark, dass man sie heute tatsächlich als Sekte bezeichnen muss. Wer da hinein kommt, glaubt, alle, die außerhalb sind, seien verloren und lägen irgendwie falsch. Kontakte nach außen, also außerhalb der Gruppe, sind nicht erwünscht, wenn nicht sogar verboten.

Als ich dann am Olympia-Zentrum war, kam ich an der Stelle des Attentats vom Juli 2016 vorbei, wo ein von Hass erfüllter rechtsradikaler Täter im McDonald’s und dem näheren Umfeld gewütet hatte. Ein Mahnmal erinnert heute an die schreckliche Bluttat.

Und wo ich dann schon so vor Ort war und neben diesem Mahnmal dann ganz brav und auch schön konservativ gekleidet 4 Zeugen Jehovas sorgsam aufgereiht standen, dachte ich mir, ich kann sie doch mal ansprechen. Wer sollte dies denn sonst mit der Sicherheit tun können, nicht gleich in deren Organisation hineingezogen zu werden, wenn nicht ein Religionslehrer.

Was ich erwartete, war eigentlich, dass man mich bekehren wollte, dass man mich darauf hinweisen würde, dass Gott Jehova heiße, basta, und nicht etwa Jahwe, wie es im Alten Testament steht, dass ich eigentlich verloren sei und meine Seele gleich mit, wenn ich deren Erkenntnisse nicht schleunigst verinnerlichen würde und so weiter. Ich sprach die vier also an, warum sie denn hier stünden. Die ältere Dame mit slawischen Akzent konnte wohl nicht sonderlich gut Deutsch, also sprang eine jüngere Frau ein im Alter von etwa 25 Jahren, die vermutlich ihre Tochter war. Sie sagte, bitte nehmen Sie Broschüre.

Ich war etwas enttäuscht. Radikale Mission hatte ich mir doch etwas radikaler vorgestellt. Wenn nicht mal mehr die Zeugen Jehovas radikal missionieren, muss man sich ja fast schon Gedanken machen. Ich lese mir aber doch nicht irgendwelche Werbebroschüren mit kitschigen Bildern vermeintlich glücklicher Familien durch, welche alle ein verklärtes Lächeln auf ihren Gesichtern eingraviert haben, deren Inhalte ich ohnehin schon mehrfach analysiert habe. Nun denn, meine Seele hätten sie ohnehin nicht fangen können, ich ließ sie dann also wieder stehen und fuhr weiter.

Als jemand, der im spirituellen Bereich vielleicht auf der Suche ist, würde ich aber dringend von einem Kontakt zu Zeugen Jehovas und jeglichen anderen Arten von Sekten abraten. Denn der Einstieg geht ja in der Regel so, dass die Leute durchaus nett, freundlich, bemüht und sehr zuvorkommend sind, einen einladen, doch mal zu ihnen zu kommen, sie würden einem auch helfen bei irgendwelchen Problemchen, die man hätte und dann allmählich zieht sich die Schlinge mehr und mehr zu. Dann kommt man zu deren Veranstaltungen, bekommt deren Weltsicht eingetrichtert und auch deren implizite oder explizite Regeln, wie man sich zu verhalten habe, mit wem man reden dürfe, welche Kontakte man zu kappen und zu unterlassen habe und so weiter.

Insofern für mich ein zwar ganz interessanter, wenn auch sehr kurzer Plausch, aber nicht weiterzuempfehlen. Für mich waren diese Zeugen Jehovas harmlos, für jemanden, der auf der Suche ist, können sie aber zum Gefängnis seines Lebens werden.

War noch was? Ach ja, den Sprachassistenten, den ich gekauft hatte, kann ich nun verschenken. Auch hier liegen Licht und Schatten vermutlich eng beisammen. Denn Sprachassistenten werden wohl die Zukunft sein, die Gefahr, die aber mitschwingt, ist die, dass die Sprachdaten, die sie sammeln, möglicherweise ja auch immer missbraucht werden könnten, wie generell natürlich alle Daten von Cloudlösungen, jedoch auch alle Daten von herkömmlich über schnelles WLAN verbundenen Computern gleichermaßen.

Da ich jedoch Optimist bin, glaube ich hier mal an das Licht, nicht an den Schatten. Aufzuhalten wird diese Entwicklung wohl ohnehin nicht sein.

So, jetzt haben Sie es geschafft. Und jetzt mal raus und selbst was erleben.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. kunterbunt79 sagt:

    dann geh ich nun mal raus in die weite Welt 8)…herrlich geschrieben

  2. Man weiß ja nie, was man so für Abenteuer draußen in der weiten, weiten Welt erlebt, hihi

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