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Wird ein Atomkrieg wieder wahrscheinlicher?

Nachdem Jahrzehnte der Abrüstung hinter uns liegen, wird nun wieder in die nukleare Bewaffnung investiert. Vielen macht das Sorgen, auch der Papst fürchtet einen Atomkrieg. Aber ist das realistisch?

Vor ein paar Tagen erst sah es nach dem Super-GAU aus, zumindest für die Bewohner von Hawaii. Sie bekamen die Meldung, dass eine nukleare Rakete, vielleicht abgeschossen von Nordkorea, im Anflug sein könnte und hatten 15 Minuten Zeit, sich in Sicherheit zu bringen, jedoch gab es nichts, wohin man sich in Sicherheit hätte bringen können. Panik und Dramatik pur. Die Angst vor einem atomaren Erstschlag ist also wieder in den Köpfen der Menschen angekommen.

Russland beispielsweise besitzt lokal begrenzte, kleine Atomwaffen, die einen konventionellen Krieg unterstützen könnten. Aus diesem Grund haben die USA beschlossen, ebenfalls solche kleinen, lokal operierenden Atomwaffen mit begrenzter Sprengkraft zu produzieren.

In gewisser Weise beginnt hier also ein neuer Kreislauf des Wettrüstens. Der Gedanke dahinter ist der folgende, dass ein Land, welches durch ein anderes mit solchen Atomwaffen, die nur eine begrenzte Sprengkraft haben, angegriffen werden würde, möglicherweise nuklear nicht reagieren könnte, weil eine Reaktion bisher nur mit dem gewaltigen Arsenal der Atomwaffen stattfinden könnte. Das angegriffene Land könnte, trotz Angriff, zu dem Schluss kommen, lieber nichts zu tun, als durch die eigene Reaktio möglicherweise einen gewaltigen nuklearen Krieg auszulösen, der letztlich die ganze Welt auf Jahrzehnte hin unbewohnbar machen könnte. Deswegen, so Strategen, sei es sinnvoll, auf lokal begrenzte nukleare Angriffe ebenfalls lokal begrenzt antworten zu können. Dies verhindere einen Atomkrieg.

Nun mag man die Taktiererei in militärischen Kreisen nicht sonderlich angenehm finden, aber letztlich steckt darin eine gewisse Logik. Atomwaffen sind die Versicherung, nicht angegriffen zu werden.

Und in dieser Logik ist mittlerweile ein Ungleichgewicht, wie oben erwähnt. Dieses Gleichgewicht muss wieder hergestellt werden, auch, wenn man eigentlich überhaupt gegen Atomwaffen und eher pazifistisch veranlagt ist. Aber die Möglichkeit, mit gleicher Münze zurückschlagen zu können, verhindert einen Atomkrieg, oder kann ihn zumindest verhindern. Insofern bin ich der Meinung, dass ein Atomkrieg durch diese Art der atomaren Aufrüstung nicht wahrscheinlicher wird, sondern im Gegenteil.

Wenngleich man parallel zu dieser Erkenntnis natürlich Sorge haben darf, warum denn wieder aufgerüstet werden muss. Allerdings redet man sich hier so leicht, denn sobald einer auf rüstet, müssen im Grunde die anderen nachziehen.

Insofern dürfte die Welt eigentlich zunächst nicht wesentlich unsicherer werden durch die neue nukleare Aufrüstung, sofern alles glatt läuft. Es sei denn, ein Staatenlenker würde mal völlig austicken und einfach so einen Erstschlag anordnen. Allerdings ist dies nicht unbedingt zu erwarten, sofern ein solcher Staatenlenker nicht irgendwie geistig umnachtet ist, denn Ziel und Absicht eines jeden derartigen politischen Anführers ist es ja, an der Macht zu bleiben. Zumindest dann, wenn es sich um diktatorische Systeme handelt. In demokratischen Systemen braucht man ohnehin nicht allzu viel Angst in dieser Hinsicht zu haben, da ja die Regierungschefs in aller Regel dann nach ein paar Jahren auch wieder ausgewechselt werden.

Die Welt wird also durch das neue Wettrüsten meiner Meinung nach nicht unsicherer.

Es sei denn, ja es sei denn, es würde so etwas passieren wie bei Hawaii oder etwas, was auch im Kalten Krieg passierte. Dass ein Staat nämlich versehentlich und fälschlicherweise annahm, nuklear angegriffen zu werden. Und dass ein solcher Staat dann in einer Kurzschlussreaktion, denn man muss ja innerhalb recht kurzer Zeit eine Reaktion erfolgen lassen, reagiert und durch seine Reaktion, die eigentlich keinen Grund hat, weil es sich um einen Fehlalarm handelt, dann tatsächlich einen nuklearen Krieg auslöst.

Und obwohl ich eben noch behauptet hatte, die Welt würde durch die nukleare Aufrüstung sicherer werden, muss ich nun genauso das Gegenteil behaupten. Dadurch, dass es zu technischen und menschlichen Fehleinschätzungen zwischen Staaten kommen kann, kann im Grunde der Supergau passieren. Zunächst möglicherweise dann lokal begrenzt, aber ist eine Aggression erst einmal ausgeführt, liegt darin in aller Regel der Keim für weitere und größere Reaktionen und Aggressionen.

Ja, vermutlich wird die Welt gefährlicher durch das neue atomare Wettrüsten.

Aber was ist die Alternative? Selbst nicht mitmachen, während andere aufrüsten?

Man steckt hier in einem Dilemma und egal, wie man sich entscheidet, es ist immer falsch. Denn das ist das Wesen eines Dilemmas: dass man nie heil aus der Sache heraus kommt, egal, welchen Weg man nimmt.

Quelle.

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