Ab wann ist Jesus Gottes Sohn und was bedeutet dieser Titel überhaupt?

Vielleicht verstehen Sie die Frage nicht, weil Sie davon ausgehen, dass Jesus doch Gottes Sohn ist. Das ist richtig, wenngleich erst einmal geklärt werden sollte, was damit gemeint ist. Es gibt, wie so oft im Leben, nämlich verschiedene Sichtweisen.

Wenn Sie das Ganze allzu biologisch sehen, bekommen Sie wahrscheinlich gewisse Probleme. Denn dann ist vielleicht Josef der Vater, Gott ebenfalls oder jemand anders, weil Josef ja zunächst vorhatte, Maria heimlich zu verlassen, nachdem er erfuhr, dass sie schwanger war.

Mt1,18f Als Maria, seine Mutter, dem Joseph vertraut war, fand sich’s ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist. 19Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.

Was ist also mit Sohn Gottes gemeint?

Im Alten Testament wird dieser Titel häufig für das Volk Israel verwendet. Auch ein von Gott erwählter Herrscher im Volk Israel wird als Gottes Sohn bezeichnet, zumal er durch einen Priester in die Position des Herrschers berufen und so legitimiert wurde. In der hellenistisch-römischen Welt gelten herausragende Männer als Söhne Gottes, auch Ärzte und Künstler bekamen dieses Attribut. Der Kaiserkult im römischen Reich sah die Kaiser als divi filii, als Söhne Gottes.

Sohn Gottes ist also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht biologisch gemeint, sondern ein Ehrentitel. Es soll bedeuten, dass jemand Gott sehr nahe steht.

Ab wann aber wurde Jesus zum Sohn Gottes?

Hier gibt es verschiedene Konzepte, je nachdem, wen man fragt, Paulus oder die vier Evangelisten.

Im Philipperhymnus des Paulus, der sich im Phil 2,5-11 findet, ist Paulus der Meinung, dass Gott Jesus erhöht, weil dieser Gott gehorsam ist bis in den Tod. Durch die Auferstehung wird von höchster Stelle aus, von Gott, klargestellt, dass Jesus Sohn Gottes ist.


5Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war: 6welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er’s nicht für einen Raub, Gott gleich sein, 7sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein andrer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden; 8er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. 9Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, 10daß in dem Namen Jesu sich beugen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der HERR sei, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Im Markusevangelium, Markus 1,9-11, lässt Markus den Leser wissen, dass Jesus bei der Taufe Gottes geliebter Sohn ist. Markus drückt dies durch das Symbol der Taube aus.

9Und es begab sich zu der Zeit, daß Jesus aus Galiläa von Nazareth kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. 10Und alsbald stieg er aus dem Wasser und sah, daß sich der Himmel auftat, und den Geist gleich wie eine Taube herabkommen auf ihn. 11Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Matthäus dagegen, Mt 1,18-2,12, setzt bereits vor der Geburt an, ein Engel kündigt hier den Sohn Gottes an. Auch die Propheten weisen auf ihn hin.

Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. 20 Indem er aber also gedachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des HERRN im Traum und sprach: Joseph, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, dein Gemahl, zu dir zu nehmen; denn das in ihr geboren ist, das ist von dem heiligen Geist. 21Und sie wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen; denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden. 22Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllt würde, was der HERR durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: 23Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Immanuel heißen, das ist verdolmetscht: Gott mit uns.

[…]

Ähnlich im Lukasevangelium, Kapitel 2,1-20, hier, in der Weihnachtsgeschichte, machen die himmlischen Heerscharen deutlich, dass derjenige, der hier geboren wird, Christus, der Messias ist, implizit ist also der Sohn Gottes gemeint.

8Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.10Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids.

Das späteste Evangelium, das des Johannes, das etwa um das Jahr 100 herum entstanden sein könnte, reflektiert noch tiefgehender, was es bedeutet, wenn jemand wie Jesus auftritt, vom kommenden und bereits angebrochenen Reich Gottes kündet, wenn er Menschen heilt und wenn er dann nicht im Tod bleibt, sondern wieder aufersteht. Für Johannes ist klar, dass Jesus das Wort Gottes ist und das Wort Gottes ist nach Johannes präexistent, war also schon immer da, seit allen Ewigkeiten. Es schuf alles, was es gibt, also das ganze Universum. Und es kommt hinein in die Welt, aber viele Menschen erkannten es nicht. Durch den Glauben an Jesus Christus werden nach Johannes die Menschen zu Kindern Gottes. Jesus ist hier also implizit von Ewigkeiten her schon Sohn Gottes bzw Gott selber und ermöglicht den Menschen, ebenfalls eine ganz enge Beziehung zu Gott zu erlangen, nämlich Gottessöhne zu werden.

1Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. 4In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.

11Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die an seinen Namen glauben;

14Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Insofern kreisen diese fünf Theologen um die Frage, wer Jesus ist und inwiefern sich Gott in ihm gezeigt hat. Dass sich Gott in ihm gezeigt hat, darin sind sich alle einig, nur der Zeitpunkt variiert. Besonders interessant finde ich jedoch hier die Sicht des Johannes. Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Wie schon erwähnt wird später dieser Satz aufgelöst, indem klar gemacht wird, dass Jesus das Wort ist. Jesus war bei Gott und er existierte schon von Anbeginn aller Zeiten.

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich finde, das Gute, und mit der Zeit das „Göttliche“ gibt es seit Anbeginn der Menschheit.
    Und ab dem Moment als der Mensch zu Denken lernte, erschuf er selbst Gut und Böse, und somit das Göttliche, weil er es erkennen konnte.

  2. Okay, ist natürlich auch eine Sichtweise. Ich für meinen Teil denke aber, dass hinter allem schon etwas Göttliches steht, also auch schon da war, bevor es Menschen gab.

  3. Das sehe ich außerhalb der Naturwissenschaft auch so. Weil wir uns Vieles mit unserer eingeschränkten Vorstellungskraft nicht erklären können.
    Ein gutes Thema zum Denken.
    Dank dafür und alles Liebe zur Dir
    Gabi

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